Leverkusen-Chef: EM verschieben, Bundesliga fortsetzen

Zunächst bis zum 2. April setzten die deutschen Profi-Fußball-Ligen wegen des Coronavirus den Spielbetrieb aus. Bayer Leverkusens Club-Chef Fernando Carro erklärt vor der DFL-Sitzung am Montag im dpa-Interview, wie es danach weitergehen könnte.

15.03.2020, 16:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Abbruch der Bundesliga und des DFB-Pokals ist ausgeschlossen, eine Verschiebung der EM unumgänglich und die Rückkehr zu ungeliebten Geisterspielen als Not-Option möglich: Diese Forderungen stellte Club-Chef Fernando Carro vom Bundesligisten Bayer Leverkusen am Tag vor der Sitzung der 36 Fußball-Profivereine am Montag in Frankfurt.

„Eine Absage aller Wettbewerbe ist aus vielerlei Gründen keine Option“, sagte der 55-Jährige im Interview der Deutschen Presse-Agentur: „Natürlich ist es die einzig faire und sinnvolle Lösung, Wettbewerbe ordnungsgemäß zu Ende zu spielen. Nur dann können sportliche Konsequenzen erfolgen und Qualifikationen für künftige Spielzeiten vorgenommen werden.“ Auch im DFB-Pokal, wo Bayer im Halbfinale beim Regionalligisten 1. FC Saarbrücken steht, müsse es „selbstverständlich einen sportlichen Abschluss geben“, so Carro, dessen Verein auch im Achtelfinale der Europa League spielt und als Bundesliga-Fünfter zwei Punkte hinter einem Champions-League-Platz aussichtsreich im Rennen liegt.

Um im engen Terminplan Freiraum für die Fortsetzung der derzeit bis 2. April gestoppten und auf unbestimmte Zeit ausgesetzten internationalen Wettbewerbe zu schaffen, ist für Carro eine Verschiebung der für diesen Sommer angesetzten EM dringend notwendig. „Eine Verschiebung der EM 2020 ist aus unserer Sicht zwingend geboten, um zumindest die Chance zu wahren, den Spielbetrieb der diversen Wettbewerbe ordnungsgemäß und fair zu Ende spielen zu können“, sagte Carro.

Gleichzeitig weiß der gebürtige Spanier, der seit dem 1. Juli 2018 Vorsitzender der Geschäftsführung in Leverkusen ist, dass „der Sport momentan zurecht in den Hintergrund gerückt ist. Das gilt es zu akzeptieren und sich bestmöglich dafür einzusetzen, dass es irgendwann weitergehen kann.“ Gleichzeitig gebe es viele Unwägbarkeiten. „Die Realität überholt uns in diesen Tagen regelmäßig und innerhalb von Minuten“, sagte Carro. Deshalb sei auch nach der spät erfolgten Aussetzung des Spielbetriebs in der Bundesliga und 2. Liga „überhöhte Kritik fehl am Platz“.

Nach dem 2. April hält Carro, der als einziges deutsches Mitglied im Uefa Club Competition Committee (CCC) sitzt, die Rückkehr zu Geisterspielen für möglich. „Niemand möchte Geisterspiele. Niemand. Sie konterkarieren den Sinn unseres Bundesliga-Betriebs“, sagte er: „Gleichzeitig können diese Spiele eine Notlösung sein, um die für viele von uns Vereinen wirtschaftlich essenzielle, ordnungsgemäße Beendigung der Liga zu gewährleisten. Diese Option ist unpopulär, aber man kann und darf sie nicht vollends ausschließen.“

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