Polizist schlägt 19-Jährigem ins Gesicht: „Menschlich erklärbar, aber nicht angemessen“

Polizei

Ein Polizist schlägt einem 19-Jährigen bei einem Einsatz in Göttingen ins Gesicht. Ein Video des Vorfalls in der Wohnung des jungen Mannes sorgt auf Twitter für scharfe Kritik.

Göttingen

21.09.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ein Video zeigt den Schlag des Polizisten ins Gesicht des 19-Jährigen. (Symbolbild)

Ein Video zeigt den Schlag des Polizisten ins Gesicht des 19-Jährigen. (Symbolbild) © picture alliance/dpa

Das Video eines Polizisten, der in Göttingen einem 19-Jährigen bei einem Einsatz in seiner Wohnung ins Gesicht schlägt, sorgt in sozialen Medien für scharfe Kritik. Der Göttinger Polizeichef Thomas Rath hat sich jetzt zu dem Vorfall geäußert. Die eingesetzten Kollegen seien „fürchterlich beschimpft“ worden, während einer solchen „Schimpftirade“ sei dann „einem Kollegen die Hand ausgerutscht“, so Rath in einem am Sonntagnachmittag bei Twitter veröffentlichen Videostatement. Das sei „menschlich erklärbar, aber für uns natürlich nicht hinzunehmen und auch nicht angemessen“. Gegen den Polizeibeamten werde wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt ermittelt. Dienstrechtliche Maßnahmen seien zu erwarten, so Rath weiter.

Der Aufnahme, die am Donnerstag bei einem Einsatz gegen 8 Uhr entstanden sei, seien mehrere Einsätze wegen Ruhestörung vorausgegangen. Es sei an dem Morgen nach 5.15 und 5.45 Uhr der dritte Einsatz bei dem jungen Mann gewesen. Es habe jeweils mehrere Beschwerden wegen einer „massiven Ruhestörung“ gegeben. Der 19-Jährige habe „extrem laute Musik gespielt“, „die eigenen Möbel zerlegt“ und andere Nachbarn durch Klopfen und Schlagen gegen die Tür belästigt, so Polizeichef Rath in seiner Stellungnahme.

„Um diese massiven Beleidigungen zu beenden, verpasste der Beamte dem 19-Jährigen schließlich eine Ohrfeige“

Während des Einsatzes am Donnerstagmorgen habe sich der Göttinger gegenüber den Einsatzkräften zum wiederholten Mal aggressiv verhalten und sie über längeren Zeitraum massiv beleidigt, heißt es in einer Mitteilung der Polizei. Immer wieder seien von ihm Äußerungen wie „Wichser, verpisst euch ihr Spastis, scheiß Bullen“ gefallen. „Um diese massiven Beleidigungen zu beenden, verpasste der Beamte dem 19-Jährigen schließlich eine Ohrfeige“, schreibt die Göttinger Polizei.

„Auch wenn Polizeibeamten immer wieder, wie im vorliegenden Sachverhalt, Hass und persönliche Beleidigungen entgegengeschleudert werden, rechtfertigt dies für sich allein keinesfalls ein körperliches Angehen des polizeilichen Gegenübers. Hier erwarte ich von meinen Beamtinnen und Beamten eine besonders hohe Hemmschwelle, auch wenn es häufig schwerfällt, in solchen Situationen die Ruhe und Distanz zu bewahren. Dafür sind wir Profis“, sagte Polizeichef Rath laut der Mitteilung.

Gegen den 19-Jährigen wurden Ermittlungsverfahren wegen Beleidigung und Ruhestörung eingeleitet. Diese Verfahren blieben zur weiteren Bearbeitung bei der Polizei Göttingen. Das Verfahren gegen den Polizeioberkommissar werde aus Gründen der Neutralität an die Polizei in Hildesheim abgegeben.

RND