Neue Erkenntnisse: Remdesivir könnte Sterberisiko bei Covid-19 deutlich senken

Coronavirus

Das Medikament Remdesivir könnte laut einer neueren Analyse das Sterberisiko bei einem schweren Covid-19-Verlauf deutlich senken. Experten raten jedoch zur Vorsicht bei der Analyse.

Foster City

10.07.2020, 17:29 Uhr / Lesedauer: 2 min
Remdesivir ist das einzige in der EU zugelassene Medikament zur spezifischen Behandlung von Covid-19.

29.06.2020, Ägypten, Gizeh: Ein Mitarbeiter des ägyptischen Pharmaunternehmens «Eva Pharma» hält eine Medikamenten-Verpackung des Wirkstoffs Remdesivir, einem antiviralen Breitspektrum-Medikament. Bei der Suche nach Medikamenten gegen die vom Coronavirus verursachte Krankheit Covid-19, bekam ein einziger Wirkstoff - Remdesivir - in den USA und Japan eine Sonderzulassung. Die Zulassung in der EU von Remdesivir wurde von der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA empfohlen. «Eva Pharma» hat diese Woche mit der Produktion mit einer Produktionskapazität von bis zu 1,5 Millionen Dosen pro Monat begonnen. Foto: Fadel Dawood/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Verwendung weltweit © picture alliance/dpa

Das Medikament Remdesivir kann nach Angaben des Herstellers das Sterberisiko bei einem schweren Verlauf der Corona-Krankheit Covid-19 deutlich vermindern. Eine neue Analyse würde eine Senkung des relativen Sterberisikos um 62 Prozent zeigen, wie das US-Pharmaunternehmen Gilead am Freitag auf der Welt-Aids-Konferenz bekannt gab. Remdesivir ist das einzige in der EU zugelassene Medikament zur spezifischen Behandlung von Covid-19.

Demnach lag bei der Standardtherapie an Tag 14 nach Behandlungsbeginn die Sterblichkeit von schwer an Covid-19 erkrankten Patienten bei 12,5 Prozent. Wurden Patienten zusätzlich mit Remdesivir behandelt, starben nur 7,6 Prozent. Unter Berücksichtigung dieser Zahlen und anderer patientenbezogener Faktoren kommt Gilead dann auf das um 62 Prozent gesenkte Sterberisiko durch das Medikament.

Remdesivir-Untersuchung von Gilead vorsichtig interpretieren

Ein unabhängiger Experte rät aber zur Vorsicht bei der Interpretation der Daten. Zwar weise die Untersuchung auf eine gute Wirksamkeit des Mittels hin, sagte Uwe Janssens, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI). Allerdings seien bei der Analyse zwei Gruppen verglichen worden, die man nach geltenden Standards eigentlich nicht vergleichen dürfe.

So stehen auf der einen Seite 312 Patienten aus einer speziellen Studie, die mit Remdesivir behandelt wurden. In der zweiten Gruppe sind 818 Patienten, die unabhängig von dieser speziellen Studie als sogenannte historische Vergleichsgruppe eine Standardtherapie erhalten hatten. Es sei völlig unklar, ob diese beiden Gruppen ähnliche Grundvoraussetzungen bezüglich Alter, Gesundheit, Begleiterkrankungen, Ethnie und anderen Risikofaktoren gehabt hätten, sagt Janssens.

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Um die Ergebnisse zu prüfen, sei eine sogenannte prospektiv randomisierte klinische Studie nötig, in der völlig zufällig Patienten in eine der beiden Gruppen eingeteilt werden. Darauf weist auch Gilead selbst hin.

Remdesivir wurde erst vor einer Woche von der EU-Kommission zugelassen, weil es die Genesungszeit im Schnitt von 15 auf 11 Tage verringert. Ausreichende Daten zu einem verminderten Sterberisiko lagen zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht vor. Die USA haben sich zwar einen Großteil der bis September anvisierten Produktionsmenge des Mittels gesichert. Deutschland hat sich nach Auskunft des Gesundheitsministeriums aber frühzeitig Remdesivir-Vorräte gesichert.

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