Performancekünstler Ulay im Alter von 76 Jahren gestorben

Er war der Mann, der Carl Spitzwegs Meisterwerk „Der arme Poet“ einst aus künstlerischen Gründen aus der Berliner Nationalgalerie vorübergehend entwendete: Der in Solingen geborene Performancekünstler Ulay ist in der Nacht zum Montag im Alter von 76 Jahren in Ljubljana gestorben, wie ein enger Kollege am Montag bestätigte. Zuerst hatte das Magazin „Monopol - Magazin für Kunst und Leben“ über seinen Tod berichtet. Ulay war langjähriger Partner der Künstlerin Marina Abramovic, mit der er mit bizarren Aktionen über die Kunstwelt hinaus für Aufsehen sorgte. So gingen die Beiden 1988 auf rund 4000 Kilometern auf der Chinesischen Mauer einander entgegen, um sich anschließend für immer zu trennen.

02.03.2020, 15:51 Uhr / Lesedauer: 1 min
Der Performancekünstler Ulay auf der Pressekonferenz zu seiner Ausstellung'„Ulay Life-Sized“. Foto: picture alliance / dpa

Der Performancekünstler Ulay auf der Pressekonferenz zu seiner Ausstellung'„Ulay Life-Sized“. Foto: picture alliance / dpa

„Mit großer Trauer habe ich heute vom Tod meines Freundes und Ex-Partners Ulay erfahren", schrieb Abramovic bei Instagram. Er sei ein außergewöhnlicher Künstler gewesen. „Es ist tröstlich zu wissen, dass seine Kunst und sein Vermächtnis für immer weiterleben werden.“

Die Frankfurter Schirn widmete dem Künstler, der eigentlich Frank Uwe Laysiepen hieß, 2016 eine große Ausstellung. Ulay fotografierte in Amsterdam in den frühen 1970er Jahren auf der Straße Transvestiten, Randfiguren, Abhängige, Obdachlose. Das wurde damals als höchst unpassend empfunden, schrieb „Monopol“ in einer Würdigung.

Ulay war auch einer der Pioniere der „Body Art“. Er hat auf Polaroid-Fotos Tätowierungen thematisiert, als diese Art des Körperschmucks noch ganz zur Welt der Matrosen und Gefangenen gehörte. Die Entwendung des Spitzwegs 1976 hielt das Künstlerpaar auf Fotos fest. Es platzierte den „Armen Poeten“, eines der Lieblingsbilder von Diktator Adolf Hitler (1889-1945), in der Wohnung einer türkischen Gastarbeiterfamilie in Kreuzberg - und informierte den Direktor der Nationalgalerie, er könne das Bild nun in neuer Umgebung betrachten.

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