Die gebürtige Cappenbergerin Marielouise Wißmann ist seit Geburt querschnittsgelähmt. Die junge Frau lebt alleine in einer Wohnung in Lünen. Sie sucht einen zuverlässigen Alltags-Helfer.

von Carina Strauß

Selm, Lünen

, 21.03.2020, 19:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Marielouise Wißmann ist von Geburt an querschnittsgelähmt. Spina Bifida ist der Fachbegriff für die Krankheit. Und die beeinflusst nachhaltig ihr Leben.

„Spina Bifida ist eine der häufigsten Fehlbildungen bei Neugeborenen (ca. 1‰), dabei handelt es sich um eine Neuralrohrfehlbildung, die unterschiedliche Ausprägungen haben kann und sich entsprechend unterschiedlich schwer auswirkt“, so beschreibt es der Verein Selbsthilfe Spina Bifida und Hydrocephalus in Nordrhein-Westfalen e.V. (SBHC NRW), in dessen Vorstand auch Marielouise Wißmann als Beisitzerin tätig ist. Der Verein organisiert unter anderem Aktivitäten für Eltern mit Kindern, die an Spina Bifida leiden.

Ein langer Weg in die Selbstständigkeit

Trotz aller Widrigkeiten hat sich Marielouise Wißmann ein eigenes, selbstständiges Leben aufgebaut. Nach der Grundschulzeit in Cappenberg besuchte sie bis zur 10. Klasse die Förderschule in Selm. Nach dem Besuch eines Internats arbeitete sie dann zunächst vier Jahre in der Caritas-Werkstatt in Nordkirchen als Paramentenstickerin.

Zum ersten Mal richtig selbstständig wurde sie in einem Wohnprojekt in Troisdorf, wo verschiedene Leute mit Spina Bifida aus dem Verein SBHC NRW einzogen, die nicht mehr bei ihren Eltern leben wollten. Hier hatte jeder Bewohner ein eigenes Appartement, der Pflegedienst war vor Ort und Assistenzkräfte unterstützten die Bewohner.

„Hier wurde einem beigebracht, wie man Assistenzkräfte sucht und wie man auch den Pflegedienst anleitet“, erklärt Marielouise Wißmann. „Das lernt man ja nicht in der Schule.“ Aber auch ganz andere Dinge wurden ihr hier beigebracht: „Wie man Menschen sagt, dass man mit ihnen nicht klar kommt. Oder auch ein Nein zu respektieren oder ein Nein auszusprechen. Das war für mich auch nicht ganz einfach.“

Auch dort hat sie in einer Behindertenwerkstatt gearbeitet, allerdings im Bürobereich. „Hier in Lünen würde ich auch gerne wieder als Empfangsdame arbeiten. Mit Corona weiß ich jetzt allerdings nicht, wann ich damit anfangen kann.“

Spina Bifida Patienten gehören zur Corona-Risikogruppe

In diesen Tagen merkt sie ein generelles Problem im Alltag noch viel deutlicher: „In Zeiten von Corona wünsche ich mir noch mehr als sonst Türöffner. Damit man einfach nicht ständig alles anfassen muss. Und eine Oma mit Rollator kann auch nicht mal eben eine schwere Tür öffnen.“

Corona: ein großes Problem für Menschen mit Spina Bifida. „Mein Immunsystem ist nicht so gut“, sagt Wißmann. Deswegen gehört auch sie zur Risikogruppe, nimmt nur noch wichtige Verpflichtungen wahr und bleibt ansonsten zu Hause. „Ich kann aber keine Hamsterkäufe machen, weil meine Wohnung zu klein ist“, fügt sie scherzhaft hinzu.

Assistenz gesucht

Das mit dem Einkaufen ist für sie allerdings so eine Sache. „Oben an die Regale komme ich natürlich nicht dran oder auch an die Dinge in den Eistruhen.“ Deshalb sucht sie aktuell jemanden, der sie im Alltag beim Einkaufen, bei Ärzten oder auch bei Behördengängen begleiten kann. „Manchmal braucht man jemanden, der beim Einkaufen mit der Kassiererin spricht, weil die sich hinter der Theke versteckt und man sie nicht verstehen kann.

