NRW kauft Masken bei Werbe-Partner von Armin Laschets Sohn

Politik

Joe, der Sohn von Ministerpräsident Laschet, ist erfolgreicher Blogger, wirbt auch für die Firma van Laack. Die stellt Masken und Kittel für NRW her - nachdem Joe Laschet den Kontakt vermittelt hat.

Düsseldorf

30.11.2020, 21:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Ministerpräsident von NRW, Armin Laschet (M, CDU), seine Frau Susanne Laschet (l) und Sohn Johannes Laschet. Johannes «Joe» Laschet hatte dem Mode-Unternehmen van Laack den Kontakt zu seinem Vater hergestellt, als zu Beginn der Pandemie Masken-Produzenten gesucht wurden. (Archivbild)

Der Ministerpräsident von NRW, Armin Laschet (M, CDU), seine Frau Susanne Laschet (l) und Sohn Johannes Laschet. Johannes «Joe» Laschet hatte dem Mode-Unternehmen van Laack den Kontakt zu seinem Vater hergestellt, als zu Beginn der Pandemie Masken-Produzenten gesucht wurden. (Archivbild) © picture alliance/dpa

Ein überraschender Kontakt zwischen dem Mode-Hersteller van Laack und der Düsseldorfer Staatskanzlei ruft die Opposition auf den Plan: Laut van Laack-Inhaber Christian von Daniels hatte der Sohn des Ministerpräsidenten, Mode-Blogger Johannes „Joe“ Laschet, die Tür für einen großen Deal mit Kitteln und Masken geöffnet. Die SPD-Fraktion wittert „Influencer Marketing in der Staatskanzlei“ und will über eine Kleine Anfrage im Landtag wissen, was genau da los war.

Ministerpräsident Laschet ruft bei van Laack-Inhaber an

Die Landesregierung sieht die Sache positiv: Man sei zu Beginn der Pandemie froh über jeden Hinweis auf entsprechende Unternehmen gewesen. van Laack-Inhaber Christian von Daniels arbeitet seit Jahren mit Fashion-Blogger „Joe“ Laschet zusammen. Der „Rheinischen Post“ sagte von Daniels in einem Interview: „Ich habe Joe gesagt, dass er seinem Vater meine Nummer geben kann, wenn das Land Hilfe bei der Beschaffung von Masken braucht.“

Ministerpräsident Armin Laschet habe dann tatsächlich an einem Sonntagabend angerufen und gesagt, der van Laack-Chef renne offene Türen ein. „Zwei Tage später saßen seine Mitarbeiter bei uns im Konferenzraum und haben sich unsere Masken und Kittel angeguckt“, sagte von Daniels zur „Rheinischen Post“.

Landesregierung braucht Schutzkleidung und -masken

Ein Sprecher der Landesregierung sagte am Montag auf dpa-Anfrage: „Auf dem Höhepunkt des Infektionsgeschehens in der ersten Welle im März gab es auf dem Weltmarkt nahezu keine Schutzkleidung und -masken.“ Diese seien zur Ausstattung von medizinischem Personal aber dringend benötigt gewesen. „Die Landesregierung hat in dieser Zeit Kontakt zu Unternehmen aus ganz Deutschland gesucht, um hier schnellstmöglich Abhilfe zu schaffen.“

Hinweise auf solche Firmen seien viele gekommen - jedem sei man nachgegangen: „Zum Teil persönlich durch den Ministerpräsidenten und weitere Mitglieder der Landesregierung.“ Ziel sei es gewesen, „nordrhein-westfälische Unternehmen auf die Fertigung von hochwertigen Schutzmaterialien umzustellen. So auch im Fall des Textilunternehmens „van Laack“.“ Die Firma war kurzfristig in der Lage, außer Hemden auch Masken und Kittel zu produzieren.

Der Modehersteller aus Mönchengladbach hat dem Land nach früheren Angaben des Gesundheitsministeriums schnell mehrere Millionen OP-Kittel und Masken geliefert. Jüngst bestellte das zuständige Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienst (LZPD) weitere 1,25 Millionen Alltags-Masken für die Polizei bei van Laack.

SPD stellt Fragen zu Geschäftsbeziehungen

Die SPD-Fraktion fragt nun im Titel ihrer Kleinen Anfrage: „Welchen Einfluss hatten die Geschäftsbeziehungen von Joe Laschet zum Modehersteller van Laack auf die Auftragsvergabe der Landesregierung?“ Die Opposition will von der Landesregierung eine Auflistung aller „van Laack“-Aufträge. Außerdem will die SPD wissen, welche anderen Bieter mit im Rennen waren und ob es „Provisionen für Vermittlungstätigkeiten“ gegeben habe.

Wie die Staatskanzlei gegenüber der dpa mitteilte, wurden alle Angebote von der zentralen Prüfstelle des Gesundheitsministeriums „auf ihre Tauglichkeit geprüft. Die Auswahl erfolgte über diese zentrale Prüfstelle.“ Für die detaillierten Fragen der SPD hat die Landesregierung nach Geschäftsordnung des Landtags vier Wochen Zeit zur Beantwortung. Johannes Laschet wird nun unfreiwillig Thema im Landtag. Bisher war er - als einziger Anknüpfungspunkt zur Politik - unter anderem als modischer Ratgeber für seinen Vater bekannt.

Laschets Sohn gibt ihm Mode-Tipps

In einer WDR-Sendung sagte Armin Laschet vergangene Woche, sein Sohn gebe ihm auch mal Tipps beim Schnitt von Anzügen, Hosen und Hemden. Im Sozialen Netzwerk Instagram hat Joe Laschet rund 90 000 Abonnenten. Er präsentiert und bewirbt dort klassische Herrenmode. Vergangene Woche zum Beispiel ein Smoking-Hemd von van Laack.

dpa

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