Mutter und Tochter mit Corona in Ägypten: Odyssee mit Gewehren und Leichen

Coronavirus

Bei zwei Frauen aus Hannover ist das Coronavirus im Ägypten-Urlaub ausgebrochen. Für sie begann eine Odyssee, von Polizisten mit Gewehren über Leichen auf dem Krankenhausflur.

08.04.2020, 21:13 Uhr / Lesedauer: 2 min
Auch in Ägypten wird gegen die Ausbreitung des Coronavirus viel unternommen: Ein Rettungssanitäter in Schutzausrüstung versprüht nach der Verlegung eines Coronavirus-Patienten Desinfektionsmittel an einem Krankenwagen.

Auch in Ägypten wird gegen die Ausbreitung des Coronavirus viel unternommen: Ein Rettungssanitäter in Schutzausrüstung versprüht nach der Verlegung eines Coronavirus-Patienten Desinfektionsmittel an einem Krankenwagen. © picture alliance/dpa

Das Coronavirus mit Symptomen zu bekommen, ist schon schmerzhaft an sich - aber was, wenn die Krankheit auch noch im Ägypten-Urlaub ausbricht? So geschehen bei Mina Fetaj und ihrer Mutter. Und die berichten nun von einer regelrechten Odyssee, wie die beiden Hannoveranerinnen nun der „Neuen Presse Hannover“ berichten.

Die 25-Jährige Mina Fetaj war zunächst mit Freunden im Skiurlaub in Ischgl, feierte dort auch einen Abend lang in einer der Aprés-Ski-Bars. Nur einen Tag nach ihrer Rückkehr flog sie - damals noch ohne Symptome - mit ihrer Mutter in den Urlaub nach Ägypten. Dort hatte sie kurz nach Reisebeginn die ersten Symptome: Schüttelfrost, Schwitzen, Schwindel. Sie dachte, so sagt sie es gegenüber der „NP“, es habe sich nur um eine Erkältung durch den Wetterumschwung gehandelt. In Luxor, wohin das Mutter-Tochter-Gespann schließlich reist, bekommt Mina Fetaj auch noch Husten und Atemprobleme.

Die Frauen werden am Flughafen festgehalten - von Polizisten bewacht

Bei der Weiterreise nach Hurghada schließlich werden die beiden vom Flughafenpersonal angehalten. Das Gesundheitsamt hatte die Behörden in Ägypten verständigt, nachdem die drei Freunde, mit denen Mina Fetaj in Ischgl war, positiv auf das neuartige Coronavirus getestet wurden. „Am Flughafen sind wir wie Kriminelle behandelt worden“, sagt sie. Den Flieger durften sie nicht betreten.

Ein Arzt untersucht die beiden, doch nun werden sie erst einmal - von Polizisten mit Schusswaffen bewacht - auf dem Gelände festgehalten. 24 Stunden, gibt Mina Fetaj an, habe ihre Mutter, die inzwischen ebenfalls erkrankt war, und sie nichts zu essen oder zu trinken bekommen. Sie wollten nur kurz frische Luft schnappen, als die Polizisten die Waffen auf die beiden Frauen richteten. Erst als der Arzt hinzu gerufen wurde, bekamen sie Kekse und Wasser - und wurden nach Hurghada ins Krankenhaus verlegt.

Eine Leiche liegt sechs Tage lang auf dem Krankenhausflur

Vor allem mit den hygienischen Zuständen hatten Mutter und Tochter zu kämpfen. So gab es im Krankenhaus nur ein Plumpsklo und Wasser aus einem Wasserschlauch zum Saubermachen. Die beiden werden nach Luxor verlegt, in eine Spezialklinik, beiden geht es schlechter. „Wenn man diese Atemprobleme bekommt, ist es, als würde man ertrinken“, sagt die 23-Jährige der „NP“.

Andere sind zu dem Zeitpunkt schon tot: Auf dem Flur des Krankenhauses lag eine Leiche, sechs Tage, so sollen es die Ärzte gesagt haben, sei der Deutsche schon tot - aber die Botschaft würde sich nicht melden. Als es Mina Fetaj besser geht, hilft sie, die etwas Arabisch spricht, den Ärzten, andere Touristen zu versorgen. Als es auch der Mutter besser geht und beide als geheilt gelten, fliegt der ADAC Mutter und Tochter nach Hannover zurück.

Mina Fetaj ist nun zwar gesund, auch ihre Mutter und ihre Freunde haben sich gut erholt. Aber sie hat eine Warnung an alle jungen Menschen: „Viele nehmen Corona noch immer auf die leichte Schulter. Aber die Einschränkungen hier sind Luxusprobleme im Vergleich zu dem, was ich in Ägypten erlebt habe.“