NSU-Opfer erfunden: Bewährungsstrafe für Anwalt gefordert

In einem Prozess gegen einen Rechtsanwalt, der ein Opfer der Neonazi-Terrorzelle NSU erfunden haben soll, hat die Staatsanwaltschaft zwei Jahre Haft auf Bewährung gefordert. Daneben soll der Jurist für zwei Jahre seinen Beruf im Strafbereich nicht mehr ausüben dürfen. Der Angeklagte hat sich demnach des gewerbsmäßigen Betrugs in Tateinheit mit Urkundenfälschung schuldig gemacht. Die Verteidigung werde am kommenden Donnerstag plädieren, sagte ein Sprecher des Landgerichts Aachen am Donnerstag.

19.11.2020, 15:22 Uhr / Lesedauer: 1 min
Das Justizzentrum Aachen mit dem Amts- und Landgericht. Foto: Marius Becker/dpa

Das Justizzentrum Aachen mit dem Amts- und Landgericht. Foto: Marius Becker/dpa

Der Anwalt vertrat nach Angaben der Staatsanwaltschaft beim NSU-Prozess in München ein Opfer des Nagelbombenanschlags der Rechtsterroristen in der Kölner Keupstraße. Dieses Opfer gab es aber gar nicht. Dafür habe der Anwalt mehr als 200 000 Euro aus der Staatskasse bezogen. Zudem habe er im Loveparade-Prozess vor dem Landgericht Duisburg versucht, ein vermeintliches Opfer der Techno-Party zu vertreten.

Der Angeklagte bestreitet die Vorwürfe. Er gibt an, stets in gutem Glauben gehandelt zu haben - so sei er davon ausgegangen, dass das NSU-Opfer tatsächlich existiere. Das Urteil wird am 30. November erwartet.

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