„Mehr als jeder zweite Eingriff“: Verschiebung von OPs

Die Landesregierung rechnet mit „außergewöhnlichen Belastungen“ für die Krankenhäuser in den kommenden Wochen. Um Kapazitäten zu schaffen, werden viele planbare Operationen verschoben. Die Besuchszeiten werden eingeschränkt, teilweise drastisch.

16.03.2020, 08:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Verschiebung von planbaren Operationen wegen der Coronavirus-Epidemie könnte in Nordrhein-Westfalen mehr als jeden zweiten Eingriff betreffen. Das sagte der Präsident der Krankenhausgesellschaft NRW (KGNW), Jochen Brink, am Montag im WDR. Für die Krankenhäuser bedeute das eine „gewaltige Herausforderung“. Aktuell seien die Krankenhausleitungen überall im Land damit beschäftigt, ihre Betriebsabläufe umzuorganisieren. Welche Eingriffe ohne Schaden der Patienten um einige Monate verschoben werden könnten, entscheide der behandelnde Arzt. Die Patienten reagierten nach seinem ersten Eindruck „sehr verständnisvoll“, sagte Brink.

Mit der Verschiebung, die bundesweit empfohlen worden war, sollen Intensiv-Betten und Beatmungsgeräte für die Behandlung schwer kranker Coronavirus-Patienten frei gehalten werden. Der Beschluss sei nachvollziehbar und werde zügig umgesetzt, versicherte Brink. Allerdings bringe der Verzicht auf so viele Operationen Einnahmeausfälle „in sehr großer Höhe“. Bund und Länder hätten für die ohnehin angespannten Kliniken einen finanziellen Schutzschirm zugesagt. „Ich hoffe, dass das ohne Klein-Klein umgesetzt wird“, sagte Brink.

In NRW gibt es nach Angaben des NRW-Gesundheitsministeriums rund 360 Krankenhäuser. Auf Landesebene treffen sich am Mittwoch Vertreter der Krankenhausgesellschaft und der Krankenkassen mit Gesundheitsminister Laumann, „um alles Notwendige für die Aufrechterhaltung des Betriebs der Krankenhäuser in die Wege zu leiten“, hieß es in einem Rundschreiben der KGNW vom Montag.

Dabei solle es auch um den Umgang mit Personalknappheit durch Infektionen oder Quarantäne von medizinischem Personal gehen, hieß es weiter. So werde bei weiter steigenden Fallzahlen unter anderem zu entscheiden sein, wie man mit symptomfreien Kontaktpersonen umgehe. „Können diese mit entsprechender Schutzkleidung weiterarbeiten, um die Patientenversorgung aufrechtzuerhalten?“, formulierte die KGNW eine Leitfrage.

Der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Prof. Uwe Janssens, nannte in einem Interview des ZDF eine Quarantäne für medizinisches Personal „schlichtweg nicht praktikabel“. Janssens ist Chef der Intensivmedizin am St. Antonius-Hospital in Eschweiler (Städteregion Aachen). In Eschweiler etwa sei eine Krankenschwester erkrankt. Wäre man der Empfehlung des Robert-Koch-Instituts gefolgt, hätten knapp 70 Mitarbeiter in Quarantäne gemusst. „Dann hätten wir die Notfallversorgung abschalten müssen“, sagte Janssens dem Sender am Sonntag.

Zu dem am Freitag von der Landesregierung verabschiedeten Maßnahmenpaket gehört auch eine Einschränkung der Besuche in den Krankenhäusern „auf das Notwendigste“. Diese Vorgabe wird nach Angaben eines Sprechers der KGNW von den Häusern unterschiedlich gehandhabt. „Manche sagen, überhaupt kein Besuch, andere sagen, eine Stunde für eine Person“, sagte Verbandsprecher Lothar Kratz.

In den Häusern der Universitätsmedizin Essen etwa gilt seit Montag ein „generelles Besuchsverbot“. Begründete Ausnahmen seien mit der Station vor dem geplanten Besuch telefonisch abzusprechen, heißt es in einer Mitteilung der Uniklinik. Sonderregelungen gebe es für die Kinderklinik und die Palliativstation. Am Klinikum Dortmund darf in einem Zeitfenster am Nachmittag pro Patient nur ein Besucher kommen, Ausnahmen sind möglich.

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