Polizisten beleidigt und Whiskey geklaut: Lüner Brüder vor Gericht

dzAmtsgericht

Üble Schimpfwörter hat ein Lüner in den Mund genommen, als Polizisten seinem Bruder Handschellen anlegen wollten. Vorher hatte es eine Schlägerei gegeben. Und einen Whiskey-Diebstahl.

von Jana Peuckert

Lünen

, 18.06.2020, 14:31 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war eine allerletzte Chance, die die Richterin im Amtsgericht Lünen einem Angeklagten gab, als sie die ausgeurteilten vier Monate Haft noch einmal zur Bewährung aussetzte. Bereits mehrfach hatte der sechsfach vorbestrafte Lüner in der Vergangenheit Polizisten Widerstand geleistet und gestohlen. Und auch dieses Mal standen genau diese beiden Straftatbestände im Fokus.

Am 16. Juni des vergangenen Jahres war der Angeklagte alkoholisiert am Schwimmbad in Lünen mit einem anderen Mann aneinander geraten. Als die dazu gerufene Polizei eintraf, ging der 28-Jährige mit erhobenen Armen auf die Beamten los und wehrte sich gegen eine Fixierung mit Handschellen. Zu Beginn der Verhandlung versuchte der Angeklagte jegliche Schuld von sich zu weisen. Er sei wütend auf seinen Gegner gewesen, der Polizei gegenüber habe er sich hingegen ruhig und kooperativ verhalten.

Geständnis nach Unterbrechung

Das glaubte die Richterin nicht ohne Weiteres. Und auch der Anwalt schien von der Aussage seines Mandanten nicht überzeugt. Er bat um eine Unterbrechung für ein Gespräch mit dem Lüner. Im Anschluss daran gab der Angeklagte zu, wohl auch den Beamten gegenüber ungehalten gewesen zu sein. Ein als Zeuge geladener Polizist konkretisierte diese Aussage.

Danach habe der Angeklagte zunächst seinen Kontrahenten einen Faustschlag ins Gesicht verpasst. Anschließend sei er „wild gestikulierend“ auf den Zeugen zugelaufen. „Er wollte mich offenbar angehen“, erklärte der Polizist. Der Aufforderung, die Arme auf den Rücken zu legen, sei der 28-Jährige nicht nachgekommen, habe stattdessen die Arme vor der Brust verschränkt.

Kleiner Bruder beleidigte die Beamten

Irgendwann habe er sich aber beruhigt. Auch der Bruder des Angeklagten musste sich im Gericht verantworten. Beleidigung lautete der Vorwurf gegen ihn. Der 26-Jährige gab sofort zu, die Polizisten als „Hurensöhne“ und „Wixer“ bezeichnet zu haben. Er habe seinem Bruder helfen wollen, sagte er. „Das ist mein Fleisch und Blut. Das kann ich nicht einfach so stehen lassen.“

Aufgrund einer psychischen Erkrankung des 26-Jährigen und seines Geständnisses stellte das Gericht das Verfahren gegen Zahlung von 150 Euro – der Angeklagte ist Sozialhilfeempfänger – vorläufig ein.

Der ältere Bruder räumte noch einen ihm vorgeworfenen Diebstahl von Whiskey für 15,99 Euro in einem Lünener Supermarkt ein. Für alles zusammen gab es vier Monate auf Bewährung. Bewährung darum, weil der Angeklagte mittlerweile selbst erkannt hatte, dass er unter Alkohol immer aggressiv wird und zu Straftaten neigt. Deshalb hat er sich freiwillig in eine Selbsthilfegruppe begeben. Die muss er als Bewährungsauflage auch weiterhin besuchen.

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