Nagelstudio-Prozess: Letzte Angeklagte bricht Schweigen - ein bisschen

dzNagelstudio in Werne

Zur Halbzeit des Nagelstudio-Prozesses am Landgericht Münster brach am Freitag, 7. August 2020, auch die letzte der sechs Angeklagten ihr Schweigen.

von Matthias Münch

Werne, Bergkamen

, 07.08.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die 32-jährige Angeklagte aus Rottweil am Schwarzwald ließ ihren Rechtsanwalt Andreas Tinkl zunächst eine schriftliche Erklärung verlesen. Ein komplettes Geständnis, so wie bei dem 28-jährigen Mann aus Bergkamen, wurde es nicht.

Vielmehr stellte sich die Angeklagte als weitgehend ahnungsloses Opfer ihrer älteren Schwester und ihres Onkels dar. Der 55-jährige Onkel und die 37-jährige Schwester hatten das Geflecht der illegalen Nagelstudios in Werne und zwei Dutzend weiteren Städten aufgebaut. Dabei benutzten sie Namen und Pass der Rottweilerin, schlossen damit Verträge ab und ließen Geldflüsse laufen.

Es seien zum Teil hohe Beträge geflossen

Teilweise hohe Beträge seien das gewesen, räumte die 32-Jährige am Freitag ein. Aber sie habe niemals gedacht, dass es sich da um illegale Geschäfte handeln könnte. Sie habe ihren Verwandten vertraut und ihrer Schwester einen Gefallen tun wollen. Sie selbst habe keinen Schimmer von der Nagelstudio-Branche. Sie sei 2015 nach Rottweil gekommen, habe hier eine Ausbildung zur System-Gastronomin erfolgreich absolviert und bei einem anderen Onkel im Burger King gearbeitet.

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Als ihre Schwester sie um ihren Pass und um Kontoeröffnungen bat, habe sie nichts Böses geahnt. Die Post, die sie daraufhin nach Rottweil bekam, unter anderem Mietverträge, Mahnungen und Kündigungen, habe sie immer an ihren Onkel nach Münster weitergeleitet. Erst später, als sie eine Vorladung der Polizei bekam, sei sie stutzig geworden, betonte die Angeklagte. Aber da sei ja dann schon alles zu spät gewesen.

So weit passte die Einlassung zu den bisherigen Aussagen des Onkels und der Schwester, die die Rottweilerin aus der Schusslinie und alles auf ihre Kappe nehmen wollen.

Bei Nachfragen des Vorsitzenden Richters kam die 32-Jährige aber doch ins Schwimmen. Denn es stellte sich heraus, dass sie durchaus selbst aktiv war und in Münster ein Konto eröffnet hatte. Das habe sie für ihre Schwester gemacht, weil die so wenig Zeit hatte.

Der Bank legte sie ihren Pass mit Rottweiler Adresse vor, verlangte aber, dass die EC-Karte zur Adresse ihrer Schwester in Münster geschickt werde, was auch so geschehen sein soll. Das war nun auch für das Gericht starker Tobak. Zweifelnd stellte der Vorsitzende die rhetorische Frage: „Und die Bank nahm ihnen das ab?“

Der Prozess ist noch bis Ende Oktober terminiert.

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