Rechte WhatsApp-Chats: Suspendierter Polizist ist in der Freizeit Hooligan

Polizei-Skandal

Die rechtsradikalen WhatsApp-Chats von NRW-Polizisten hatten landesweit für Aufsehen gesorgt. Einer der verdächtigen Beamten soll Teil einer Hooligan-Gruppe sein und Kontakte zu Rockern haben.

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27.10.2020, 12:38 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das Polizeipräsidium in Mülheim an der Ruhr. Bei den Fällen rechtsextremer WhatsApp-Chats und den mutmaßlichen Schlägen eines Polizisten gegen einen gefesselten Verdächtigen gibt es eine bisher unbekannte Querverbindung.

Das Polizeipräsidium in Mülheim an der Ruhr. Bei den Fällen rechtsextremer WhatsApp-Chats und den mutmaßlichen Schlägen eines Polizisten gegen einen gefesselten Verdächtigen gibt es eine bisher unbekannte Querverbindung. © picture alliance/dpa

Bei den Fällen rechtsextremer WhatsApp-Chats und den mutmaßlichen Schlägen eines Polizisten gegen einen gefesselten Verdächtigen gibt es eine bisher unbekannte Querverbindung bei der Polizei in Mülheim/Ruhr.

Ein Vorgesetzter, der die angeblichen Schläge gedeckt haben soll und gegen den wegen Strafvereitelung im Amt ermittelt wird, ist bereits suspendiert - weil er auch an den umstrittenen Chats beteiligt gewesen sein soll. Acht andere Beamte, die im Zuge der Chat-Affäre suspendiert worden waren, dürfen ab sofort wieder arbeiten.

Polizistin hatte gegen Suspendierung geklagt

Die acht gehören zu den „minderschweren Fällen“ von insgesamt 31 mutmaßlich an den Chats beteiligten Beamten. Eine weitere Polizistin hatte ihre Suspendierung bereits vergangene Woche durch einen Beschluss des Verwaltungsgerichts gekippt. Nach Auswertung des Gerichtsbeschlusses sei man nun zu dem Ergebnis gekommen, dass in den acht „gleichgelagerten Fällen“ die Suspendierung aufzuheben sei, so das zuständige Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten (LAFP).

Weiter suspendiert bleibt ein Beamter, gegen den auch die Staatsanwaltschaft ermittelt. Bei der Razzia wegen der rechtsextremen Chats beschlagnahmte man auch das Handy des Polizisten, in dem die Ermittler auch private Fotos zusammen mit „Bandidos“-Rockern fanden. Im Adressbuch seines Telefons hätten sich auch Kontaktdaten der Rocker gefunden, hieß es am Dienstag in einem Bericht des Innenministeriums an den Landtag.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) in NRW äußerte als Reaktion darauf Zweifel an der Rechtsstaatlichkeit des aus ihrer Sicht pauschalen Vorgehens gegen die Polizeikollegen. Es seien jetzt Ermittlungen erforderlich, „die sich an Recht und Gesetz orientieren, und keine Hexenjagd oder Sonderzuständigkeiten in der Polizei“, teilte GdP-Landesvorsitzender Michael Mertens am Dienstag mit.

Die GdP erwarte die Rücknahme weiterer Suspendierungen in ähnlichen Fällen. NRW-Innenminister Herbert Reul sei nun aufgefordert, das Verfahren, mit dem den Vorwürfen gegen die Polizisten nachgegangen werde, „auf eine rechtskonforme Grundlage zu stellen

Verdächtiger hatte engen Kontakte zu den „Bandidos“

Demnach ist der Beschuldigte - im Bericht wird er „B9“ genannt - auch Mitglied der Essener Hooligangruppe „Alte Garde“. Sowohl Mitglieder der „Bandidos“ als auch der „Alten Garde“ sind laut Ministerium parallel auch bei der rechtsextremen Vereinigung „Steeler Jungs“. Ob der Polizist auch dazu gehört, „ist derzeit nicht bekannt“.

Bei den Razzien Mitte September seien bei den betroffenen Polizisten insgesamt 205 IT-Asservate sichergestellt worden, die ein Gesamtdatenvolumen von riesigen 18,5 Terabyte haben. In der zuständigen Sondereinheit „Janus“ seien derzeit rund 100 Polizeibeamte mit der Auswertung des Datenmaterials betraut, so das Innenministerium. Inzwischen stehe auch fest, dass in den Chatgruppen mit den Namen „Alphateam“, „Anton“, „A-Team“ und „Best of A-Team“ ausschließlich Polizeibeamte beteiligt gewesen seien.

dpa

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