Mobile Pflegedienste in Lünen: Büro für tägliche Schnelltests freigeräumt

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Erst fehlte Schutzkleidung, jetzt muss Vorratshaltung mit Desinfektionsmitteln betrieben werden. Und es kommen Anrufe von positiv getesteten Kunden - keine einfache Lage für Pflegedienste.

Lünen

, 21.11.2020, 14:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Vor allem am Wochenende kommen die Anrufe von Kunden oder Angehörigen mit der Meldung, dass der Kunde positiv auf Covid 19 getestet wurde. „Je schneller wir davon erfahren, desto schneller können wir reagieren“, sagt Michael Wopker vom ambulanten Pflegedienst Wopcare in Lünen. Zu Kunden, die positiv getestet wurden, fahren nicht alle Mitarbeiter, sondern eine ausgewählte Gruppe, die entsprechend geschult ist. Natürlich in voller Sicherheitsmontur mit entsprechender Schutzkleidung, FFP-Maske, Schutzschild und Handschuhen. „Das ist körperlich belastend, weil man natürlich sehr ins Schwitzen kommt. Aber auch psychisch anstrengend“, so der erfahrene Pflegedienst-Chef. Denn man arbeite oft mit chronisch Kranken, die sich nach einem positiven Test viele Sorgen machen und auch große Ängste entwickeln.

„Bei Kunden, die positiv getestet wurden, kümmern wir uns natürlich um das medizinisch Notwendige der Pflege, fahren aber andere Dienstleistungen zurück. Aus Vorsicht.“ Oft wenden sich auch Angehörige, die in Quarantäne müssen, ratsuchend an den Pflegedienst.

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In der Zeit der Pandemie habe man viel gelernt, sagt Wopker. Am Anfang gab es Probleme mit fehlender Schutzkleidung. Denn die ist die Grundlage für den Schutz von Mitarbeitern und Kunden. Auch Desinfektionsmittel fehlten. Genauso wie Schutzschilde oder Masken. Inzwischen habe man zum Glück die entsprechende Menge an Schutzkleidung bekommen. „Seit Monaten fahren wir nur mit FFP2-Schutzmasken zu den Kunden. Beim Desinfektionsmittel muss Wopker noch Vorratshaltung betreiben, da steht nicht immer die gewünschte Menge bei den Händlern zur Verfügung.

Gelernt, mit dem Virus umzugehen

Man habe, sagt Wopker, gelernt, mit dem Virus umzugehen. „Unseren Betrieb hier vergleichen wir mit einem Flughafengebäude. Wir haben die Sitzgelegenheiten minimiert und Abstand und Social Distancing sind selbstverständlich geworden.“ Das Team akzeptiere die notwendigen Maßnahmen. „Auch wenn wir eigentlich ein Team sind, das sich auch mal in de Arm nimmt und zusammen feiert - das geht eben derzeit alles nicht“, so Wopker.

Er ist froh, dass die Zusammenarbeit mit den Behörden gut läuft, gerade im Hinblick auf Kunden, die sich in der Familie oder im Bekanntenkreis infiziert haben. Allerdings sei es auch Mehrarbeit, die akribisch geführten Dokumentationen von positiv getesteten Kunden seien schon anstrengend. „Wir versuchen aber, unsere betroffenen Kunden - solange es ein milder Verlauf zulässt - daheim zu betreuen. Das entlastet auch das System.“

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Den Hut zieht er auch vor den jungen Mitarbeitern, die gerade ihr Examen gemacht oder die Ausbildung im September angetreten haben: „Es ist eine Ausnahmesituation, aber sie machen das richtig gut.“ Respekt zollt er auch den erfahrenen Kollegen, die die Jüngeren unter ihre Fittiche nehmen.

„Es ist auch eine Belastung, wenn man Mentor ist und den Azubi im Auto mitnimmt. Da müssen auch beide eine FFP2-Maske tragen, weil ja kein Abstand von 1,50 Meter vorhanden ist.“

Schnelltest-Schulung

Mittlerweile darf der Pflegedienst auch Schnelltests durchführen. „Wir haben viele Mitarbeiter entsprechend schulen lassen. Es ist gut, schnell testen zu können, wenn sich ein Kunde oder ein Mitarbeiter nicht wohlfühlt und Angst hat, sich angesteckt zu haben.“

So sieht es auch Birgit Rückert, Inhaberin des gleichnamigen Lüner Pflegedienstes. „Wir haben ein Büro freigeräumt, in dem die täglichen Schnelltests bei uns stattfinden.“ Ein Lüner Hausarzt hat die Mitarbeiter geschult. „Es ist ja auch wichtig, dass wir diese Tests auch vor Ort bei den Kunden durchführen können.“

In der Tagespflege des Pflegedienstes wird auch täglich getestet und auch bei Gästen und Personal eine Symptomkontrolle durchgeführt. Birgit Rückert: „Das ist auch ein enormer Aufwand, das Ganze zu dokumentieren.“

Kollegen von Pflegediensten aus dem Rheinland haben derzeit Probleme, die Teststäbchen für den Schnelltest zu bekommen: „Da hatten wir in unserer Region Glück“, so Birgit Rückert, die auch im Landesverband der freien ambulanten Krankenpflege engagiert ist. Dort sei man auch der einhelligen Meinung, dass diese Tests wichtig sind - zum Schutz der Kunden aber auch der Mitarbeiter.

Derzeit habe man keinen Kunden, der positiv auf Covid 19 getestet sei, so Birgit Rückert. Aber sie erinnert sich noch gut an die Anfänge der Pandemie, als eine Kundin positiv getestet wurde und deshalb gleich sechs Mitarbeiter des Pflegedienstes in eine 14-tägige Quarantäne mussten.

In dem Büro, das die Mitarbeiter des Pflegedienstes Rückert freigeräumt haben, werden die täglichen Schnelltests beim Team durchgeführt.

In dem Büro, das die Mitarbeiter des Pflegedienstes Rückert freigeräumt haben, werden die täglichen Schnelltests beim Team durchgeführt. © Rückert

„Mittlerweile hat sich alles eingespielt, wir tragen bei den Einsätzen und auch im Büro FFP2-Masken.“ Schutzkleidung und Desinfektionsmittel habe sie frühzeitig bestellt. Allerdings würden leider die Utensilien wie Handschuhe immer teurer.

Beratungsgespräche führen sie und ihre Mitarbeiter größtenteils telefonisch, um direkte Kontakte auch zu Angehörigen auf ein Minimum zu reduzieren.

Ärgerlich sei da allerdings die Haltung einiger Krankenkassen. Auch das war ein Thema bei einer digitalen Konferenz des Landesverbandes. „Bis zum 30. September waren die persönlichen Beratungen für Menschen, die Pflegegeld beziehen, ausgesetzt. Seit 1. Oktober fordern nun einige Krankenkassen, man solle diese vorgeschriebenen Beratungen wieder beim Kunden durchführen. Das wären für mich täglich vier bis sechs solcher Gespräche und damit auch das Risiko, sich anzustecken“, so Birgit Rückert. Auch der Landesverband kritisiert diese Haltung einiger Krankenkassen.

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