Prozess nach blutigem Nachbarschaftsstreit: 40-Jähriger wegen Mordversuchs angeklagt

dzGericht

Ein eskalierter Nachbarschaftsstreit beschäftigt seit Donnerstag das Dortmunder Schwurgericht. Es geht um eine Messerattacke auf einen gefesselten Teenager - und einen „Rettungsschuss“.

Dortmund

, 05.03.2020, 15:45 Uhr / Lesedauer: 1 min

Erst prügelten sich vier Männer bis aufs Blut – niedergestochen und niedergeschossen kämpften am Ende zwei davon um ihr Leben: Sechs Monate nach einem beinahe tödlichen Nachbarschaftsdrama in Hamm muss sich ein 40-jähriger Mann vor dem Dortmunder Schwurgericht verantworten. Die Anklage lautet auf Mordversuch. Der Angeklagte soll mit einem Messer immer wieder auf einen 16-jährigen Nachbarn eingestochen haben, ehe er schließlich von einem Polizisten mit einem Schuss in die Schulter aus der Dienstwaffe gestoppt wurde.

Nachdem er bereits am Vortag im Treppenhaus einen blutigen Streit mit einem Nachbarn angezettelt haben soll, war der 40-jährige Angeklagte am 6. September 2019 erneut mit dem verhassten Nachbarn und dessen zwei Cousins aneinandergeraten. Andere Nachbarn hatten daraufhin die Polizei alarmiert, die die Streitenden auch zunächst getrennt hatte. Die drei Cousins aus der einen Gruppe, darunter der 16-Jährige, waren von Polizisten teilweise mit Handschellen gefesselt worden.

Mehrere, bis zu acht Zentimeter tiefe Stichverletzungen

Der Angeklagte war zur Behandlung seiner erlittenen Verletzungen in einem Rettungswagen gebracht worden. Als der 40-Jährige gerade in dem Rettungswagen saß, soll er sich plötzlich losgerissen, in seine Wohnung gerannt und dort mit einem Messer bewaffnet haben. Dann soll er auf den 16-jährigen Nachbarn, der noch immer mit Handschellen gefesselt am Boden saß, losgestürmt und immer wieder auf den wehrlosen Teenager eingestochen haben. Erst ein Schuss aus der Dienstpistole eines Polizisten beendete schließlich die Messerattacke.

Sowohl der Angeklagte als auch der 16-Jährigen waren lebensgefährlich verletzt worden. Der Teenager hatte laut Anklage bis zu acht Zentimeter tiefe Stichverletzungen am Bauch, dem Rücken, den Oberschenkeln und den Armen erlitten. Die Staatsanwaltschaft wertet den Angriff des 40-Jährigen als versuchten Mord. Ob der Angeklagte bereit ist, zur Sache auszusagen, wird sich erst im weiteren Prozessverlauf zeigen. Mit einem Urteil am Dortmunder Schwurgericht ist frühestens im April zu rechnen.

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