Organtransplantation mit 18 Jahren: Nils Schützes Weg zu seinem neuen Herzen

Medizin

344 Menschen in Deutschland bekamen im vergangenen Jahr ein Spenderherz implantiert. Auch der 18-jährige Nils Schütze lebt mit dem Herzen eines anderen. Fünf Monate musste er auf ein Spenderorgan warten.

Leipzig

06.06.2020, 20:48 Uhr / Lesedauer: 2 min
Spenderherzen für Heranwachsende zu finden birgt Schwierigkeiten. (Symbolbild)

Spenderherzen für Heranwachsende zu finden birgt Schwierigkeiten. (Symbolbild) © picture alliance/dpa

Deutschlandweit gab es nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantationen (DSO) rund 344 Herztransplantationen im vergangenen Jahr. Alleine 559 Patienten umfasste die Warteliste für Spenderherzen, auf der im Oktober 2019 auch der heute 18-jährige Nils Schütze stand.

Im Kindesalter hatte ein Virus dazu geführt, dass sich in seinem Herzen ein Loch bildete, erzählte Nils der „Leipziger Volkszeitung“ (LVZ), die seine Geschichte aufschrieb. Als Jugendlicher mussten ihm die Ärzte schließlich einen Defibrillator einsetzen. Später folgte dann die Diagnose: Linksherzinsuffizienz – eine Herzschwäche, die bereits bei geringer Belastung zu Beschwerden führt.

Er kam ins Herzzentrum Leipzig, das monatelang zu seinem neuen Zuhause wurde. Sein Name wurde auf die Hochdringlichkeitsliste für Spenderorgane bei Eurotransplant gesetzt – dann begann das Warten. Denn ein Herz für einen Heranwachsenden wie Nils zu finden, das von einem Spender mittleren Alters stammt, ist nicht einfach. „An jedem dieser Tage mussten wir mit Komplikationen rechnen“, sagte Elke Scholz-Zeh, Koordinatorin für Herztransplantationen im Herzzentrum.

Nils bekommt zuerst künstliches Herz

Als Übergangslösung wurde Nils kurz vor Weihnachten ein Kunstherz implantiert – genauer gesagt zwei Herzen. Ein großes für die rechte und ein etwas kleineres für die linke Herzkammer. „Die Überlebenschancen für Kunstherzpatienten liegen ein Jahr nach der OP bei 80 bis 90 Prozent“, sagte Prof. Diyar Saaed, leitender Oberarzt der Herzchirurgie des Klinikums und Leiter des Transplantationsprogramms, gegenüber der „LVZ“.

Genau fünf Monate nach dem Eintrag in die Warteliste, am 29. März, war es dann endlich so weit: In einer mehrstündigen Operation wurde Nils ein Spenderherz eingesetzt. Ein Eingriff, den der Jugendliche gut verkraftete. Drei Tage nach der OP machte er bereits wieder die ersten Schritte. „Kritisch sind vor allem die ersten 48 Stunden. Hier entscheidet sich, wie gut sich der Körper mit dem neuen Organ arrangiert“, erläuterte Saaed im Interview.

Drei Wochen nach dem Eingriff durfte Nils das Krankenhaus bereits wieder verlassen. Jetzt muss er täglich 15 Tabletten nehmen, damit der Körper sein neues Herz nicht wieder abstößt. Auch mit Radfahren, Laufen und diversen Kraftübungen muss sich der 18-Jährige fit halten. Sein Ziel: im nächsten Jahr seine unterbrochene Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik fortsetzen und die Welt bereisen.

RND

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