Möglicher weiterer Pädophiler im Fall Marvin: „Der wollte mir zehn Euro geben und mich anfassen“

dzProzess

Hat sich auch ein Pizzabäcker an Jugendliche einer Wohngruppe in Oer-Erkenschwick herangemaht? Im Prozess um den „Fall Marvin“ sind seit der Vernehmung eines Teenagers neue Fragen aufgekommen.

Bochum

, 18.06.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hat es im Umfeld einer Jugendwohngruppe in Oer-Erkenschwick noch einen weiteren möglicherweise pädophilen Erwachsenen gegeben? Dieser Verdacht ist am Donnerstag im Prozess um den Fall des zweieinhalb Jahre lang vermissten Marvin aufgekommen.

Als Zeuge war ein 16-Jähriger geladen, der mit Marvin befreundet war. „Marvin war nett, freundlich, hat Sachen geteilt – so wie ich auch“, sagte der Teenager den Richtern am Bochumer Landgericht. Doch das war offenbar nicht die einzige Gemeinsamkeit. Beide Jungs hatten Kontakte zu erwachsenen Männern.

Jungen lernten ihn am Busbahnhof kennen

Einer soll der Angeklagte aus Recklinghausen gewesen sein. Ein anderer ein Pizzabäcker, der angeblich ebenfalls ein Auge auf die damals 13-Jährigen geworfen hat. „Der wollte mir zehn Euro geben und mich anfassen“, so der Teenager. Ich solle mich nicht so anstellen. „Ich habe ihn aber dann weggeschubst und bin abgehauen.“ Den Mann hätten sie am Busbahnhof kennengelernt.

Bei dem anderen Erwachsenen, mit dem er sich getroffen habe, könnte es sich um den Angeklagten handeln. „Der sah damals jünger aus“, so der 16-Jährige. „Deshalb bin ich mir nicht ganz sicher.“

Klare Ansage vor dem ersten Treffen: „Nicht anfassen“

Ihn habe er über eine WhatsApp-Gruppe kennengelernt. „Da stand was von Freundschaften schließen.“ Deshalb habe er sich gemeldet. Er sei schon in vielen Wohngruppen gewesen. „Dadurch habe ich viele Freunde verloren und musste immer wieder neue suchen.“

Seine klare Ansage vor dem ersten Treffen habe jedoch so gelautet: „Nicht anfassen!“ Und daran habe sich der Mann auch gehalten. „Wir sind dann ein bisschen rumgelaufen, waren bei Kaufland, haben einen Döner gegessen und Eis.“ Bezahlt habe der Erwachsene. „Ich hatte kein Geld.“ Und Zigaretten habe es auch noch gegeben.

„Ich wusste, dass der sich das nicht leisten konnte“

Die Jugendlichen sollen damals fünf bis sechs Euro Taschengeld erhalten haben. Umso auffälliger sei es gewesen, dass Marvin plötzlich neue Klamotten, Parfüm und ein PS4-Spiel hatte. „Er hat gesagt, dass er sich das leisten kann“, so sein Ex-Kumpel im Prozess vor der 8. Strafkammer. „Aber ich wusste genau, dass er sich das nicht leisten konnte.“

Marvin selbst ist noch nicht als Zeuge vernommen worden. In einer früheren Vernehmung durch die Polizei soll er laut Staatsanwaltschaft jedoch erklärt haben, dass er alles von dem Angeklagten erhalten habe.

Dem 45-Jährigen wird vorgeworfen, Marvin in seiner Recklinghäuser Wohnung versteckt und hundertfach missbraucht zu haben. Er selbst schweigt weiter zu den Vorwürfen.

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