Derzeit wird sie von einer Studentin unterstützt. „Sie kann das aber leider nur bis zum Ende der Semesterferien machen.“

Für die Zeit danach sucht Marielouise Wißmann also weiterhin jemanden, der sie im Alltag unterstützen kann. „Ein mutiger Assistent wäre gut, der sich auch mal vor mich stellt, wenn es eng wird.“ Das sei vor allem dann ein Problem, wenn sie in der überfüllten Bahn oder im Bus steht. „Da fallen die Leute teilweise auf mich drauf.“

Generell gilt für Marielouise Wißmann im Alltag: „Man sollte sich trauen, Menschen anzusprechen, auch wenn sie Angst vor dir haben, auch wenn sie weglaufen. Irgendwann denkt man einfach nicht mehr drüber nach und macht einfach.“ Sie habe im Laufe der Zeit eine Unmenge von Leuten angesprochen, egal wie sie aussehen, Hauptsache sie helfen.

„Es gibt auch Leute, die helfen ohne zu fragen“, so Wißmann. Das sei zwar nett gemeint, aber die Leute im Rollstuhl rechnen dann nicht damit. „Deswegen am besten vorher einmal ansprechen.“

Die Akzeptanz der Menschen könnte besser sein

Aber nicht nur viele helfende Hände begegnen Marielouise Wißmann im Alltag. Einige Geschichten, die sie erzählen kann, lassen nur mit dem Kopf schütteln. „Es passiert schon mal, dass in der Eisdiele die Kellner meinen Assistenten fragen, was für ein Eis ich essen möchte und ich dann sage ‚Ich hätte gerne ein Spaghettieis‘. Oder die Kassiererin spricht an der Kasse nur mit meinem Assistenten und guckt dann komisch, wenn ich das Geld gebe.“

Über solche Dinge kann sie mittlerweile lachen. Nicht so lustig war dagegen die Begegnung mit einigen Geschäftsleuten während ihrer Tätigkeit am Empfang einer Behindertenwerkstatt. „Die wollten nicht mit mir kommunizieren. Es schien für sie eine schwierige Sache zu sein mit mir zu reden. Das war ein echt krasser Moment.“

Aber zum Glück hat sie gute Freunde, die ihr Mut machen: „Zum Beispiel als ich das erste Mal Kanu gefahren bin. Das hat alles gut geklappt, aber man braucht auch Freunde, die sagen das wird schon klappen. Und die auch einfach mal mit anpacken.“

Marielouise Wißmann sucht weiterhin eine Unterstützung für ihren Alltag Anforderungen und Herausforderungen:
  • Sicheres Auftreten
  • Gute Deutsch- und Englischkenntnisse
  • Pünktlichkeit, Flexibilität, ruhige Ausstrahlung, Zuverlässigkeit, Vorausschauen, Ideen haben um Hindernisse im Alltag zu bewältigen, respektvoller und freundlicher Umgang
  • Meistens Dienstag und Donnerstag ab 15 Uhr oder Wochenende nach Absprache
  • Kenntnisse über Spina Bifida (wünschenswert)
  • Körperliche und seelische Belastbarkeit
  • Verschwiegenheit, Gegenseitig Respekt vor Privatsphäre
  • Bereitschaft zu gelegentlichen Wochenend Ausflügen mit Übernachtung 2/3 Tage
  • im Alter von 27 bis 37 Jahre
  • Keine Pflegeerfahrung notwendig (wünschenswert)
  • PKW-Führerschein, Bus und Bahn Kenntnisse, Nähe Lünen in Nordrhein- Westfalen
Dafür bietet sie:
  • Respektvollen und freundlichen Umgang
  • Einarbeitung mit Spaß, interessante, abwechslungsreiche Tätigkeit, Entlohnung nach Vereinbarung
Wer Interesse hat, Marielouise Wißmann im Alltag zu unterstützen, kann ihr entweder eine Privatnachricht bei Facebook schicken (Name: Marie Lou) oder über Instagram (Name: wheelchairgirl_photography).
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