Union-Party ohne Fans: Nicht das Glücksgefühl

Vereinzelte Fans im Wald, vor der Ausfahrt - überglückliche Spieler, die nur zu gern mit ihnen gefeiert hätten. Nach dem sicheren Klassenverbleib hat der 1. FC Union aber noch weitere Ziele in dieser Saison. Im Hinterkopf ist auch Stadtrivale Hertha.

17.06.2020, 06:01 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Wichtigste fehlte, um den denkwürdigen Moment kurz vor Mitternacht im Stadion An der Alten Försterei perfekt zu machen. Draußen riefen sie, draußen jubelten sie, machten ein kleines Feuerwerk - die Fans. Auf dem Rasen der Kultstätte des 1. FC Union Berlin aber blieb den abgekämpften Spielern nichts anderes übrig, als sich selbst zu feiern. „Natürlich sind wir megaglücklich und freuen uns. Das Gefühl war aber auch ein bisschen komisch. Jeder weiß gar nicht, was so richtig ist, du hast von außen nicht dieses Glücksgefühl“, meinte Union-Profi Robert Andrich.

„Es ist wirklich eine sehr lange Saison. Da gehen dir gewisse Bilder durch den Kopf. Wenn du es geschafft hast, wenn du über die Ziellinie gegangen bist, ist es einfach ein tolles Gefühl“, sagte Trainer Urs Fischer: „Wir hatten Hochs und Tiefs, wir haben uns nicht unterkriegen lassen. Wir waren aber auch nicht euphorisch, als es lief. Eine tolle Saison, die wir gespielt haben.“

Die erste in der Bundesliga wird vorerst nicht die letzte sein. „Ich habe in den letzten Tagen oft mit der Mannschaft gesprochen und ihr gesagt, wir müssen den Menschen eine zweite Saison geben, die erste ist uns ein bisschen genommen worden“, betonte Präsident Dirk Zingler mit Blick auf die Geisterkulissen durch die Pandemie.

Das 1:0 gegen den damit abgestiegenen SC Paderborn entledigte die Eisernen aller Restzweifel am Ligaverbleib. Elf Siege, fünf Unentschieden, 16 Niederlagen. 38 Punkte zwei Spieltage vor Schluss. Zeit für Party in Köpenick. „Ich verrate nicht, wie wir feiern“, sagte Zingler. „Mit Abstand und doch ein paar Bier“, meinte Kapitän Christopher Trimmel in Anspielung auf die Corona-Regeln.

Sie wollten es gegen Paderborn klarmachen, sie machten es klar. Das Eigentor des ehemaligen Unioners Ben Zolinski entschied die Partie. Nach dem Schlusspfiff im leeren Stadion, in das immer wieder die vereinzelten Fan-Gesänge aus dem umliegenden Wald drangen, streiften sich die Spieler T-Shirts mit dem Aufdruck: „Schluss Endlich Saison 2019/20 Klasse Gehalten“. Trainer Fischer musste danach noch eine Bierdusche über sich ergehen lassen, die Spieler feierten erstmal in der Kabine. War ja auch sonst keiner da. Was abgegangen wäre, wenn das Stadion wie zu Nicht-Corona-Zeiten ausverkauft gewesen wäre, kann man sich bestens vorstellen.

Ein paar Dutzend Fans wollte ihre Helden aber nicht ohne lautstarke Huldigung in die Feiernacht entlassen. An der Ein- und Ausfahrt zur Alten Försterei hatten sie sich positioniert, sangen, tranken und genossen die „Sensation“, wie Coach Fischer den Verbleib im Oberhaus schon vorher bezeichnet hatte.

„Ich glaube, vor der Saison war es ein sehr großer Teil in Deutschland, der uns unter den letzten beiden Mannschaften gesehen hat“, meinte Routinier Christian Gentner. „Jetzt sind wir zwei Spieltage vor Schluss gerettet. Ich glaube, das ist nicht in Worte zu fassen, was die Mannschaft, was die Jungs geleistet haben über die ganze Saison“, betonte der 34-Jährige, der nicht abgeneigt ist, auch in der nächsten Spielzeit das Trikot der Eisernen zu tragen. In den nächsten Tag werde sich zeigen, wohin die Richtung gehe.

Allerdings dürften die nächsten Tage auch noch von den Feierlichkeiten geprägt sein, selbst wenn bereits an diesem Samstag bei der TSG 1899 Hoffenheim die vorletzte Partie ansteht und eine Woche später der Kehraus der Corona-Saison gegen Fortuna Düsseldorf. „Ich hoffe, er (Trainer Fischer) sagt sowas wie morgen frei. Das wäre ganz schön“, meinte Andrich.

Es gibt aber auch noch Ziele, selbst jetzt, wo das Wichtigste geschafft ist. „Sie haben sich im Trainingslager in Österreich ein klares Ziel gesetzt, wo ich gesagt hab: sehr ambitioniert, eigentlich. Jetzt fehlen zu dem klaren Ziel nur noch zwei Punkte“, erklärte Geschäftsführer Oliver Ruhnert.

Dass sie womöglich in der Endabrechnung ihrer ersten Bundesliga-Saison auch noch vor dem Stadtrivalen Hertha BSC liegen könnten, nachdem dort der erste Schwung durch den neuen Trainer Bruno Labbadia etwas verpufft scheint und die Herthaner nach drei Niederlagen in Serie ebenso 38 Punkte haben wie Union, interessierte Trainer Fischer an diesem Abend zwar wenig. „Ich glaube, in zwei, drei Tagen sieht es dann ein bisschen anders aus“, ergänzte der 54 Jahre alte Schweizer allerdings.

Weitere Meldungen