Nach Tod von Amad A.: Feuerfeste Matratzen für Gefangene

Der Feuertod des unschuldig eingesperrten Syrers Amad A. hat neben politischen nun auch praktische Folgen: Alle Häftlinge in NRW sollen schwer entzündliche Matratzen bekommen. Die 18 000 Schlafplätze sollen binnen drei Jahren umgerüstet werden.

21.06.2020, 10:11 Uhr / Lesedauer: 1 min
Die Tür zur Zelle 143 in der Klever Justizvollzugsanstalt. Foto: Markus van Offern/dpa/Archivbild

Die Tür zur Zelle 143 in der Klever Justizvollzugsanstalt. Foto: Markus van Offern/dpa/Archivbild

Das Justizministerium will alle rund 18 000 Haftplätze in NRW mit neuen, schwer entzündlichen Matratzen ausstatten. Das bestätigte ein Sprecher auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Das Projekt gehe auf Empfehlungen einer Expertenkommission zurück, die nach einem tödlichen Brand in der JVA Kleve einberufen worden war: Im September 2018 hatte der unschuldig inhaftierte Syrer Amad A. in seiner Zelle Feuer gelegt und war später gestorben.

Die Kommission hatte vor einem Jahr in einem rund 100-seitigen Bericht auch Empfehlungen zum Brandschutz gegeben. Neben schwer entzündbarem Mobiliar ging es auch um die Matratzen. Das Justizministerium wies im Rechtsausschuss des Landtags später darauf hin, dass die feuerfesten Matratzen „nach ersten Schätzungen in den nächsten drei Jahren etwa vier Millionen Euro erfordern“ würden. Noch in diesem Jahr sollen nun die ersten 6000 Matratzen samt passendem Kopfkeil geliefert werden. Der Rest bis 2022, wie es in der Ausschreibung heißt.

Amad A. war am 17. September 2018 beim Brand in seiner Zelle schwer verletzt worden. Er starb kurze Zeit später im Krankenhaus. Laut einem Gutachten im Auftrag der Staatsanwaltschaft hatte er das Feuer selbst gelegt und dazu unter anderem Bettzeug und eine Matratze aufgetürmt. Die Umstände der Verwechslung und des Todes von Amad A. werden zurzeit noch in einem Untersuchungsausschuss des Landtags aufgearbeitet.

Weitere Meldungen