„Mehr Ansteckungen zulassen“: Infektiologe spricht sich für Herdenimmunität aus

Coronavirus

Infektiologe Ansgar Lohse spricht sich dafür aus, angesichts der Corona-Krise Herdenimmunität in der Bevölkerung zu schaffen. Risikogruppen müssten jedoch gleichzeitig besser geschützt werden.

Hamburg

29.03.2020, 19:16 Uhr / Lesedauer: 2 min
Zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus sind Spielplätze vorerst geschlossen. Laut Infektiologe Ansgar Lohse vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf sollten sich Kinder und junge Menschen jedoch möglichst anstecken, da die meisten nicht zur Risikogruppe gehören und sie somit eine Immunität gegen das Virus entwickeln.

Zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus sind Spielplätze vorerst geschlossen. Laut Infektiologe Ansgar Lohse vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf sollten sich Kinder und junge Menschen jedoch möglichst anstecken, da die meisten nicht zur Risikogruppe gehören und sie somit eine Immunität gegen das Virus entwickeln. © Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Infektiologe Ansgar Lohse vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf spricht sich dafür aus, angesichts der Corona-Krise Herdenimmunität in der Bevölkerung zu schaffen.

„Wir müssen zulassen, dass sich diejenigen, für die das Virus am ungefährlichsten ist, zuerst durch eine Ansteckung immunisieren“, erklärte der Infektiologe gegenüber „Bild“. Seine Sorge: Die Maßnahmen der Regierung könnten schwere medizinische Folgen haben.

Infektiologe Lohse: Kinder und junge Menschen sollten schnell Infektion durchmachen

Die Betreuung von psychisch Kranken sei schwieriger geworden, und es gebe ein extremes Konfliktpotenzial in Familien. Zudem wirke sich auch eine Wirtschaftskrise direkt auf die Sterblichkeit aus. „Je länger die Maßnahmen andauern, umso mehr“, prognostizierte Lohse.

Der UKE-Direktor glaubt, dass ohne eine Impfung die unkontrollierte Ausbreitung des Virus nur gestoppt werden kann, wenn genügend Menschen immun seien. Vor 2021 erwartet Lohse keine Impfung. „Sowohl Kinder als auch die allermeisten von ihren jungen Eltern gehören nicht zur Risikogruppe.

Je schneller diese Gruppe eine Infektion durchmacht, umso besser“, sagte er „Bild“ weiter. Die Risikogruppen müssten jedoch gleichzeitig besser geschützt werden. Laut Lohse denken viele seiner Kollegen aus verschiedenen Fachrichtungen ähnlich.

„Karrieren und Existenzen gefährdet“: Lohse erwartet schwere Folgen der Maßnahmen

Vor dem 20. April werde die Kontaktsperre in Deutschland nicht aufgehoben, betonte dagegen Kanzleramtschef Helge Braun am Samstag erneut. Finanzminister Olaf Scholz erklärte, er wolle ebenso bis dahin an den Maßnahmen festhalten.

Lohse sprach sich allerdings dafür aus, Kitas und Schulen bald wieder zu öffnen. Zudem müsse jede Pflegekraft eine Schutzmaske trage. Derzeit gebe es nicht genügend Maßnahmen für die Altenheime und die ambulante Pflege. Welche Maßnahmen in welchen Teilen des Landes gelockert werden sollten, müsse etwa anhand der Kapazitäten in den Krankenhäusern einer Region entschieden werden.

„Viele Menschen werden leiden und sterben, weil andere Krankenhausbetten reduziert werden, weil soziale und ärztliche Dienste nicht mehr funktionieren, weil Menschen vereinsamt und andere zusammengepfercht leben müssen, weil Karrieren und Existenzen gefährdet werden“, so der Infektiologe.

RND/bk

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