Millionen-Coup mit falschem Geldtransporter

Nach einem Millionen-Coup mit einem falschen Geldtransporter im münsterländischen Gronau hat das Essener Landgericht lange Haftstrafen verhängt.

25.05.2020, 15:21 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Tarnung war perfekt, die Beute gewaltig: Mit einem falschen Geldtransporter sind im Dezember 2017 bei einem Supermarkt in Gronau rund 1,8 Millionen Euro erbeutet worden. Am Montag sind die mutmaßlichen Täter am Essener Landgericht verurteilt worden. Dabei wurden bis zu zwölf Jahre Haft verhängt.

Kaum war das Urteil gesprochen, wurde auf den Zuschauerrängen geweint. Was als Leben in Luxus begonnen hatte, endet für sechs der sieben Angeklagten nun im Gefängnis. Nur die Ex-Freundin des Haupttäters kam mit einer einjährigen Bewährungsstrafe davon.

Der spektakuläre Millionen-Coup hatte damals bundesweit für Schlagzeilen gesorgt und war in der Fernsehsendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ nachgestellt worden. Die Täter hatten einen Lieferwagen umlackiert und mit Magnetklebefolie in einen echt aussehenden Geldtransporter verwandelt. Sie trugen Uniformen und hatten den Empfang des Geldes sogar quittiert. Die Mitarbeiter des Supermarktes schöpften keinen Verdacht. Erst als kurze Zeit später der echte Geldtransporter auftauchte, war klar, dass irgendetwas nicht stimmte. Da waren die Täter jedoch längst verschwunden.

Möglich wurde die Tat durch den Insidertipp eines nun ebenfalls verurteilten Mitarbeiters einer Sicherheitsfirma. Der 44-jährige Deutsche hatte im Prozess ein Geständnis abgelegt und galt in dem Verfahren als Kronzeuge. Gegen ihn wurden die drei Jahre Haft verhängt. „Es ist ein kluger Gedanke, Taten mit Insidertipps zu begehen“, so Richterin Karin Maiberg bei der Urteilsbegründung. „Dann kann man natürlich deutlich mehr Beute machen.“

Kopf der sogenannten Geldtransporter-Bande soll ein 25-jähriger Mann aus Recklinghausen gewesen sein. Er soll noch bei einer ganzen Reihe weiterer Beutezüge der deutschen, spanischen, pakistanischen und guineisch-italienischen Angeklagten dabei gewesen sein - darunter auch bei einem Raubüberfall auf eine Juwelierin aus Mönchengladbach.

Außerdem wurde in Dortmund ein Geldtransporter ausgeräumt, während Fahrer und Beifahrer gerade einen Geldautomaten nachfüllten. In Werne im Kreis Unna wurde gleich ein ganzer Geldautomat geplündert. Dazu wurden jeweils Nachschlüssel samt den dazugehörigen Codes benutzt.

Die Beute wurde dann mit vollen Händen ausgegeben. Im Prozess war von Goldbarren, Luxus-Limousinen, Traumurlauben auf den Malediven und sündhaft teuren Markenuhren die Rede. Die Gesamtbeute der Angeklagten soll sich auf rund 2,8 Millionen Euro belaufen.

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