Modekette Sinn flüchtet unter Rettungsschirm

Die Modehandelskette Sinn sucht angesichts der Umsatzeinbrüche durch die Corona-Pandemie Rettung in einem Schutzschirmverfahren. Das Amtsgericht Hagen habe ein entsprechendes Insolvenzverfahren eröffnet, sagte Firmenchef Friedrich Wilhelm Göbel am Dienstag. Ein Wirtschaftsprüfer habe bestätigt, dass Sinn zahlungsfähig sei. Das sei Voraussetzung für ein Schutzschirmverfahren.

28.04.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 1 min

Dem Fachmagazin „Textilwirtschaft“ sagte Göbel, private Banken hätten nicht in die Sicherung eines Teils der angestrebten staatlichen KfW-Kredite einsteigen wollen. Sinn hatte unter dem früheren Namen SinnLeffers in den Jahren 2016/17 schon ein Insolvenzverfahren durchlaufen.

Ziel des Schutzschirmverfahrens sei es, grundsätzlich alle Modehäuser weiter zu betreiben und keine Arbeitsplätze abzubauen, sagte Göbel weiter. Sinn hat rund 1400 Mitarbeiter. Der Großteil der 23 Sinn-Filialen, die überwiegend in NRW sind, werde ab Dienstag mit der maximal erlaubten Verkaufsfläche von 800 Quadratmetern wieder öffnen. Große Umsätze erwartet Göbel nicht, da die Häuser regulär zwischen 2000 und 9000 Quadratmeter Verkaufsfläche hätten. Seit Schließung der Modehäuser im März bis jetzt hae Sinn etwa 33 Millionen Euro Umsatz verloren.

Das deutsche Insolvenzrecht sieht diese besondere Form der Eigenverwaltung für Betriebe vor, denen zwar das Geld auszugehen droht, die aber noch nicht zahlungsunfähig sind. Mit dem 2012 eingeführten Schutzschirmverfahren sollten die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Sanierung notleidender Unternehmen verbessert werden. Wesentlicher Unterschied zum regulären Insolvenzverfahren oder zur normalen Eigenverwaltung ist, dass der Sachwalter im Schutzschirmverfahren vom Unternehmen weitgehend frei gewählt wird.

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