Nach Schalker „Schande“: Wagner unter eheblichem Druck

Der FC Schalke 04 hat die neue Saison so begonnen, wie die alte endete: Erfolglos, ernüchternd, überfordert. Trainer Wagner muss sein Team schnellstens in die Spur bringen - aber die zweithöchste Bundesliga-Niederlage lässt sich nicht so einfach abschütteln.

21.09.2020, 06:46 Uhr / Lesedauer: 2 min
Trainer David Wagner von Schalke steht nach dem Spiel am Spielfeldrand. Foto: Matthias Balk/dpa/Aktuell

Trainer David Wagner von Schalke steht nach dem Spiel am Spielfeldrand. Foto: Matthias Balk/dpa/Aktuell

Nach nur einem Saisonspiel ist der Druck auf Schalke schon wieder riesig. Nach dem beschämenden 0:8 am Freitag beim FC Bayern München stehen Trainer David Wagner und die Profis des FC Schalke 04 vor dem ersten Heimspiel der Saison am kommenden Samstag gegen Werder Bremen in der Pflicht. „Ich erwarte eine deutliche Leistungssteigerung, die sich auch im Ergebnis widerspiegelt“, forderte Sport-Vorstand Jochen Schneider am Wochenende unmissverständlich. Der Auftritt in München sei „indiskutabel“ gewesen, „da gibt es keine zwei Meinungen. So darf sich eine Mannschaft von Schalke 04 nicht präsentieren.“

Vor den Augen des langjährigen Aufsichtsratschefs Clemens Tönnies, der auf Einladung der Bayern die Partie im Kreise der Schalker Führungscrew verfolgte, erlebte die Revier-Elf ein Debakel. Was Tönnies zu sehen bekam, war erschütternd. Linksverteidiger Bastian Oczipka sprach sogar von einer „Schande“.

Bayerns Thomas Müller hatte freimütig eingeräumt, dass es dem Rekordmeister „auch nicht sonderlich schwer gemacht“ worden sei. „Wir waren insbesondere in puncto Aggressivität und Cleverness nicht auf dem Niveau, das es gegen die aktuell beste Mannschaft der Welt braucht. Hinzu kamen zahlreiche individuelle Fehler“, schimpfte Schalkes Sportchef Schneider.

Ob Wagner bei einem weiteren Rückschlag gegen Werder schon nach dem zweiten Spieltag um seinen Job bangen muss, ist unklar. Laut „Bild am Sonntag“ wolle Schneider mindesten die ersten fünf Spiele mit weiteren Herkules-Aufgaben gegen Leipzig und Dortmund abwarten. „Das Trainer-Team um David Wagner wird die Fehler analysieren und klar ansprechen, um dann den Fokus auf das Heimspiel gegen Werder Bremen zu richten. Zuhause müssen wir - hoffentlich vor Zuschauern - die richtige Reaktion zeigen“, forderte Schneider nach dem 17. sieglosen Schalker Bundesliga-Spiel in Serie.

Dies erwartet Trainer Wagner auch. „Das war schlecht. Wir haben nicht gut gespielt, Bayern war in herausragend guter Verfassung. Wir müssen uns jetzt schütteln, diese herbe Niederlage hinnehmen und gegen Bremen die Reaktion zeigen, die wir selber von uns erwarten“, sagte der Coach nach dem blamablen Auftritt. Zudem zog sich Nationalspieler Suat Serdar auch noch eine nicht näher definierte Muskelverletzung zu. Der 23-Jährige wurde am Wochenende weiter untersucht.

Ob mit oder ohne Serdar - für Wagner wird es in jedem Fall eng. Der Trainer hatte keine Antworten auf die Angriffswellen des FC Bayern und auch kein passendes Personal. Vor allem die Spieler auf den defensiven Außenbahnen waren völlig überfordert, es gab aber auch keine wesentlichen Umstellungen. „So ein Ergebnis darf nicht zustande kommen. Eine 0:8-Niederlage ist ein ganz bitterer Auftakt. Die Bayern haben uns heute die Grenzen aufgezeigt“, befand Oczipka, der wie Sebastian Rudy auf der rechten Seite keinen guten Auftritt hatte.

Damit setzten die Schalker ihre schwarze Serie aus der vergangenen Saison nahtlos fort. Seit dem 2:0-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach vor acht Monaten hat der Club kein Bundesligaspiel mehr gewonnen. Wagner zeigte aber auch Zuversicht: „Ich habe Hoffnung, weil ich Vertrauen in die Qualität dieser Mannschaft habe.“

Neben den Personalproblemen könnte dem Revierclub im ersten Heimspiel am Samstag auch die eigentlich erwartete Unterstützung einiger Fans von den Rängen fehlen. Dem Club droht ein Heimspiel ohne Zuschauer, da die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Gelsenkirchen massiv angestiegen ist und die sogenannte Sieben-Tages-Inzidenz an diesem Samstag bei 44,1 lag. Schon ab 35 Fällen pro 100 000 Einwohnern sind keine Zuschauer bei Bundesligaspielen erlaubt.

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