Corona-Krise: Kliniken bekommen Geld: Bußgeldkatalog

Jetzt beginnt das Warten. Welche Wirkung haben die verschärften Einschränkungen des öffentlichen Lebens in NRW auf die Ausbreitung des Coronavirus? Aktuell steigen die Zahlen kräftig an.

23.03.2020, 14:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) erwartet bis Ende dieser Woche erste Erkenntnisse, ob die verschärften Einschränkungen des öffentlichen Lebens die Ausbreitung des Coronavirus verlangsamen. In NRW sind seit Montag alle Ansammlungen ab drei Personen in der Öffentlichkeit verboten - ausgenommen Familien. Derzeit spiegelten die steigenden Fallzahlen aber noch die Infektionen vor Verhängung der ersten Einschränkungen in der vergangenen Woche wider, sagte Laumann am Montag in Düsseldorf.

Für Verstöße gegen das Kontaktverbot arbeitet die Landesregierung derzeit einen Bußgeldkatalog aus. Wer sich nicht an die Verbote halte, müsse mindestens 200 Euro zahlen. Die Höchstgrenze liege bei 25 000 Euro, sagte Kommunalministerin Ina Scharrenbach (CDU). Ausgenommen von dem Kontaktverbot sind Familien sowie in einem Haushalt lebende Personen - sie dürfen weiterhin gemeinsam in der Öffentlichkeit unterwegs sein.

Die Zahl der bestätigten Coronavirus-Infektionen ist in Nordrhein-Westfalen über die Marke von 8000 Fällen gestiegen. Nach Laumanns Angaben (Stand: 10.00 Uhr) gab es im bevölkerungsreichsten Bundesland am Montag 8011 nachgewiesene Fälle und damit 560 mehr als am Tag zuvor. Freitag waren es noch 5734 Fälle. Die Zahl der gemeldeten Todesfälle erhöhte sich um acht auf nun 40 in NRW. Freitagnachmittag waren es noch 20.

Alle Gestorbenen seien älter und hätten eine Vorerkrankung gehabt, sagte Laumann. In den Kliniken würden mindestens 443 Menschen mit einer Covid-19-Erkrankung behandelt. Von ihnen müssten 121 von einem Beatmungsgerät versorgt werden. Die Zahlen beruhten auf den Angaben von etwa zwei Dritteln der Kliniken im Land.

Die Krankenhäuser in NRW bekommen Hilfe, um ihre Behandlungskapazitäten zu erweitern. „Es ist wichtig, dass wir in den nächsten Tagen und Wochen möglichst viele Beatmungsplätze schaffen“, sagte Laumann. Nach seinen Worten verfügen die Krankenhäuser des Landes über 6148 Intensivbetten, davon 4223 mit Beatmungsmöglichkeit. Aus ihren Beständen könnten die Krankenhäuser außerdem kurzfristig weitere 2600 Beatmungsplätze schaffen. Der Minister verwies darauf, dass nach bisheriger Erkenntnis ein Prozent der am Coronavirus Erkrankten eine Versorgung auf einer Intensivstation benötigen.

Für jede neue intensivmedizinische Behandlungseinheit mit künstlicher Beatmung sollen Kliniken 50 000 Euro Bonus bekommen, wie das Bundeskabinett am Montag beschloss. Um Mehrkosten etwa bei Schutzausrüstung aufzufangen, soll es - für die Zeit von April bis Ende Juni - außerdem einen Zuschlag von zunächst 50 Euro für jeden Patienten geben. Das Land zahlt zusätzlich pauschal 50 000 Euro für jedes Beatmungsgerät, das Klinken anschaffen.

Probleme bereitet weiterhin die Versorgung von Kliniken und Ärzten mit Schutzausrüstungen. NRW habe fünf Millionen medizinische Schutzmasken gekauft, am vergangenen Freitag seien 130 000 eingetroffen. „Ich hoffe, dass wir diese Woche weitere kriegen“, sagte Laumann. Die Situation sei in ganz Deutschland gleich. „Es ist auf dem Markt zur Zeit einfach nichts lieferbar.“

Coronavirus-Infektionen melden alle 53 Kreise und kreisfreien Städte in NRW. Das Ministerium betonte, die Entwicklung sei dynamisch. Die Zahlen basierten auf aktuellen behördlichen Meldungen, die das Landesministerium erhalten habe. Kommunen können inzwischen aber auch schon höhere Fallzahlen bekanntgegeben haben.

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