Nachbarschaftshilfe in Werne: Zwischen gutem Willen und gestressten Mitmenschen

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Werne wächst in Zeiten der Corona-Krise zusammen. Trotz des Kontaktverbotes gibt es Möglichkeiten, um den örtlichen Handel und die Nachbarn zu unterstützen. Der Klassiker: Einkaufen für die Nachbarn.

Werne

, 02.04.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Werner helfen Wernern - das sollte das Motto in der Corona-Krise sein, findet Kay Hirschhäuser. Wenn es in der Nachbarschaft Menschen gibt, die nicht mehr vor die Tür gehen können oder wollen, sollte man seine Hilfe anbieten und beispielsweise Einkäufe für die Nachbarn erledigen. Hirschhäuser bot seine Hilfe auch auf eBay Kleinanzeigen an. Dort gibt es seit Kurzem eine zusätzliche Angebotskategorie für Nachbarschaftshilfe.

390 Menschen klickten auf Hirschhäusers Angebot, bevor es von eBay gelöscht wurde. Dabei ging es um Vordrucke für Menschen, die selber eine Nachbarschaftshilfe anbieten wollen. Laut eBay hätte die Anzeige gegen die Richtlinien verstoßen. Aus welchem Grund die Anzeige tatsächlich verschwand, ist dem Werner schleierhaft: „Vermutlich hatte jemand persönlich etwas gegen mich und hat die Anzeige daher gemeldet.“

Nicht zu vielen helfen, um das Infektionsrisiko zu verringern

Hirschhäuser kauft aktuell für zwei Personen ein - viel mehr sollten es auch nicht werden, um Infektionsketten zu verhindern. Um das Infektionsrisiko zu verringern, gebe es in vielen Supermärkten nun außerdem eine Wagenpflicht. „So hält man auf jeden Fall Abstand nach vorne. Das ist eine gute Sache“, findet Hirschhäuser. Im Kaufland, Penny, Aldi und Lidl gebe es die Wagenpflicht. Die Wagen werden nach der Benutzung desinfiziert.

So sieht es aktuell an der Kasse im Kaufland aus.

So sieht es aktuell an der Kasse im Kaufland aus. © Hirschhäuser

Beim Einkaufen sollten Nachbarschaftshelfer außerdem darauf achten, sich vor und nach dem Einkauf die Hände zu waschen und möglichst kontaktlos zu zahlen. Beim Nachbarn angekommen sollte man die Einkäufe nicht persönlich übergeben, sondern vor die Tür stellen.

Bei seinen Einkäufen trifft Hirschhäuser des öfteren auf gestresste Mitbürger, die nicht viel vom Abstandhalten halten. „Neulich traf ich einen älteren Herrn im Rewe, der drängelte sich an der Kasse an den Wartenden vorbei mit dem Argument, dass die Schlange ja gar nicht so lang sein müsste und ja genug Platz wäre“, berichtet Hirschhäuser.

Die Einkäufe werden vor der Wohnung abgestellt.

Die Einkäufe werden vor der Wohnung abgestellt. © Hirschhäuser

Über solche Aktionen ärgert sich der Werner - genauso wie über das Kaufverhalten mancher Mitbürger: „Die Leute denken, sie müssten jetzt alles zusammenraffen und das letzte Paket aus dem Regal nehmen, als wenn es nie wieder Nachschub geben würde.“ Neulich beobachtete er sogar, wie ein Mann Nudeln aus einem fremden Wagen stahl.

Seine betagte Mutter indes habe zum Toilettenpapier-Hamsterverhalten eine ganz eigene Theorie. Denn in Kriegszeiten habe man das Klopapier gegessen, als die Lebensmittel knapp wurden. Davon sei man heute allerdings wohl noch sehr weit entfernt: Die Lebensmittel-Regale in den Märkten werden fortwährend gefüllt.

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