Feste Termine, Online-Kurse, Apps - so reagieren Fitnessstudios auf Corona

dzNach langer Schließung

Die ersten Monate unter Corona-Auflagen sind vorbei: Gehen die Kunden trotz zunehmender Online-Angebote zum Trainieren wieder ins Studio? Drei Leiter von Werner Fitnessstudios ziehen Bilanz.

Werne

, 17.08.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit knapp drei Monaten können die Fitnessstudios in Werne unter Einhaltung der Corona-Schutzmaßnahmen wieder öffnen. Aber gehen die Menschen trotz der vielen Online-Angebote, die während des Lockdowns entstanden sind, danach überhaupt wieder zum Trainieren in ein Studio?

„Viele Kunden sind wiedergekommen“, sagt Frank Langer (54), Mitinhaber von Feel Fit in Werne. „Im Fitnessstudio geht es auch darum, Leute zu treffen. Menschen sind in dem Zusammenhang wie Rudeltiere.“

Frank Langer, Mitinhaber von Feel Fit in Werne, glaubt nicht, dass Online-Angebote den Besuch im Fitnessstudio ersetzen werden.

Frank Langer, Mitinhaber von Feel Fit in Werne, glaubt nicht, dass Online-Angebote den Besuch im Fitnessstudio ersetzen werden. © Jörg Heckenkamp

Von der normalen Besucherzahlen sei sein Studio aber noch weit entfernt. Von im Durchschnitt 550 Kunden pro Tag würden seit der Wiedereröffnung circa 300 bis 350 kommen. „Das liegt aber auch an dem heißen Wetter und daran, dass Ferien waren“, sagt der Mitinhaber.

20 Prozent der Mitglieder würden noch nicht wiederkommen, da sie wegen des Coronavirus‘ noch vorsichtig wären. Das habe die tägliche Auswertung der Besucher-Daten ergeben, anhand derer Langer und die Mitarbeiter das Kundenverhalten analysieren. „Das machen wir, um effizienter planen zu können“, sagt er.

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Damit die Kunden ihren Besuch planen könnten und um den Andrang besser über den Tag zu verteilen, hat das Feel Fit eine App entwickeln lassen, die anzeigt, wie voll es gerade ist.

Damit auch die Kunden, die noch nicht wieder ins Studio gehen könnten oder wollten, nicht auf das Training verzichten müssten, würden die Online-Kurse auch nach dem Lockdown weiter angeboten. Dazu werde es eine neue App geben, über die die Mitglieder Trainingspläne erhalten könnten.

Wie in allen Fitnessstudios, gelten auch im Feel Fit besondere Hygieneregeln.

Wie in allen Fitnessstudios, gelten auch im Feel Fit besondere Hygieneregeln. © Feel Fit

„Online-Angebote haben in den vergangenen Monaten überproportional zugenommen“, sagt Langer. „Ich glaube aber nicht, dass sie Studios ersetzen werden. Wir möchten unser Studio durch mehr Geräte noch attraktiver machen.“

Die Mitgliedergebühren sollen trotz neuer Kosten durch die Hygienemaßnahmen, des Online-Angebots und Einbussen durch circa 20 bis 25 Prozent weniger Neuanmeldungen nicht erhöht werden. „Das wäre das falsche Signal und nicht zeitgemäß“, sagt der 54-Jährige.

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Auch bei Isomed in Werne sollen die Preise für Kunden nicht erhöht werden. „Da wir mehrere Bereiche haben, können wir die Verluste durch die gestiegenen Kosten und weniger Neuanmeldungen kompensieren“, sagt Leiter Marcus Zimmer (51).

Bei Isomed gibt es neben medizinischem Geräte-, auch Präventionstraining, Rehasport und Physiotherapie. Während der Schließung des Studios gab es zudem Online-Kurse.

Besucherzahlen im Isomed fast wieder normal

Dass diese einen Besuch ersetzten würden, glaubt der 51-Jährige nicht. „Das wird, solange es kein anderes Angebot gibt, genutzt, aber Online-Kurse können das Personal vor Ort und die persönlichen Kontakte zwischen den Trainierenden nicht ersetzen.“

Deswegen würden auch fast wieder so viele Kunden kommen, wie vor dem Lockdown. Es gebe natürlich auch noch Mitglieder, die vorsichtiger seien und noch nicht kommen würden. Auch die hohen Außentemperaturen würden die Besucherzahlen im Moment etwas drücken.

Im Frauen-Fitnessstudio Lady + Fitness Werne gibt es ein anderes Konzept, um zu großen Andrang zu verhindern. Da das Studio nicht so groß sei, sei ein Terminsystem eingeführt worden. „Uns ist es wichtig, auf Nummer sicher zu gehen und so verhindern wir, dass Kundinnen wieder gehen müssen, weil es keinen Platz gibt“, sagt Leiterin Marion Nägeler (44).

Marion Nägeler ist Leiterin von Lady + Fitness Werne, wo es seit der Wiedereröffnung ein Terminsystem gibt.

Marion Nägeler ist Leiterin von Lady + Fitness Werne, wo es seit der Wiedereröffnung ein Terminsystem gibt. © Marion Nägeler

Die Reaktionen darauf, dass sie sich vorher für einen bestimmten Termin anmelden müssen, seien bei den Mitgliedern unterschiedlich. Manche würden das begrüßen, andere wollten lieber flexibel bleiben. Da die am Anfang vorgegebene Dauer von 75 Minuten nicht gereicht habe, sei diese auf Wunsch auf 90 oder 105 Minuten hochgesetzt worden.

Nägeler weiß jedoch auch: „Wegen des Systems haben auch schon Frauen bei uns gekündigt, aber wir können es nicht allen recht machen.“

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