Overbergschüler wollen Kochbuch mit englischer Partnerschule rausbringen

dz„Erasmus+“-Förderung

Die Overbergschule in Selm erhält erneut die „Erasmus plus“-Förderung. Wofür? Für nachhaltiges Handeln auf Basis einer jahrtausendealten Erkenntnis.

Selm

, 10.10.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es gibt eine lateinische Redewendung, die lautet „Mens sana in corpore sano“. Gesunder Geist in einem gesunden Körper heißt sie übersetzt. Sie ist ein verkürztes Zitat aus den Satiren des römischen Dichters Juvenal (geboren um das Jahr 60 nach Christus; gestorben um das Jahr 130 nach Christus). Was vor rund 2000 Jahren galt, gilt auch heute noch. Zum Beispiel an der Selmer Overbergschule.

Bereits zum zweiten Mal darf sich die Overbergschule „Erasmus+“-Schule nennen. „Erasmus+“ ist ein Programm für Bildung, Jugend und Sport der Europäischen Union. Die Selmer Grundschule erhält eine finanzielle Förderung vor allem für ihre Schulpartnerschaft mit der Dearham Primary School in Selms englischer Partnerstadt Workington. Im Fokus der „Erasmus+“-Förderung stehen die Bereiche Bewegung und Ernährung, in denen die beiden Schulen bereits eng zusammenarbeiten, beziehungsweise zusammenarbeiten werden.

Erstes Projekt drehte sich um Sport

Die Selmer Grundschule hat bereits Erfahrung mit einem „Erasmus+“-Projekt mit Workington. „Beim Projekt von 2017 bis 2019 ging es um die Auswirkungen von Sport auf die Gesundheit“, berichtet Kerstin Emisch. Die Sonderpädagogin ist an der Overbergschule für das „Erasmus+“-Programm verantwortlich. „Wir haben geguckt, wie sich ein gesunder Körper auf einen gesunden Geist auswirkt.“ Beim aktuellen „Erasmus+“-Projekt gehe es um die Ernährung. „Denn ein gesunder Körper braucht auch eine gesunde Ernährung.“

Wie sind denn die Erfahrungen aus dem ersten Projekt zum Thema Sport? Wir hatten einen Referenten im Haus“, sagt Schulleiterin Christine Jücker. „Der hat uns das Spiel Street Racket näher gebracht.“ Dabei handele es sich um ein Rückschlagspiel „mit einer Art Tischtennisschläger mit einem Softball“. Das sei überall spielbar. „Das war vor allem in diesen Coronazeiten sehr gut, weil es eben auch draußen gespielt werden könne. Indem Lernspiele dabei integriert werden, „damit die Kinder über die Bewegung lernen“. Und zwar im Unterricht, in Arbeitsgemeinschaften und in der Offenen Ganztagsbetreuung.

Beigeordnete Sylvia Engemann mit den beiden Schildern, die als sichtbares Zeichen für die "Erasmus+"-Förderung an der Schulwand angebracht sind.

Beigeordnete Sylvia Engemann mit den beiden Schildern, die als sichtbares Zeichen für die "Erasmus+"-Förderung an der Schulwand angebracht sind. © Stefan Vogel

In Bewegung lerne man bedeutend besser, sagt Christine Jücker. „Sport wird an unserer Schule groß geschrieben.“ Die Schulpartnerschaft mit Workington kam in diesem Projekt an der Stelle ins Spiel, wo die Primary School ebenfalls Street Racket in den Schulalltag integriert habe. „Die Schule in Workington hat uns aber auch beigebracht, Rugby zu spielen“, erzählt die Schulleiterin.

Die Teilnahme am „Erasmus+“-Projekt sei mit einer finanziellen Förderung verbunden, berichtet Christine Jücker. „Es handelt sich um eine kleine fünfstellige Summe.“ Damit seien der Referent und Aktionen wie der Besuch einer Eishalle bezahlt worden. Einen Eigenanteil haben die Eltern der Schüler aber auch gezahlt.

Schlüssel zu einem gesunden Geist

Nun gibt es also die nächste „Erasmus+“-Förderung. Zum Thema Ernährung. „Gesundes Essen ist der Schlüssel zu einem gesunden Geist“. Das ist die Überschrift, unter die die Overbergschule einige Aktionen vereine, und zwar wieder gemeinsam mit der Dearham Primary School, sagt Kerstin Emisch. Wobei die Corona-Pandemie ein Stoppschild gesetzt hat: „Eigentlich wollten wir mit den Kindern Essenstagebücher erstellen, wo jedes Kind, das an dem Austausch teilnimmt, festhält, wie das allgemeine Essverhalten ist. Dann war geplant, dass man die Partnerschule besucht hätte und eine Woche eine Ernährungsumstellung vorgenommen hätte. Mit den Aspekten Regionalität und Vollwertigkeit des Essens. Wir hätten auch mit den Kindern zusammen gekocht.“ Anschließend hätte erhoben werden sollen, welche Auswirkungen diese Umstellung auf die Leistungsfähigkeit gehabt hätte.

Viel „hätte“ also in dem, was Kerstin Emisch erzählt. Dieser Austausch musste gestrichen werden. Nun gehen beide Schulen „den digitalen Weg“, wie es die Sonderschullehrkraft nennt. Geplant seien Video-Konferenzen mit der englischen Partnerschule. Und zwar auch in Form einer Austauschwoche, „wo die Kinder auch nachmittags in der Schule sein sollen“. In Echtzeitkonferenzen soll mit den englischen Kindern gekocht werden. Und weil es ja regionales Essen sein soll, werden die Selmer Schüler den englischen Kindern einen Einkaufsplan erstellen, welche typisch deutschen Zutaten sie besorgen sollen. Und umgekehrt.

Am Ende des Projekts soll dann tatsächlich ein gemeinsames Kochbuch entstehen. Dazu gebe es eine Kooperation mit der Diätküche des Franziskus-Hospitals in Münster, ergänzt Christine Jücker. Die Fachleute werden die Kinder beim Erstellen der Einkaufslisten unterstützen. Und zwei Zehnergruppen von Grundschülern werden unter Coronabedingungen mit den Experten des Hospitals an der Overbergschule kochen dürfen.

Kleine Experten im Schulgarten

Es gibt aber noch ein zweites Standbein des aktuellen „Erasmus+“-Projekts wie Kerstin Emisch sagt: „Wir haben hier ja schon einen Schulgarten und es geht bei dem Projekt auch darum, dass wir an unserer englischen Partnerschule ebenfalls einen Schulgarten entwickeln möchten, nach unserem Vorbild.“ In dem Fall hätten die Selmer Kinder den englischen Schülern sagen können, wie die Arbeit in solch einem Schulgarten läuft. Dabei wäre wichtig gewesen, in der Primary School zu gucken, welche Pflanzen, Obst und Gemüse es in England gebe, die man auch im Selmer Schulgarten hätte anpflanzen können, sagt Kerstin Emisch. Umgekehrt könne das auch klappen. „Wir hoffen, dass wir das auch irgendwann real vermitteln können.“ Und zwar in Workington. Nämlich, wenn Corona den Besuch wieder erlaubt.

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