Polizeieinsätze jeden Tag: Der große Ärger mit der Maskenpflicht im Zug

Maskenpflicht

Die Maskenpflicht gilt auch in den Zügen der Deutschen Bahn. Nicht alle Fahrgäste halten sich jedoch daran. Eine Zugbegleiterin spricht über die Maskenverweigerer.

Hannover

von Heiko Mohr

, 07.07.2020, 16:27 Uhr / Lesedauer: 3 min
Die Maskenpflicht in Zügen gehört seit einiger Zeit zum Alltag. Doch halten sich auch alle Fahrgäste daran? Eine Mitarbeiterin der Deutschen Bahn berichtet. (Symbolbild)

Die Maskenpflicht in Zügen gehört seit einiger Zeit zum Alltag. Doch halten sich auch alle Fahrgäste daran? Eine Mitarbeiterin der Deutschen Bahn berichtet. (Symbolbild) © picture alliance/dpa

Die Maskenpflicht in Zügen gehört seit einiger Zeit zum Alltag. Doch halten sich auch alle Fahrgäste daran? Wir haben mit einer Mitarbeiterin der Deutschen Bahn gesprochen. Sie ist seit vielen Jahren Zugbegleiterin im Fernverkehr der DB und hat, wie sie uns berichtet, jeden Tag mit Maskenverweigerern zu tun. Ihr Name ist uns bekannt, soll aber in diesem Interview nicht genannt werden.

Wie oft kommt es vor, dass Fahrgäste ihre Maske nicht aufsetzen wollen?

Das kommt jeden Tag vor. Egal ob jung oder alt. Von 30 Personen, die in einem Wagen sitzen, begreift es mindestens einer nicht.

Wie reagieren die Fahrgäste ohne Maske darauf, wenn Sie sie auffordern, die Maske aufzusetzen?

Nach jedem Halt wird die Durchsage für zugestiegene Fahrgäste gemacht. Wenn man dann durchgeht zur Kontrolle, weist man einzelne darauf hin. Zunächst läuft das immer ganz gut, und es wird sofort die Maske aufgesetzt. Aber wenn man dieselbe Person ein drittes (und letztes Mal) darauf hinweist, ist von Augenrollen über Diskussionen bis zum Hinweis auf irgendwelche neuen Forschungsergebnisse alles dabei. Die Forschungsergebnisse sind dann natürlich die, in denen große gesundheitliche Schäden durch das Tragen der Maske auftreten.

Wie oft müssen Sie die Maskenverweigerer auffordern, eine Maske zu tragen, bevor die es dann auch tatsächlich tun? Tun sie es überhaupt?

Es gibt Unterschiede: Maskenverweigerer haben gar keine Maske dabei und teilen auch sofort mit, dass sie keine aufsetzen werden, selbst wenn sie eine hätten. Diese werden dann beim nächsten Halt von der Fahrt ausgeschlossen und von der Bundespolizei abgeholt. Dann gibt es die, die mindestens dreimal darauf hingewiesen werden müssen, unter Androhung des Fahrtausschlusses aber doch die Reise weiterführen und die Maske widerwillig tragen. Und dann gibt es noch die, die es nach einmal sagen einfach machen, weil sie es anscheinend vergessen haben.

Wie viele Maskenverweigerer müssen Sie schlussendlich des Zuges verweisen, und wie oft müssen Sie dafür die Bundespolizei hinzuziehen?

Die Bundespolizei müssen wir täglich hinzuziehen. Da wir Zugbegleiter durch unterschiedliche Medien hervorragend vernetzt sind, tauschen wir uns persönlich oder im Internet aus. Ich selbst bekomme es einmal die Woche mit oder schließe selbst von der Fahrt aus. Die Bundespolizei wird in den meisten Fällen gerufen „zur Durchsetzung des Hausrechts“, weil natürlich niemand seinen Termin verpassen möchte und einfach sitzen bleibt. Um Verspätungen zu verhindern, wird die Polizei aber zeitnah gerufen und nicht erst, wenn der Fahrgast wirklich nicht freiwillig aussteigen möchte.

Die Deutsche Bahn hat mitgeteilt, dass die Maskenpflicht eine staatliche Vorgabe der Behörden sei und keine von der DB selbst. Um das Zugpersonal zu schützen, sollen Zugbegleiter die Maskenpflicht nicht als Hausrecht durchsetzen und im Zweifelsfall die Bundespolizei hinzuziehen. Wie oft stehen Sie alleine vor den Fahrgästen, ohne die Bundespolizei zur Stelle zu haben?

Es ist ganz einfach: Im öffentlichen Personenverkehr herrscht Maskenpflicht. Das wird nach jedem Halt über die Lautsprecher bekannt gegeben. Wer das nicht schafft, aus welchen Gründen auch immer, muss die Zugfahrt unterbrechen, um frische Luft am Bahnsteig zu schnappen, oder nimmt das Auto. Man steht immer erst alleine da, im günstigsten Fall hat man einen Bundespolizisten im Zug sitzen, der bereit ist, eine „Auffrischung“ zum Infektionsschutzgesetz zu geben, dann wirkt es meist. Es sind meist die anderen vorbildlichen Fahrgäste, die sich über die beschweren, die keine Maske tragen. Man befasst sich dann lieber mir dem einen, statt die restlichen 30 Personen im Wagen zu verärgern. So sehen das viele Kollegen. Andererseits gibt es natürlich Kollegen, die Konflikten aus dem Weg gehen und nichts unternehmen. Das habe ich aber noch nicht selbst erlebt. Zum Glück. Mit einer Maske schützt man andere und nicht sich selbst. Das Nichttragen einer Maske ist unverantwortlich anderen gegenüber.

Sind die Fahrgäste, die keine Maske tragen, oft aggressiv, wenn Sie von Ihnen aufgefordert werden, eine Maske zu tragen?

Aggressiv würde ich nicht sagen. Hier wird meist ein kindliches, störrisches Verhalten an den Tag gelegt. Es wird die Grenze ausgetestet, diskutiert und geschaut, wie weit man gehen kann.

Haben Sie das Gefühl, die Dringlichkeit des Tragens einer Maske ist den Zugreisenden nicht bewusst?

Auf die Masse der Personen gesehen, sind es ja auch hier nur Einzelfälle, und denen ist es entweder nicht bewusst oder einfach egal. Ja.

Wie gehen Ihre Kollegen mit Maskenverweigerern um?

Die einen so, die anderen so. Ich selbst bin in den vergangenen Wochen mit keinem Kollegen gereist, der sich nicht kümmert und Konfrontationen aus dem Weg geht. So darf es auch gerne bleiben, bis wir das alles hinter uns haben und es geschafft haben.

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