Geplante Mehrwertsteuer-Senkung: Selmer Einzelhändler äußern Bedenken

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Die Bundesregierung plant, die Mehrwertsteuer ab Juli für ein halbes Jahr um drei Prozent zu senken. Für Verbraucher gute Nachrichten. Für Einzelhändler ein großer Aufwand. Lohnt sich das?

Selm

, 11.06.2020, 15:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ab Juli soll die Mehrwertsteuer auf Produkte von 19 auf 16 Prozent und auf Lebensmittel von 7 auf 5 Prozent reduziert werden. Die Steuersenkung ist ein wichtiger Teil des Konjunkturpakets der Großen Koalition, das in der vergangenen Woche geschnürt wurde, um den Konsum in Corona-Zeiten anregen zu können.

Dadurch sollen Verbraucher bundesweit schätzungsweise um 20 Milliarden Euro entlastet werden. Und damit auch der Konsum angeregt werden. Doch für Unternehmen bedeutet die temporäre Steuersenkung auch einen großen bürokratischen Aufwand. So sehen es zumindest diverse Einzelhändler aus Selm - wie etwa Andreas Kunze, Inhaber des Cappenberger Dorfladens.

Umstellung der Kassensysteme, Preisschilder erneuern

„Der Aufwand für einen so kurzen Zeitraum der Steuersenkung ist für alle Seiten extrem hoch“, sagt Kunze. Zudem wisse er nicht, ob der Kunde die Steuersenkung am Ende des Jahres überhaupt im Portmonee merke.

Durch die Steuersenkung kommen einige Aufgaben auf Einzelhändler zu. Kassensysteme müssen umgestellt, Preisschilder erneuert und etwaige Werbung neu gestaltet werden.

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Kunze hofft zumindest, dass er nicht dazu verpflichtet wird, die Preisschilder anzupassen. „Ich habe die Ware direkt ausgezeichnet und hoffe, dass ich die Preisschilder nicht ändern muss. Ich kann auch die Kasse nicht auf die Schnelle umprogrammieren“, listet er Probleme auf, die auf ihn zukommen könnten.

Vorschlag: Pauschale Steuervergünstigung am Ende des Jahres

Kunze hat da einen eigenen Vorschlag: „Das Finanzamt sieht ja, wie viel Umsatz ein Unternehmen am Ende des Jahres gemacht hat. Sinnvoll wäre es von der Bundesregierung gewesen, den Unternehmen nach Ablauf der Steuersenkung eine pauschale Steuervergünstigung zu geben. Das wäre für uns Einzelhändler sicherlich einfacher gewesen.“

In dieselbe Kerbe schlägt auch Elisabeth vom Hofe vom Lebensmittelgeschäft in Bork. Sie sagt: „Es wäre viel zu teuer, jetzt alle Preisschilder zu erneuern. Das ist den Aufwand doch gar nicht wert.“ Wie sie genau vorgehen wird, wisse sie noch nicht. „Da muss ich mich erst noch schlau machen“, sagt sie. Die beiden Einzelhändler werden ihre Optionen daher noch mit Steuerberatern absprechen, wie sie sagen.

Auch Martin Humpert sieht die Steuersenkung skeptisch

Der Inhaber der Edeka-Filiale in der Selmer Altstadt, Martin Humpert, geht stark davon aus, dass sämtliche Produkte in seiner Filiale neu ausgewiesen werden müssen. Derzeit würden noch vorbereitende Maßnahmen getroffen werden. Nähere Details könne er daher noch nicht nennen.

Martin Humpert sieht viel Arbeit auf sich zukommen, wenn er und seine Mitarbeiter demnächst für sämtliche Produkte neue Preisschilder anbringen müssen.

Martin Humpert sieht viel Arbeit auf sich zukommen, wenn er und seine Mitarbeiter demnächst für sämtliche Produkte neue Preisschilder anbringen müssen. © Carina Strauß (A)

Aber: „Vermutlich wird es so kommen“, so Humpert. Der Arbeitsaufwand wird dann sehr hoch sein, befürchtet er: „Und das gleiche Spiel in der ersten Januar-Woche dann rückwärts und zurück zu 19 Prozent Mehrwertsteuer. Ich sehe die Steuersenkung daher eher skeptisch.“

„Verbraucher werden Steuersenkung kaum merken“

Auch er zweifelt an, dass es für den einzelnen Verbraucher einen großen Wirkungseffekt haben wird. „Das Kilo Mehl kostet aktuell bei uns 39 Cent. Nach der Preissenkung werden es dann ‚nur‘ noch 37 Cent sein. Die Steuersenkung wird der Verbraucher kaum merken.“

Wie die Rewe-Gruppe und die Hellweg-Baumärkte mit der geplanten Steuersenkung umgehen werden, ist noch unklar. Bis Redaktionsschluss haben die Pressestellen der Unternehmen nicht auf eine entsprechende Anfrage reagiert.

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