Polizeianwärter stoppen PKW-Fahrer - jetzt hat das Gericht geurteilt

dzGerichts-Prozess

Der Mann wirkte betrunken und machte Anstalten, mit dem Auto davonzufahren. Das wollten drei junge Leute in Bork verhindern. Ohne Erfolg.

von Sylvia Mönnig

Selm

, 27.07.2020, 17:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vielmehr sollte der Fremde eine von ihnen noch fast angefahren haben. Das bestritt der nun vehement. Der Selmer, der am Abend des 26. August in einem Imbiss am Kirchplatz in Bork Essen bestellte, machte einen bedenklichen Eindruck auf die Zeugen – allesamt Polizeianwärter.

Ihrer Meinung nach torkelte er, schwankte und redete mit sich selbst. Sie mutmaßten Alkohol und wollten den 58-Jährigen nicht hinter das Steuer lassen. Also riefen sie ihre Kollegen an und die Beamten rieten ihnen, zu versuchen, den Mann bis zu ihrem Eintreffen von der Weiterfahrt abzuhalten.

Laut Anklage suchte einer von ihnen das Gespräch mit dem Selmer und eine Andere stellte sich vor das Auto. Doch der Fremde, so schilderten sie später, habe sich nicht beirren lassen, habe den jungen Mann beiseite geschoben, sei eingestiegen und habe Gas gegeben. Die Frau habe beiseite springen müssen, um nicht von dem Fahrzeug getroffen zu werden.

Selmer beteuert wortreich und mit vielen Gesten seine Unschuld

Ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr und versuchte gefährliche Körperverletzung wurde dem Selmer nun in einem Prozess vor dem Amtsgericht Lünen zur Last gelegt. Doch der 58-Jährige dachte gar nicht daran, den Vorwurf auf sich sitzen zu lassen. Wortreich und mit vielen Gesten beteuerte er seine Unschuld.

„Die Behauptungen sind falsch“, bekundete er und fügte später hinzu: „Ich habe in beide Richtungen geguckt und da stand niemand vor dem Auto.“ Er hielt die Zeugen, die er für normale Jugendliche hielt, die ihn hätten dumm ansprechen wollen.

Mitnichten sei er betrunken gewesen. Und das habe er ihnen auch gesagt. Auch habe er mitgeteilt, dass sein Essen kalt werde und er deshalb nun fahren werde. Er war regelrecht empört: „Ich kenne diese Leute nicht. Ich weiß nicht, warum die das machen.“

Drei Zeugen bekräftigten den Vorwurf

Die drei Zeugen wurden gehört und sie bekräftigten den Vorwurf – wenn auch mit kleinen Abweichungen. Nach ihrer Aussage fand die Anklagevertreterin treffende Worte. Für sie blieben Zweifel, wohin der Selmer im Moment des Anfahrens blickte und ob er mit Vorsatz handelte.

Was die vermutete Alkoholisierung betreffe, hätten die Zeugen den wort- und gestenreichen Mann vielleicht fehl eingeschätzt. Doch ganz richtig verhalten habe sich der Angeklagte sicherlich auch nicht.

Er hätte einfach auf das Eintreffen der Polizei warten sollen. Und das konnte der Selmer sogar zugeben. Er entging einer Verurteilung: Das Verfahren wurde wegen geringen Verschuldens gegen 120 Euro Geldbuße eingestellt.

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