Neue Krisensituation für die Kirchen: „So schlimm war es nicht mal im Krieg“

dzCoronavirus

Für viele gehört der Gang zur Messe zum Alltag. Mit dem Coronavirus ist das jetzt vorerst nicht mehr möglich. Die Kirche will Wege finden, wie sie die Menschen trotzdem erreichen kann.

Herbern, Ascheberg

, 19.03.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Weil das Coronavirus sich immer weiter ausbreitet, haben die Kirchen im Bistum und bis zum 4. April ihre Gottesdienste abgesagt. Vereins- und Verbandstreffen fallen aus. Die Gemeinden müssen sich nun neu organisieren.

„Ein ganz großer Schock war jetzt nicht da. Die Leute waren innerlich schon drauf vorbereitet, haben dann aber gesagt: ‚Okay, jetzt ist es doch so schlimm geworden‘“, sagt Pfarrer Stefan Schürmeyer von der St.-Lambertus-Gemeinde in Ascheberg. „Die Älteren sagen: ‚So schlimm war es nicht mal im Krieg, dass es keine Messen mehr gab‘. Es ist schon ein massiver Einschnitt für viele“, sagt Schürmeyer. Die Kirchengemeinde versuche nun so gut es ginge, ein Stück Normalität zu geben.

Die Kirche muss sich an die „Krisennormalität“ noch gewöhnen

Aktuell gelte es, vieles zu planen, Aufgaben zu überdenken, nachhaltige Angebote zu schaffen, die den Menschen in der Gemeinde in und über die Krise hinaus helfen können, sagt Schürmeyer. „Einen geregelten Tagesablauf gibt es gerade nicht.“ Die „Krisennormalität“, die müsse sich erst noch finden. Am Sonntag habe man die Gottesdienste noch genutzt, um sich zunächst voneinander zu verabschieden. „Da haben wir auch nochmal ein Lied gesungen. Da war es klar, dass es keine Ostergottesdienste geben wird.“

Die Messen werden von den Priestern weiterhin gefeiert - ohne, aber stellvertretend für die Gemeinde. Gleichzeitig sollen die Kirchen, die für die Gemeindemitglieder weiter offen stehen, geschmückt werden. Um einen Ort zu schaffen, an dem man sich für einen Moment aufhalten könne, so Schürmeyer. Auch die Glocken läuten weiterhin zum Angelusgebet, um 7 Uhr in Ascheberg und in Davensberg, um 6 Uhr in Herbern. „Das nehmen viele zum Anlass, um zu beten.“

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Hier und da sehe man in den Dörfern noch Menschen, die sich ein Eis holten. Gleichzeitig sei der ein oder andere Parkplatz in der Stadt unbelegt. Geistermomente wie am Neujahrsmorgen oder am Nachmittag des Heiligen Abend gebe es derzeit aber nicht. Gleichzeitig sorge er sich um die Geschäftsinhaber und die Familien, denen durch die Quarantäne die Decke auf den Kopf fallen könne, sagt Stefan Schürmeyer.

Neue Wege finden, um weiter in Kontakt zu bleiben

Um weiterhin im Kontakt mit den Gemeindemitgliedern zu bleiben, will die Kirchengemeinde nun neue Konzepte erarbeiten. So könne man vielleicht schon bald Impulstexte auf der Seite der St.-Lambertus-Gemeinde finden. Auch Audioaufnahmen davon seien denkbar. „Die Seelsorger wollten alle keinen Urlaub haben, um zu schauen, was sie machen können“, sagt der Pfarrer. Auch er selbst habe seinen Urlaub gestrichen. Im Zweifel greife man nun häufiger zum Telefon, um im Gespräch mit den Gruppen, Gemeindemitgliedern und regelmäßigen Messebesuchern zu bleiben.

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Auch die ersten Beerdigungen in dieser neuen Krisennormalität hat es bereits gegeben. Laut Landeserlass dürfen daran nur noch wenige Angehörige teilnehmen. Auch kurzfristig geplante Hochzeiten umzuorganisieren, sei für die Brautpaare nun mit Aufwand verbunden. „Es bringt vieles durcheinander, wo Traurigkeit da ist oder man sich gefreut hat. Da macht die jetzige Situation einen Strich durch die Rechnung“, so Schürmeyer.

„Jetzt gilt es, die schwierige Zeit zu gestalten“, sagt der Pfarrer. Etwa durch Nachbarschaftshilfe wie die Aktion „Ich bin für dich DAH - Davensberg, Ascheberg, Herbern“, in der Aschebergs Bürgermeister Dr. Bert Risthaus die Bürger dazu aufruft, Solidarität und gegenseitige Hilfe für Menschen in häuslicher Quarantäne zu zeigen, die nicht auf Familien und Nachbarn als Hilfe zurückgreifen können.

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