Kopf mit Klebeband umwickelt: Lebenslange Haft wegen Mordes

Ein Rentner wird in seinem Haus überfallen. Die Täter umwickeln seinen Kopf mit Klebeband. Er erstickt. Jetzt hat das Bochumer Schwurgericht die Urteile gesprochen.

09.04.2020, 15:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es muss ein qualvoller Tod gewesen sein. Im Februar 2019 wurde einem Schützenbruder aus Bochum bei einem Überfall der gesamte Kopf mit Klebeband umwickelt. „Ich kriege keine Luft“. Das sollen die letzten Worte des 68-jährigen Rentners gewesen sein. Am Donnerstag ist einer der Täter vom Bochumer Schwurgericht wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Richter Josef Große Feldhaus sprach bei der Urteilsverkündung von einem Kampfgeschehen in der Wohnung. Um mögliche Hilferufe zu verhindern, sei dem Rentner schließlich Panzerklebeband über Augen, Nase und Mund geklebt worden. Außerdem seien Hände und Füße gefesselt gewesen. „Ein Atmen war nicht mehr möglich“, so Große Feldhaus. „Der Rentner war dem sicheren Tod ausgesetzt.“ Der 68-Jährige war zusätzlich mit Kleidungsstücken überdeckt worden: „Die Täter wollten dessen Todeskampf wohl nicht mit ansehen“, hieß es im Urteil.

Auch der Fahrer des Fluchtwagens wurde verurteilt. Gegen ihn haben die Richter dreieinhalb Jahre Haft wegen Raubes verhängt. Ein weiterer mutmaßlicher Mittäter sitzt in Polen wegen anderer Straftaten in Haft. Laut Bochumer Staatsanwaltschaft wurde die Auslieferung nach Deutschland beantragt, um auch ihm den Prozess zu machen.

Der tödliche Überfall auf den Bochumer Rentner hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt. „Er musste sterben, damit die Angeklagten ihren eigenen Lebensstil und ihren Drogenkonsum fortsetzen konnten“, sagte Anwältin Stefanie Ihrler, die im Prozess die Familie des Opfers vertreten hatte, in ihrem Plädoyer.

Die beiden 37 und 24 Jahre alten Angeklagten - ein Pole und ein Deutscher mit polnischen Wurzeln - hatten in der Wohnung des Opfers laut Urteil auf Gold und große Mengen Bargeld gehofft. Sie selbst hatten im Prozess nur von einem geplanten Kupferdiebstahl gesprochen. Tatsächlich bestand die Beute im Wesentlichen aus 1000 Euro und Orden des Schützenvereins.

Im Prozess war von den Angeklagten jegliche Tötungsabsicht bestritten worden. Ursprünglich sei sogar nur ein Diebstahl geplant gewesen. „Man ist in das Haus gegangen, weil man dachte, da ist keiner“, so Verteidiger Michael Emde. Es sei nicht einmal bewiesen, dass sein Mandant die Fesselung überhaupt gesehen habe. Dafür könne auch allein der noch in Polen sitzende Verdächtige verantwortlich sein.

Die ebenfalls im Haus anwesende ehemalige Lebensgefährtin des Verstorbenen war von den Tätern nur zu Boden gebracht und mit einer Jacke umwickelt worden. Sie hatte nach knapp zwei Stunden Todesangst die Polizei alarmiert.

„Die Folgen für die Hinterbliebenen sind natürlich unermesslich“, sagte Verteidiger Björn Rüthers, der im Prozess den Fluchtwagenfahrer vertrat. Die Polizei war den Angeklagten vor allem durch Handy-Auswertungen und DNA-Spuren auf die Spur gekommen.

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