Oberarzt der Essener Uniklinik verhaftet – Vorwurf: Er soll zwei Männer getötet haben

Tötungsdelikt

Ein 44-jähriger Oberarzt der Uniklinik in Essen soll zwei Männer getötet haben. Der Arzt soll seinen schwerstkranken Patienten absichtlich Medikamente gegeben haben, die zum Tod führten.

Essen

, 20.11.2020, 16:42 Uhr / Lesedauer: 1 min
Das Universitätsklinikum der Stadt Essen.

Das Universitätsklinikum der Stadt Essen. © picture alliance/dpa

Ein Oberarzt (44) der Essener Uniklinik soll zwei schwerkranken Männern vorsätzlich Medikamente verabreicht haben, die sie töteten.

In einer gemeinsamen Erklärung der Staatsanwaltschaft Essen und des Polizeipräsidiums Essen heißt es.: „Es „besteht der Verdacht, dass der Mediziner schwerstkranken Menschen vorsätzlich und rechtswidrig Medikamente in deren letzter Lebensphase verabreicht hat, die zu deren sofortigen Tod führten.“

Arzt sagte aus, er wollte weiteres Leiden beenden

Die beiden Männer (47 und 50 Jahre alt) seien Patienten auf der Station des Oberarztes gewesen und hätten sich in einem sehr kritischen gesundheitlichen Zustand befunden. Sie seien am 13. und 17. November verstorben.

Der Oberarzt wurde am Mittwoch, 18. November festgenommen und bleibt in Haft. Er hat bislang laut Polizei nur zu einem der beiden Fälle Angaben gemacht. Der 44-Jährige sagte aus, er wollte das weitere Leiden des Patienten und seiner Angehörigen beenden.

Die Polizei Essen hat eine Mordkommission eingerichtet. Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz hat eine Aufarbeitung aller Sterbefälle im Umfeld des Oberarztes der Essener Uniklinik gefordert, dem von der Polizei Totschlag vorgeworfen wird.

Sterbefälle der letzten Jahre sollen aufgearbeitet werden

„Da der Arzt auch in leitender Funktion war, müssen alle Sterbefälle der letzten Jahre aufgearbeitet werden, in denen der Mediziner Dienst hatte“, sagte Eugen Brysch der Deutschen Presse-Agentur.

Krankenhäuser seien auch Orte des täglichen Sterbens, sagte Brysch. „Für Täter ist deshalb die Gefahr gering, schnell überführt zu werden.“ Bei tödlich verlaufenden Krankheiten sei es die Aufgabe der Ärzte, „in Abstimmung mit den Patienten leidenslindernde palliative Hilfe beim Sterben“ zu ermöglichen.

Im Fall des Oberarztes in Essen bestünden nun „berechtigte Zweifel, ob das die Motive des Mediziners waren.“

Lesen Sie jetzt