Panne im Fall „Maddie“ McCann: Polizei informierte Christian B. zu früh über Ermittlungen

Kriminalität

Im Fall „Maddie“ soll es schon 2013 zu einer Panne bei der Polizei gekommen sein. So soll der Tatverdächtige Christian B. zu frühzeitig darüber informiert worden sein, dass er mit dem Fall in Verbindung gebracht wurde.

Braunschweig

12.06.2020, 11:47 Uhr / Lesedauer: 1 min
Der Verdächtige im Fall des vor gut 13 Jahren verschwundenen britischen Mädchens „Maddie“ verbüßt in der Justizvollzugsanstalt Kiel derzeit eine Haftstrafe.

Der Verdächtige im Fall des vor gut 13 Jahren verschwundenen britischen Mädchens „Maddie“ verbüßt in der Justizvollzugsanstalt Kiel derzeit eine Haftstrafe. © picture alliance/dpa

Im Fall der vermissten Madeleine McCann soll der Polizei in Braunschweig im Jahr 2013 eine Panne unterlaufen sein. Das geht aus internen Unterlagen deutscher Behörden hervor, auf die sich „Spiegel“ und „Spiegel TV“ berufen. Demnach wurde der heutige Tatverdächtige Christian B. in einem Schreiben der Ermittler zu frühzeitig darüber in Kenntnis gesetzt, dass diese ihn mit dem Fall McCann in Verbindung brachten.

Nach dem Eingang eines vertraulichen Hinweises auf Christian B. im Oktober 2013 hatte laut dem „Spiegel“-Bericht das Bundeskriminalamt (BKA) die Kripo in Braunschweig um Informationen zu B. gebeten, der zu diesem Zeitpunkt dort lebte. Die Niedersachsen schauten demzufolge im Computer nach und sahen, dass Christian B. als Sexualstraftäter bekannt war.

Fast zeitgleich schickte ein ­Beamter der Braunschweiger Polizei auch eine Vorladung als Zeuge an B., die „Spiegel TV“ vorliegen soll. Als Gründe für die Vernehmung nannte der Beamte in dem Schreiben demnach die „Vermisstensache Madeleine McCann“ und „Personenüberprüfung des Christian B.“.

Kein übliches Vorgehen

Dieser hätte dadurch laut „Spiegel“ nach dem Erhalt des Schreibens reichlich Zeit gehabt, eventuelle Spuren zu beseitigen. Mehrere Experten halten demzufolge das Vorgehen der Polizei für einen schwerwiegenden Fehler. „Das hätte nicht passieren dürfen und entspricht keinesfalls dem üblichen Vorgehen in so einem heiklen Fall“, so ein erfahrener Polizist zu dem Magazin.

Es sei üblich, erst einmal Informationen im Umfeld zu sammeln und nicht frontal auf einen Verdächtigen loszustürmen. Die zuständigen Braunschweiger Ermittler ließen eine „Spiegel“-Anfrage inhaltlich unbeantwortet. Auch der Rechts­anwalt von Christian B. wollte sich gegenüber dem Magazin nicht zu den Tatvorwürfen äußern.

RND

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