Nach SEK-Einsatz in Schwerte-Holzen: Der Mann im Wohnmobil soll kein Unbekannter sein

dzPolizei in Holzen

Wer ist der Mann, der sich in seinem Wohnmobil verschanzte und ganz Holzen in Atem hielt? Er sei polizeibekannt, hieß es von der Pressestelle. Aber nicht nur die Polizei kennt ihn.

Holzen

, 27.02.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am Dienstagmorgen hielt ein 45-jähriger Mann ganz Holzen in Atem. Verschanzt in seinem Wohnmobil hatte er Polizisten mit einem Gasbrenner gedroht und angekündigt, er werde sich in die Luft sprengen.

Der Mann soll kein Unbekannter sein. Und zwar nicht nur bei der Polizei, die ihn als „polizeibekannt“ in ihrer Pressemeldung einstufte. Es handelt sich mit größter Wahrscheinlichkeit um einen Mann, der auch in den Medien immer wieder für Schlagzeilen sorgte.

Begonnen hatte alles Anfang 2010. Es war ein überraschend harter Winter, in dem das Streusalz knapp wurde.

Mit seiner Funktionsweste erinnerte der Mann eher an einen Sicherheitsmitarbeiter, denn an einigen findigen Geschäftsmann.

Mit seiner Funktionsweste erinnerte der Mann eher an einen Sicherheitsmitarbeiter, denn an einigen findigen Geschäftsmann. © Foto: Reinhard Schmitz

Quelle für Streusalz brachte Bekanntheit

Der Tankstellenpächter aus Dortmund hatte aber offensichtlich eine Quelle für Streusalz und verkaufte es auf dem Gelände seiner Tankstelle säckeweise, als die Supermärkte schon längst passen mussten. Und er vermarktete sich selbst, lud Medien ein und schaffte es sogar in die Regionalnachrichten im Fernsehen. Schon damals residierte er in seinem Wohnmobil und gab dort Pressekonferenzen als Salzkönig.

Der Andrang aus ganz NRW sorgte aber für Ärger mit Nachbarn und Behörden. Zumal der Mann Salzpartys ausrichtete und Merchandising-Artikel im Angebot hatte. Als die Polizei eingriff, beleidigte er die Beamten hart. Später wurde er deshalb zu einer Geldstrafe verurteilt.

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Geschäfte ins Eisenbahnausbesserungswerk verlegt

Später verlegte er dann die Geschäfte von seiner Tankstelle im Dortmunder Süden ins Eisenbahnausbesserungswerk in Schwerte-Ost, wo er eine Halle besitzt.

Dort offenbarte sich dann wieder die andere Seite der findigen Geschäftsmannes: Eine benachbarte Firma hatte ihren LKW auf einem Weg geparkt, der zum Grundstück des Geschäftsmannes gehörte. Es kam zum Streit, ob der Mann dort Wegerecht habe oder nicht.

Im Verlauf dieses Streites schlug der Salzkönig nach Angaben der Polizei mit einer Axt auf das parkende Fahrzeug ein, rammte es dann mit einem Gabelstapler frontal und schob es weg. Später wurde der Mann für den Vorfall verurteilt.

Atomalarm in Schwerte-Ost

Aber der Tankstellenpächter hatte es in Schwerte-Ost auch nicht leicht: Nur wenige Monate zuvor war bei der Polizei ein Hinweis eingegangen, ein Teil des Salzes in der Halle sei radioaktiv verseucht.

Strahlenschutz, Polizei und Feuerwehr kamen mit großen Schutzmaßnahmen, untersuchten das Gelände und die Mitarbeiter, letztlich erfolglos.

Drohungen in der RN-Redaktion

Auch in der Redaktion der Ruhr Nachrichten war der Mann kein Unbekannter. Im Streit, ob und wie groß eine Ankündigung seiner Salzpartys sein müsse, tauchte er in seiner üblichen paramilitärisch anmutenden Kleidung in der Redaktion auf und drohte den Mitarbeitern, er werde die Zeitung kaufen und alle entlassen.

Bei einem anderen Anlass in seiner Halle zog er im Gespräch mit einem RN-Redakteur plötzlich ein großes Messer und rammte es in die Tischplatte vor sich.

Erst vor kurzem hatte er wieder Kontakt zur Redaktion aufgenommen und behauptet: Auf seinem Gelände in Schwerte-Ost würden Mieter seiner Halle illegal Umweltdelikte begehen. Bei der Recherche vor Ort, erklärte er, dass die Behörden nicht auf seine Anschuldigungen reagiert hätten. In der Halle befanden sich tatsächlich Überreste aus Kraftfahrzeugen und Klimaanlagen. Ob ein Umweltdelikt vorlag, war aber nicht zu ermitteln.

Mit der aktuellen Tat in Holzen hat das aber nichts zu tun. Der ging nach Angaben der Polizei ein schon länger andauernder Familienstreit voraus. Am Ende wurde der Mann von der Polizei unverletzt überwältigt und in eine psychiatrische Einrichtung gebracht.

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