Lüner Kulturpreisträger: Großes Fragezeichen, wie es für freie Künstler weitergeht

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Kürzlich bekamen Jürgen Larys und Susanne Hocke den Lüner Kulturpreis. Jetzt proben sie für eine Premiere, die möglicherweise verschoben wird. Als freie Künstler trifft sie die Krise sehr.

Lünen

, 20.03.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Kreise von Familie, Freunden und Offiziellen feierten Susanne Hocke und Jürgen Larys am 1. März die Verleihung des Lüner Kulturpreises. Im oberen Foyer des Lüner Heinz-Hilpert-Theaters. Dort, wo sie seit einigen Jahren künstlerisch mit ihrem Artensemble-Theater zuhause und erfolgreich sind. Welche Folgen die Corona-Krise für Freiberufler wie das Schauspieler-Paar hat, erzählt der gebürtige Lüner Jürgen Larys auf Anfrage im Interview.

Welche Absagen gab es für Sie wegen der Corona-Krise bereits?

Am vergangenen Mittwoch (11.3.) sind wir noch recht gelassen mit der Situation umgegangen. Am Donnerstag dann die Absage aus Lünen: Das Hilpert-Theater macht zu, die Vorstellung „Fall Gretchen“ (geplant für Dienstag, 17.3.) kann nicht stattfinden. Sukzessive dann auch Entscheidungen, die wir selbst treffen mussten: Kein Jugendclub mehr bis nach den Osterferien! Meine Schauspiel-Trainingsgruppe hier am Bochumer Figurentheaterkolleg wurde Montag (16.3.) endgültig abgesagt. Zwei Vorstellungen, die Susanne mit einer Kollegin spielt, fallen ebenfalls aus.


Viel ungewollt freie Zeit - können Sie die überhaupt sinnvoll nutzen?

Für uns glücklicherweise fällt dies in eine Zeit, die wir ohnehin hauptsächlich für intensive Proben an unserer nächsten Produktion „Gehen“ reserviert haben. Die Premiere ist vorgesehen für den 28. April im Hilpert-Studio. Da wir in dieser Produktion zu zweit sind und unser Probenraum ganz in der Nähe, sind wir darin nicht wirklich eingeschränkt.

Wie sieht die wirtschaftliche Situation für Sie als freie Schauspieler derzeit aus?

Wirtschaftlich ist das alles ein spürbarer Einschnitt, aber noch halbwegs glimpflich.
Das wirklich große Fragezeichen ist momentan aber doch für alle: Was passiert ab dem 2. Mai? Ehrlich gesagt halte ich es für äußerst optimistisch, dass wir dann alle in die Hände klatschen und sagen: Prima, das war’s mit Corona! Und dann geht es auch für uns ans Eingemachte. Und das doppelt, weil wir momentan viele Projekte mit Schulen haben. Da steht hinter allem ein Fragezeichen: Bleiben Theater und Schulen weiter geschlossen? Wirtschaftlich geht das dann in den fünfstelligen Bereich, und dann wird es richtig eng...

Auch Autoren und andere Künstler sind betroffen, gibt es schon Hilfsmöglichkeiten?

Szenarien, dies aufzufangen, gehen ja gerade durch alle (sozialen) Medien. Natürlich besteht die Hoffnung, bestimmte Termine nachzuholen. Aber auch dies dürfte irgendwann die Frage aufwerfen, wieviele verpasste Termine sich dann türmen, und ob dies überhaupt für alle Beteiligten leistbar ist. Notfonds für Künstler werden diskutiert. Von einem „Überbrückungsgeld“ ist die Rede. Das wäre natürlich großartig und würde sehr helfen! Ermutigend, dass die Politik die Zeichen der Zeit erkannt zu haben scheint. Neben uns frei schaffenden Künstlern sind aber auch noch viele andere Bereiche betroffen: Gastronomie, Hotels, Fachhandel, Einkaufszentren... Schwierige Zeiten!

Susanne Hocke und Jürgen Larys bei der Verleihung des Kulturpreises der Stadt Lünen am 1. März im Hilpert-Theater. Als freie Künstler sind auch sie von der Corona-Krise betroffen.

Susanne Hocke und Jürgen Larys bei der Verleihung des Kulturpreises der Stadt Lünen am 1. März im Hilpert-Theater. Als freie Künstler sind auch sie von der Corona-Krise betroffen. © Blaszczyk

Macht da der Kulturpreis Ihnen irgendwie Mut?

Das Geld aus dem Kulturpreis hätten wir gerne anders verwendet als zum puren Lebensunterhalt. Ideell ist sein Wert aber unangetastet! Und schwierige Zeiten gab es seit Gründung unseres Theaters durchaus öfter - mit dem Unterschied, dass sie selten zugleich ein allgemeines Problem waren. In diesem Sinne ist es natürlich auch erleichternd, dass alle im selben Boot sitzen. Vielleicht setzt „Corona“ ja auch Kräfte frei für solidarisches Handeln. Es gibt immer wieder ja auch Zeichen und Impulse dieser Art, die Hoffnung machen.

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