Eine Eiche nach der anderen steht am Fuß- und Radweg entlang der Netteberger Straße in Bork. Fast alle Bäume wurden vom Eichenprozessionsspinner besiedelt - sehr zum Leidwesen der Anwohner.

Bork

, 13.07.2020, 18:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Eigentlich hatte Franz-Josef Bröer die Hecke vor seinem Haus, das direkt an der Netteberger Straße in Bork liegt, schon längst geschnitten haben wollen. Angefangen hatte er an einer Seite auch. Aber dann spürte er dieses Jucken auf der Haut. Ein Gefühl, das ihm und seiner ganzen Familie mehr als bekannt ist. Direkt gegenüber des Hauses ist eine ganze Reihe von Eichen von Eichenprozessionsspinnerraupen besiedelt gewesen. Die sind zwar mittlerweile nicht mehr aktiv: Ihre gefährlichen Härchen sind allerdings geblieben. „Die fliegen ja überall rum“, sagt Franz-Josef Bröer.

Zum Leidwesen der Familie, die in vier Generationen in dem Haus lebt. Mit dem Hund spazieren gehen, so erzählt es Franz-Josef Bröers Tochter Nina Filor im Gespräch mit der Redaktion, könne sie auf dem Fußweg nicht wirklich. Ihr dreijähriger Sohn weiß außerdem schon, dass er den Weg nur passieren darf, wenn er auf der Seite zur Straße hin läuft - damit der Abstand zu den Bäumen größer ist. Auch er hatte schon Ausschlag am Hals.

„Und auf einem Feldweg kann ich ja schlecht mit dem Rollator laufen“

Unter der Situation leidet auch die Oma: Eigentlich hatte sie den Fußweg gern benutzt, um mit ihrem Rollator runter in den Ort zu laufen. Doch, so erzählt die 87-Jährige, das ging in diesem Jahr gar nicht. „Und auf einem Feldweg kann ich ja schlecht mit dem Rollator laufen“, sagt Maria Bröer.

Sie und ihre Familie sind natürlich auch nicht die einzigen, die den Rad- und Fußweg nutzen. Besonders gefährlich werde es, so sagen sie, wenn Radfahrer wegen des Befalls der Bäume auf die kurvenreiche und bergige Straße ausweichen.

Die Brennhaare sind giftig und können Ausschlag verursachen.

Die Brennhaare sind giftig und können Ausschlag verursachen. © Marie Rademacher

An die Stadt hat sich die Familie mit ihrem Anliegen schon gewandt. Allerdings ist die Netteberger Straße eine, die in den Zuständigkeit des Kreises Unna fällt. Der sei in diesem Fall also zuständig, wie Stadt-Sprecher Norbert Zolda auch auf Anfrage der Redaktion erklärt. „Die Meldungen sind natürlich an die dort zuständige Stelle weitergegeben worden“, sagt er außerdem.

Das wiederum bestätigt Max Rolke, Sprecher der Kreises. Den Eindruck der Familie, das an der Straße bisher nichts passiert sei, will er allerdings nicht so stehen lassen. „An der Straße wurden bereits an zwei Eichen insgesamt acht Nester von einer Fachfirma abgesaugt“, sagt er im Gespräch mit der Redaktion. Das sei am 26. Juni passiert. Es könne natürlich sein, so fährt er fort, dass sich danach noch mehr Vorkommen der kleinen Raupen ergeben hätten.

„Es ist einfach frustrierend. Es ist wirklich fast jeder Baum betroffen“

Das ist offensichtlich so: In den Eichen an der Netteberger Straße hängen die Nester teilweise noch, teilweise sind sie schon heruntergefallen und liegen neben den Bäumen. Das ändert jedoch nichts an der Gefahr: Die giftigen Brennhaare, von denen die Gefahr ausgeht, wirken bis zu drei Jahre. „Es ist einfach frustrierend. Es ist wirklich fast jeder Baum betroffen“, sagt Nina Filor.

Der Kreis Unna, an den sich auch die Familie Bröer gewandt hat, habe gesagt, so erklärt es Nina Filor, „wir sollen nicht raus gehen und die Fenster geschlossen halten“. Ein Rat, durch den sich die Familie - gerade im Sommer - nicht gerade für voll genommen fühlt.

„Das war von den Kollegen sicher gut gemeint“, sagt der Kreis-Sprecher im Gespräch mit der Redaktion dazu, räumt aber auch ein, dass der Rat ein bisschen an der Realität vorbei ging. Auch wenn die Bröers die Stellen schon gemeldet haben: Max Rolke erklärt der Redaktion gegenüber, dass er sie noch mal an die entsprechende Stelle weitergibt. Und, dass dann auch etwas passiert. „Es gibt natürlich eine Prioritätenliste und die Firmen sind sehr gefragt“, sagt er allerdings auch.

So werden beispielsweise Stellen in der Nähe von Kindergärten oder Bushaltestellen priorisiert, wenn es um das Absaugen der Nester geht. Die Eichen an der Netteberger Straße - direkt am Rad- und Fußweg - gehören allerdings auch nicht zu dem Gruppe der frei auf einem Feld stehenden Bäume, die als allerletztes behandelt werden.

Insgesamt, so sagt es Max Rolke, habe die Fachabteilung des Kreises in diesem Jahr gut zu tun mit dem Eichenprozessionsspinner. „Die Kollegen haben auch den Eindruck, dass es schlimmer geworden ist als im vergangenen Jahr“, sagt er. „Wir sind vor allem im Nordkreis sehr aktiv gewesen“, sagt er. Am Schloss Cappenberg waren so beispielsweise mehrere Bäume betroffen, so Max Rolke.

Die Stadt Selm hat einen etwas anderen Eindruck. Sprecher Norbert Zolda sagt: „Nach Einschätzung des Fachamtes ist der Befall ähnlich bis etwas geringer als im letzten Jahr, in dem insgesamt über 90 Meldungen eingegangen sind.“ In diesem Jahr seien (Stand: 3. Juli) erst 58 Meldungen bei der Stadt eingegangen. In 13 Fällen wurden die Nester weggesaugt, in anderen Fällen wurden Bereiche abgesperrt oder Schilder aufgestellt. Einen „Hotspot“, an dem es besonders schlimm ist, gibt es nicht. „Die Meldungen des Eichenprozessionsspinner verteilen sich über das gesamte Stadtgebiet“, so Norbert Zolda.

Haben auch Sie Eichenprozessionsspinnernester in Selm entdeckt? Dann melden Sie sich bei uns: Wir pflegen eine Karte mit Stellen im Stadtgebiet, die betroffen sind. Hinweise nehmen wir über Tel. (02592) 96949 oder per Mail an selm@ruhrnachrichten.de entgegen.

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