Abriss ja oder nein? Politiker streiten über geplanten Abriss an der Kreisstraße

dzKreisstraße in Selm

Acht Häuser an der Kreisstraße hat die Stadt gekauft - auch um Wohnraum zu schaffen. Nun sollen die Häuser weg, um Platz für zwei Einzelhandelsketten zu machen. Das gefällt nicht allen.

Selm

, 09.03.2020, 16:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sichtlich aufgebracht war Hubert Seier von der UWG am Dienstagabend im Umweltausschuss der Stadt Selm. „Diese Vorlage hat mich entsetzt“, sagte Seier. Gemeint war die Vorlage 2020/009, in der es um die Aufstellung des Bebauungsplanes für das Zentrum Kreisstraße-Südwest geht.

Dort, konkret sind die Häuser mit den Adressen Kreisstraße 68 bis 84 gemeint, soll laut den Plänen der Stadt ein neues Einzelhandelszentrum mit den Ketten dm und Netto entstehen. Für den Neubau müssten die acht mehr als 100 Jahre alten Häuser weichen.

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Das Projekt sei auch schon im Vorfeld stark diskutiert worden, sagte Seier. Dass aber nun alle Häuser dort abgerissen werden sollen, findet er überzogen. „Da sind sicherlich Häuser dabei, die man besser abreißt als saniert“, sagte er, aber dennoch müsse man den nun vorliegenden Plan öffentlich diskutieren. Die UWG habe den Kauf der Häuser für 4,2 Millionen Euro mitgetragen - aber unter der Prämisse, dass nicht alles abgerissen würde.

Seier und Löhr werfen sich gegenseitig vor, Wahlkampf zu machen

Bürgermeister Mario Löhr legt Wert auf die Feststellung, dass es zunächst um die Änderung des Bebauungsplans gehe. Seier ist der Meinung, dies komme faktisch dennoch einer Abstimmung über den Abriss gleich. Beide werfen sich Wahlkampf-Gebärden vor. Seier meint, Bürgermeister Mario Löhr wolle das Projekt „schnell durchwinken“, bevor er sich als Bürgermeister verabschiedet. Löhr hingegen wirft Seier Wahlkampf vor, weil dieser seinen Wahlkreis genau dort hat, wo die Häuser abgerissen werden sollen. Das sei doch „ein schönes Wahlkampfthema“, sagte Löhr an Seier gerichtet.

Aber auch andere Ausschussmitglieder hielten eine Erhaltung der Häuser für nicht zielführend. Sie frage sich, ob die Diskussion nicht 25 Jahre zu spät komme, meinte Daniela Volle von der Fraktion Bürger für Selm. „Die Fassade ist vielleicht erhaltungswürdig, innen ist es aber mehr als marode“, sagte Peter Sowislo, zuvor selbst bei der UWG, nun parteiloses Ausschussmitglied. Das sah auch Michael Feige von der SPD so, seine Partei stehe hinter dem Projekt, „weil man endlich was Neues schaffen kann“.

Baudezernent Stephan Schwager sagte, er könne „den Vollverriss nicht teilen“. Die Möglichkeit eines Abrisses habe jederzeit im Raum gestanden. Gleichzeitig habe man aber auch den Kauf der Häuser als Chance für die Stadt verstanden. So hatte Bürgermeister Mario Löhr Ende 2017 auch für den Ankauf geworben - vor allen Dingen auch unter der Prämisse, dass dort neuer Wohnraum entstehen soll. Über 40 Wohnungen und zwölf Ladenlokale verfügten die Häuser 2017.

Bekannte Unternehmensgruppe

Nun würden nach aktuellen Plänen 11 Wohnungen entstehen, oberhalb der Geschäfte dm und Netto. Zudem sollen auch Parkplätze für die Geschäfte entstehen. Für das Projekt verantwortlich zeichnet sich die Firma Ten Brinke, die bereits das Einzelhandelszentrum am Kreisel in Bork mit Lidl und Rossmann realisiert hat. Ebenso ist sie für den neu entstehenden Komplex aus Rewe und Aldi auf dem Gelände des Autohauses Rüschkamp und der Aral-Tankstelle an der Kreisstraße verantwortlich.

So könnte die Bebauung auf der Kreisstraße aussehen.

So könnte die Bebauung auf der Kreisstraße aussehen.

Aber warum eigentlich immer Ten Brinke? Das wollte Marion Küpper von den Grünen wissen. „Wir wissen, wie sie bauen, da können wir uns ein gutes Beispiel in Bork ansehen“, sagte Mario Löhr. Wenn die Politik einverstanden sei, so Löhr, würde die Stadt als Grundstückseigentümer einen entsprechenden Pachtvertrag abschließen. Wenn es eine andere Meinung für die Nutzung des Grundstücks gebe, solle man einen entsprechenden Antrag stellen. „Dann werden wir sehen, ob es eine politische Mehrheit für den Antrag gibt“, sagte er.

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