Lit.Cologne bangt nach Absage wegen Corona um ihre Existenz

Wenige Stunden vor der geplanten Eröffnung kam die Absage: Die Lit.Cologne findet nicht statt. Für das privatwirtschaftlich organisierte Literaturfestival ist das nach eigener Einschätzung existenzgefährdend.

10.03.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Literaturfestival Lit.Cologne ist wegen der Ausbreitung des Coronavirus unmittelbar vor dem Start abgesagt worden. Dies geschehe auf Empfehlung der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos), um eine weitere Verbreitung des Virus einzudämmen, teilte die Lit.Cologne am Dienstag mit. Mit mehr als 200 Veranstaltungen und über 100 000 Besuchern an zwölf Tagen ist die Lit.Cologne nach eigenen Angaben das größte Literaturfestival Europas.

„Es ist jetzt eine Situation eingetreten, die wir nicht mehr beeinflussen können“, sagte Geschäftsführer Rainer Osnowski der Deutschen Presse-Agentur. Für das privatwirtschaftlich organisierte Literaturfest, das bisher ohne Subventionen auskam, sei dies existenzgefährdend. Er bat deshalb alle Besucher, die schon Eintrittskarten gekauft haben, die Gelder nicht sofort zurückzufordern. Außerdem appellierte er an den Bund, an das Land Nordrhein-Westfalen und an die Stadt Köln, der Lit.Cologne Zuschüsse zu gewähren. Schließlich spiele sie im kulturellen Leben des ganzen Landes eine wichtige Rolle.

Man wolle außerdem versuchen, so viele Lesungen wie möglich auf einen späteren Zeitpunkt im Jahr zu verschieben. „Bei aller Frustration zeigt sich aber auch, wie stark die Lit.Cologne von vielen gemocht und verehrt wird“, sagte Osnowski. Viele Künstlerinnen und Künstler hätten schon Auftritte ohne Honorar und Benefizveranstaltungen angeboten. Das ermutige das Lit.Cologne-Team sehr.

Oberbürgermeisterin Reker teilte mit: „In der jetzigen Situation müssen wir alles dafür tun, die Infektionsketten zu durchbrechen. Daher habe ich vor dem Hintergrund der Empfehlungen des Bundesgesundheitsministers dazu geraten, die Lit.Cologne zum jetzigen Zeitpunkt nicht durchzuführen.“ Das Literaturfest sollte am Dienstagabend mit einer Gala zur Verleihung des Hörbuchpreises beginnen. In den vergangenen Tagen waren bereits einzelne Veranstaltungen abgesagt worden, so eine Lesung im Kölner Dom, zu der 1500 Menschen erwartet worden waren, und der WDR5-Literaturmarathon, ein 24-Stunden-Event. Auch eine Reihe von Autoren, vor allem aus dem Ausland, hatten ihre Veranstaltungen abgesagt oder verschoben.

Zuletzt hätten aber auch deutsche Schriftsteller einen Rückzieher gemacht, sagte Osnowski. Sie hätten gesagt: „Ich habe Angst, mich in NRW, vor allen Dingen in Köln, anzustecken.“ Gerade ältere Autoren hätten nicht mehr in das Bundesland mit den meisten Infektionen reisen wollen. „Die Dinge haben sich minütlich überschlagen.“ Irgendwann sei dann der Moment gekommen, an dem man das Festival nicht mehr habe organisieren können. Als Rumpfveranstaltung mit 50 statt 200 Programmangeboten hätte es keinen Sinn mehr gehabt.

Bei der Lit.Cologne sollten in diesem Jahr ursprünglich allein drei Literatur-Nobelpreisträger auftreten: Herta Müller, Olga Tokarczuk und Mario Vargas Llosa. Im gesellschaftspolitischen Teil waren unter anderem Veranstaltungen mit dem Grünen-Chef Robert Habeck, dem ehemaligen Außenminister Joschka Fischer und dem französischen Wirtschaftsexperten Thomas Piketty geplant.

Wegen des Coronavirus waren zuvor schon die Leipziger Buchmesse sowie Buchmessen in Bologna, London und Paris abgesagt worden. Das Literaturfestival Eventi letterari Monte Verità in Schweizer Kanton Tessin wurde in den Herbst verschoben.

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