Nach Schlachthof-Schließung: Schweinemäster sorgen sich um Bauern

Coronavirus

Wegen des Ausbruchs des Coronavirus musste die Produktion des Fleischherstellers Tönnies gestoppt werden. Experten warnen nun vor weitreichenden Folgen dieser Entscheidung.

Münster/Rheda-Wiedenbrück

18.06.2020, 12:41 Uhr / Lesedauer: 1 min
Wegen des Corona-Ausbruchs ist der Schlachtbetrieb bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück gestoppt.

Wegen des Corona-Ausbruchs ist der Schlachtbetrieb bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück gestoppt. © picture alliance/dpa

Die Schweinemäster aus Westfalen-Lippe blicken mit Sorge auf den Stopp des Schlachtbetriebs bei Deutschlands größtem Fleischunternehmen Tönnies in Rheda-Wiedenbrück wegen eines massiven Corona-Ausbruchs. „Es wird vor allem darauf ankommen, wie sich das weiterentwickelt. Ein, zwei Wochen können die Bauern die Situation vergleichsweise verlustarm überbrücken. Dauert die Schließung länger, kommen auf die Schweinemastbetriebe Probleme zu“, sagte Hans-Heinrich Berghorn, Sprecher des westfälisch-lippischen Landwirtschaftsverbandes.

Werden die auf ein bestimmtes Zielgewicht hin gemästeten Schweine zu fett, drohen Verluste durch Preisabzüge. Außerdem werde es mittelfristig in den Ställen zu eng. Auch bei den Ferkelzüchtern könnte die Nachfrage sinken, erläuterte Berghorn. Schweinemäster aus der Region, die auf andere Schlacht-Standorte ausweichen würden, müssten zudem weitere Anfahrtswege in Kauf nehmen.

Hochwertige Lebensmittel

Entsprechend drängt auch der Bauernverband auf ein rasches Lösen der Probleme: „Die Fleischwirtschaft muss arbeitsfähig bleiben, steht aber dafür auch in besonderer Verantwortung, die Dinge schnell in Ordnung zu bringen“, sagte der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, Bernhard Krüsken, der „Rheinischen Post“.

Es gehe auch um ein hochwertiges Lebensmittel, das auch als solches behandelt werden muss. Auch beim zweiten großen Schlachthof beim Tönnies Wettbewerber Westfleisch im Kreis Coesfeld laufe der Schlachtbetrieb nach dem Ausbruch im Mai noch nicht wieder in Volllast. „Wir appellieren da auch an den Handel, die Situation nicht dahingehend auszunutzen, die Preise noch weiter zu drücken“, sagte Berghorn. Gleichzeitig warne der Verband seine Mitglieder vor Panikverkäufen, weil auch diese auf dem Markt für einen Preisverfall sorgen könnten.

dpa

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