Lüner Christian Gerke öffnet als Ein-Mann-Band neue musikalische Schublade

dz„Kopf Herz Beine“

Inspiriert von Snake Plissken, geprägt von Summertime in Unna und fasziniert von afrikanischen Klängen kreiert der Lüner Christian Gerke seine Musik. Eine Musikrichtung reicht nicht aus.

von Lea Schönfeld

Lünen

, 16.02.2020, 12:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit seiner Ein-Mann-Band versucht Christian Gerke eine ganz neue musikalische Schublade zu öffnen und verschiedene Richtungen zu einem Ganzen zu verbinden. Das Musik- und Kulturzentrum in Dortmund stellt dem Musiker die Räumlichkeiten, um seine Schüler zu unterrichten. Allerdings spielt er auch Konzerte. Das professionelle Drum-Set dafür hat er in der Nähe seines Zuhauses in Lünen.

Impulse seiner Musik

Als Filmfan nutzt der 55-Jährige Inspirationen aus Filmen. „Snake Plissken oder besser gesagt Kurt Russel hat mich abgeholt. Die Szene im Segelflugzeug über Manhatten aus ‚die Klapperschlange‘ war eine Inspiration. Die Stimmung hat mich fasziniert und ich musste ein eigenes Stück dazu komponieren“ erzählt Gerke. „Das Schlagzeug spielen habe ich übrigens vom damaligen Kinobesitzer in Unna gelernt. Wir sind immer zwischen Schlagzeug und Kinosaal gependelt.“

Aber auch andere Kulturen seien eine Inspirationsquelle für den Musiker. „Ich bin ein großer Afrika-Fan“, schwärmt er. In seinen Werken finden sich unter anderem afrikanische Rhythmen, die er mit eigenen Ideen, Eindrücken aus seiner Umgebung oder Elementen aus der europäischen (Musik-)Kultur kombiniert. Die Klänge der verschiedensten Trommeln übernimmt er und speist sie in sein modernes Drum-Set, eine Mischung aus akustischem Schlagzeug und elektronischen Schlagflächen, ein. Aus der japanischen Musikkultur übernahm er die Kodotrommeln und fügte sie seinem Klangrepertoire hinzu. Mit verschiedenen Trends aus den Epochen oder Musikrichtungen spielt Gerke ebenfalls.

„Zudem höre ich Musik anders als die meisten Menschen. Mich interessiert oftmals nur ein Rhythmus. Diesen schmücke ich aus, ergänze weitere Stimmen und schaffe ein neues Stück“, erklärt er. Ein bestimmter Stil kann dem 55-Jährigen nicht zugeschrieben werden. „Ich warte immer noch auf eine Person, die mir in zwei Sätzen erklären kann, was ich hier eigentlich mache“ sagt er lachend. „Schon meine ersten drei Schallplatten waren von Nina Hagen, Ray Charles und einer polnischen Jazz-Rock-Band. Stilistisch also ganz verschieden.“

Dass die Musik eine Hauptrolle in Christian Gerkes Leben spielen würde, war bereits in jungen Jahren klar. „Ich bin mit der Musik geboren worden. Schon als kleiner Junge habe ich auf sämtlichen Möbeln und Töpfen herumgetrommelt“, erzählt der Musiker. „Das Kulturprogramm Summertime in Unna hat den Musiker in mir sehr geprägt“, ergänzt Gerke. Er spielte in der Schulband, kam darüber zum ersten Musikunterricht und blieb dann am Ball.

1981 bekam er seinen ersten bezahlten Job an der Jugendkunstschule in Unna. Dort gründete und leitete er einen Jazzworkshop. Acht Jahre später gründete er das Schlagzeugschulsystem „Learning Drums!“ und 2003 in Köln das Projekt Kopf Herz Beine. Nebenher wirkte er bei diversen Projekten mit und war als Musiklehrer tätig. Idole habe Gerke nie im herkömmlichen Sinne gehabt. „Ich probiere gerne aus und mache mein eigenes Ding. Ich stehe sozusagen ‚On the shoulders of giants‘ und lasse mich von Vorhandenem inspirieren.“

Kopf Herz Beine soll bereichert werden

Als Berufsmusiker war Gerke stets erfolgreich. Dennoch machte er elf Jahre eine Pause. In der Zeit unterrichtete er nur. „Trotz der Aufträge fand ich keine Erfüllung mehr darin, zu komponieren und produzieren“, erzählt er. Mit der Gründung des Projekts 2003 habe er das Komponieren wieder aufgenommen.

Für sein Projekt Kopf Herz Beine wünscht er sich in Zukunft eine Zusammenarbeit mit Tänzern oder einem Viedeokünstler. „Als Filmfan bietet es sich natürlich an, seine Musik mit einem kunstvollen Video zu verbinden. Aber auch eine Choreografie zu meiner Musik würde mich reizen. Schließlich heißt das Projekt Kopf Herz Beine. Hinter dem Schlagzeug kommt die Bewegung jedoch oft zu kurz“, so Christian Gerke.

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