Matthias Buckesfeld ist tot: Ehemaliger Lüner Beigeordneter mit 54 Jahren gestorben

dzTodesfall

Matthias Buckesfeld, ehemaliger Technischer Beigeordneter der Stadt Lünen, ist Dienstag gestorben. In seine Amtszeit fiel die „Knöllchen Affäre“ um Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns.

Lünen

, 16.01.2020, 15:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Lünens ehemaliger Technischer Beigeordneter Matthias Buckesfeld ist tot. Er sei Dienstag (14.1.) im Alter von 54 Jahren plötzlich und unerwartet gestorben, hieß es am Donnerstag (16.1.) bei der Schwerter CDU. Weitere Angaben, etwa zu den Todesumständen, machten die Christdemokraten nicht.

Der Verwaltungsvorstand der Stadt Lünen reagierte auf Nachfrage unserer Redaktion „tief bestürzt“ auf die Nachricht vom Tod Buckesfelds, die Lüner CDU-Fraktion zeigt sich „entsetzt“.

Matthias Buckesfeld war am 1. Juli 2010 für acht Jahre, also bis Mitte 2018, vom Lüner Stadtrat zum Technischen Beigeordneten gewählt worden. Der gelernte Raumplaner schied jedoch schon im November 2016 aus dem Amt aus: Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns hatte Buckesfeld krankheitsbedingt vorzeitig in den Ruhestand versetzt. Zuvor hatte ein Amtsarzt des Kreises Unna die Dienstunfähigkeit des Beigeordneten mit Wurzeln in Wuppertal/Schwelm festgestellt.

Buckesfeld brach seine Zelte in Lünen ab, zog nach Schwerte und machte sich dort als Projektentwickler selbstständig. Für die örtlichen Christdemokraten war er zunächst als Sachkundiger Bürger politisch unterwegs, zuletzt zählte er auch zum CDU-Vorstand.

Zerrüttetes Verhältnis zum Bürgermeister

Das Verhältnis zwischen dem Technischen Beigeordneten Matthias Buckesfeld und Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns war zuletzt zerrüttet. Grund war die sogenannte „Knöllchen-Affäre“ um ein nicht bezahltes Bußgeld des Ratsmitglieds Kleine-Frauns.

Das Knöllchen wurde fallengelassen, nachdem Kleine-Frauns schließlich als Bürgermeister (seit Oktober 2015, Anm. d. Red.) dem Leiter der Abteilung Verkehrsüberwachung eine Mitteilung geschrieben hatte: „Zahle ich nicht!“

Großes Medienecho

Diese Tatsache löste ein größeres Medienecho aus, nachdem die Unterlagen im Februar 2016 an die Öffentlichkeit gelangt waren. Von Amtsmissbrauch war die Rede, rechtlich bedenklich war Kleine-Frauns‘ Schreiben aber nicht. Dies wurde mehrfach geprüft. Unter anderem vom Kreis Unna.

Der damalige Erste Beigeordnete Horst Müller-Baß erstattete wegen Verletzung des Dienstgeheimnisses Anzeige gegen Unbekannt. Monate später wurde wiederum bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Buckesfeld als Schuldigen ausgemacht hatte. Weil er gegen einen Strafbefehl über 9300 Euro Einspruch eingelegt hatte, kam es am 19. Juli 2017 zur Verhandlung vor dem Amtsgericht Lünen.

In der Verhandlung räumte Buckesfeld zwar ein, dass die Akten von ihm stammten, betonte jedoch, dass er sie nicht an die Presse gegeben habe. Seine Erklärung vor Gericht: Auf einer Klausurtagung hatte er Ratspolitikern von CDU, FDP, UWG und Piraten über den Vorfall berichtet - möglicherweise hatte einer der Anwesenden in einer Pause Fotos von den Unterlagen geschossen.

Staatsanwältin überrascht

Diese Aussage überraschte auch Staatsanwältin Sandra Lücke: „Das ist tatsächlich nicht auszuschließen. Insofern beantrage ich, den Angeklagten freizusprechen.“ Diesem Antrag folgte das Gericht.

Im Gespräch mit unserer Redaktion zeigte sich Buckesfeld damals erleichtert:

„Ein immenser Druck ist von mir abgefallen“, sagte er kurz nach der Verhandlung: „Es geht um mein Seelenheil und ich fühle mich deutlich erleichtert.“ Er wisse, dass er nichts an die Öffentlichkeit gegeben habe. „Es ist ein Freispruch erster Klasse, ohne wenn und aber.“

Der Nachruf der Lüner CDU-Fraktion

Matthias Buckesfeld war in seiner Zeit als Technischer Beigeordneter auch Mitglied der CDU-Fraktion. Wir waren ihm immer freundschaftlich verbunden und vermissen seine humorvolle und energische Art in allen Sachfragen. Zahlreiche Fraktionsmitglieder hatten auch nach dieser Phase weiterhin einen guten persönlichen Kontakt zu ihm. Die Nachricht von seinem plötzlichen Tod hat uns alle entsetzt. Er war in seiner Arbeit in vielen Bereichen Vordenker und Vorreiter. Seine Tätigkeit wirkt in Lünen positiv nach. Als Beispiele seien unter anderem sein Einsatz für das Straßenzustandskataster genannt, das bei konsequenter Weiterführung der Stadt Millionenbeträge jährlich spart, die Maßnahmen an zentralen Grünflächen, wie das Freischneiden der Rundturnhalle sowie die Einführung von Vorkaufsrechtsatzungen in Lünen, um zielgerichtete Entwicklungen zu ermöglichen. Seine Arbeit stand unter dem erfolgsorientierten Leitmotiv gewünschte Ziele zu erreichen und nicht immer erst die Bedenken zu sehen.

Der Nachruf des Verwaltungsvorstands der Stadt Lünen

Der Verwaltungsvorstand ist tief bestürzt über die Nachricht vom Tod des ehemaligen Technischen Beigeordneten und Kollegen Matthias Buckesfeld, der nur 54 Jahre alt geworden ist. Herr Buckesfeld wurde 2010 vom Rat der Stadt Lünen mit großer Mehrheit zum Beigeordneten gewählt. Bis 2016 hat er in dieser Funktion das Dezernat IV geleitet. Er hat in seiner Amtszeit viele wichtige stadtplanerische Weichen für Lünen gestellt. Dazu gehören unter anderem der Umbau des ehemaligen Hertiegebäudes im Herzen der Stadt, die Errichtung der neuen Salfordbrücke oder die planerische Begleitung des Lippewohnparks. Das Engagement von Matthias Buckesfeld für Lünen werden wir nicht vergessen. Wir sind in Gedanken bei seiner Partnerin und seinen Angehörigen.
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