Mittelfinger und Beleidigungen: Zahlreiche Vorwürfe gegen Lünerin

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Bloße Anwesenheit sorgte dafür, dass sich eine Lünerin provoziert fühlte. Heftige Beleidigungen und Wutausbrüche waren offenbar die Folge. Das Amtsgericht hat Zweifel an der Schuldfähigkeit.

von Sylvia Mönnig

Lünen

, 06.09.2020, 12:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Begegnungen mit der Lünerin, größtenteils zufällig, dürften sich in die Erinnerung der Betroffenen eingebrannt haben. Aus dem Nichts wurden sie plötzlich beschimpft und mit eindeutigen Gesten bedacht.

Mittelfinger und Beleidigungen

Die aktuelle Serie begann Anfang November im Bereich Lange Straße. Ein Fremder erregte offenbar den Zorn der 48-Jährigen. Laut Anklage schlug sie ihm ins Gesicht und titulierte ihn als „scheiß Ausländer“.

Kurz vor Weihnachten soll es zum nächsten Zwischenfall gekommen sein. An der Kreuzung Kurt-Schumacher-Straße und Cappenberger Straße, so der Vorwurf, zeigte sie einem anderen Autofahrer den Mittelfinger und den „Scheibenwischer“.

Am Tag vor Silvester stritt sie sich augenscheinlich mit dem Betreiber eines Handy-Shops, der ihr Mobiltelefon reparieren sollte, und beleidigte ihn.

Mit Auto auf zwei Personen zugefahren

Gute zwei Wochen später, so die Anklage, hatte sie immer noch eine Rechnung mit dem Mann offen, fuhr deshalb so mit ihrem Auto auf ihn und einen Begleiter zu, dass beide zur Seite springen mussten. Dazu zeigte sie erneut den Mittelfinger.

Den präsentierte sie offenbar auch einige Tage zuvor einem weiteren Opfer – begleitet von den Worten „scheiß Araber“. Zuletzt, so der Vorwurf, beschimpfte sie eine Frau am 4. März als „muslimische Dreckshure“ und zeigte auch ihr den Mittelfinger.

Die verbal und durch Gesten geäußerten Beleidigungen räumte die Lünerin nun im Prozess ein – auch wenn sie sich im Detail nicht immer erinnern konnte.

Den Schlag ins Gesicht beschrieb sie als Versuch, dem Mann den Mund zuzuhalten und das Zufahren auf die Männer vor dem Handy-Shop stellte sie in Abrede. Die seien auf sie zugekommen. Sie habe sich bedroht gefühlt und deshalb den Mittelfinger gezeigt.

Angeklagte zeigt Reue, Richter fordert Gutachten an

Generell beteuerte sie aber immer wieder, dass ihr die Ausbrüche leid täten. Sie sprach von Depressionen und ihrer Vergangenheit. „Ich kann nicht wirklich erklären, warum ich das dann mache“, betonte sie und fügte hinzu, danach stets Bedauern zu empfinden.

Ihr Verteidiger erklärte, dass sie sich in den Momenten subjektiv provoziert fühle. Dann reiche eine Geste. Auch bat die 48-Jährige einige Betroffene um Entschuldigung.

Mit Blick auf die Häufung der Vorfälle regte der Richter ein Gutachten zur Schuldfähigkeit der Lünerin an. Die Beteiligten stimmten zu. Mit dem Ergebnis dieses Gutachtens soll der Fall Anfang 2021 neu aufgerollt werden.

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