Mehr Zeit, mehr Langeweile: Gibt es einen Corona-Baby-Boom in Lünen ?

dzSchwangerschaften

Viele Lüner arbeiten in der Corona-Krise zuhause, es gibt kaum Freizeitaktivitäten. Die Lüner verbringen mehr Zeit mit dem Partner. Wir haben uns umgehört: Gibt es bald einen Baby-Boom?

Lünen

, 24.08.2020, 18:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

In Zeiten des Lockdowns verbrachten Paare viel Zeit miteinander. Die Arbeit wurde in die heimischen vier Wände verlegt und eine Reihe von Freizeitaktivitäten fiel aus. Bei so viel Zweisamkeit stellt sich die Frage: Werden Anfang kommenden Jahres mehr Babies in Lünen geboren?

„Es ist gerade eine Katastrophe, sich im Moment eine Hebamme zu suchen - die haben gerade alle Hände voll zu tun. Der Beratungsbedarf in der Corona-Zeit ist groß und für Geburtstermine um Weihnachten und Ostern herum ist es generell immer schwierig“, sagt die Lüner Hebamme Regina Meier. Die Drogeriekette Rossmann verkaufte nach eigenen Angaben im Juni mehr Schwangerschaftstests. Auch die Lüner Frauenärztin Dr. Jennifer Hecktor-Horn bestätigt: „Es kommen deutlich mehr Schwangere zu mir. Häufig sind es ungeplante Kinder. Dementsprechend simpel sind die Gründe, die die werdenden Mütter mir nennen: Mehr Zeit, mehr räumliche Enge und Langeweile.“

Krankenhäuser sind gut vorbereitet

Die Ärztin rechnet damit, dass die Zahl der festgestellten Schwangerschaften so schnell nicht abflaut. Engpässe in den Krankenhäusern seien aber nicht zu befürchten: „Die Krankenhäuser sind gut ausgestattet und vorbereitet und freuen sich schon auf die Babies.“ So sähe es auch bei den werdenden Müttern in ihrer Praxis aus: Zwar handele es sich oft um unerwartete Schwangerschaften, aber alle Kinder würden freudig erwartet.

Dr. Ute Krahé, Frauenärztin in Dortmund und stellvertretende Vorsitzende im Bundesverband der Frauenärzte, hält sich hingegen bedeckt: Genaue Zahlen zu einem potentiellen Anstieg der Schwangerschaften gäbe es noch nicht. Wirklich sagen, ob es sich um einen Baby-Boom handele, könne man erst, wenn die Babies im kommenden Jahr geboren werden.

Viele spontane Schwangerschaften

Die Lüner Hebamme schätzt die Lage so ein: „Ich bin bereits jetzt für den Januar und Februar ausgebucht. Das ist sehr früh.“ Ob das daran läge, dass die Frauen sich schneller melden oder ob der Bedarf tatsächlich höher sei, könne sie nicht sagen.

Es seien jedoch auch aus ihrer Erfahrung mehr spontane Schwangerschaften dabei: „Bei einer Familie war die Familienplanung eigentlich abgeschlossen - jetzt kommt doch noch ein drittes Kind dazu. Und die Abstände zwischen den Schwangerschaften sind aktuell kürzer als die durchschnittlichen drei bis vier Jahre.“ Sie fügt augenzwinkernd hinzu: „Da ist man erstaunt, wie schnell man sich wieder sieht.“

Lieber zu früh als zu spät

Wichtig sei es, sich früh zu melden - in der 20. Woche sei es oft schon zu spät. Dann seien schon viele Hebammen ausgebucht. „Melden Sie sich am besten sofort an, wenn Sie einen positiven Schwangerschaftstest haben.“, rät die Hebamme. In Dortmund gäbe es eine Hebammen-Hotline, die bei Fragen zur Seite steht sowie ein Babylotsen-Programm, das Hilfe in allen Babyfragen vermittelt. So etwas gäbe es in Lünen jedoch nicht.

VIele Fragen in Corona-Zeiten

Dann seien die Frauen- und Kinderärzte gefragt, all jene Fragen zu beantworten, die die Mütter sonst ihrer Hebamme beim Hausbesuch stellen würden. Im Notfall helfe die Geburtsklinik weiter. „In der Corona-Zeit schwanger zu sein ist nicht einfach. Die Mütter sind verunsichert und müssen intensiv betreut werden.

Gerade in Zeiten des Lockdowns war die Hebamme der einzige Kontakt zur Außenwelt“, sagt Meier. Geburtsvorbereitungs- und Schwangerschaftssportkurse fielen aus und somit viele Gelegenheiten, um Fragen zu stellen. Aufgrund der Lockerungen der Corona-Verordnung dürfen diese Veranstaltungen wieder stattfinden - der Bedarf an Hebammen ist jedoch ungebrochen.

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