Lange Suche, neue Spuren: Die Fakten zum Fall Maddie

Kriminalität

Seit mehr als einem Jahrzehnt bewegt das ungeklärte Schicksal der kleinen Maddie viele Menschen. Was wir über das Verschwinden des Mädchens, den Verdächtigen und die Ermittlungen wissen.

04.06.2020, 12:25 Uhr / Lesedauer: 3 min
Das Foto vom 12.05.2007 zeigt die kleine Madeleine McCann (Maddie), die in Praia da Luz in Lagos, Portugal, spurlos verschwand.

Das Foto vom 12.05.2007 zeigt die kleine Madeleine McCann (Maddie), die in Praia da Luz in Lagos, Portugal, spurlos verschwand. © picture alliance / dpa

Der Fall des vor gut 13 Jahren verschwundenen britischen Mädchens Madeleine „Maddie“ McCann hat am Mittwochabend eine überraschende Wende genommen: Ein 43 Jahre alter Deutscher ist unter Mordverdacht geraten. Ein Überblick darüber, was über den Fall, den neuen Verdächtigen und die Ermittlungen bekannt ist.

Der Abend des Verschwindens von „Maddie“ McCann

Das britische Mädchen Maddie verschwindet am 3. Mai 2007 aus einer Ferienwohnung im portugiesischen Praia da Luz. Hier hatte die damals Dreijährige mit ihren Eltern und ihren beiden Geschwistern Urlaub gemacht.

Am Abend des 3. Mai 2007 essen die Eltern mit drei befreundeten Paaren und einer begleitenden Mutter in einem Restaurant der Ferienanlage. Die drei kleinen Kinder der Paare schlafen zu diesem Zeitpunkt bereits. Alle halbe Stunde schauen die Eltern nach ihnen, das vierte Paar verwendet ein Babyphone. Um 22 Uhr bemerkt Kate McCann das Verschwinden ihrer Tochter. Ein Fenster des Appartements, das zuvor geschlossen gewesen sei, sei nun unverschlossen gewesen. Mit diesen Angaben informiert sie die portugiesische Polizei.

Das Haus in Luz bei Lagos (Portugal), aus dem Madeleine McCann am 3. Mai 2007 verschwand.

Das Haus in Luz bei Lagos (Portugal), aus dem Madeleine McCann am 3. Mai 2007 verschwand. © picture alliance/dpa

Die Ermittlungen der Polizei

Kurz nach dem Verschwinden von Maddie durchsuchen hunderte Polizeibeamte die Ferienanlage, Flughäfen werden alarmiert. Die Polizei geht zu diesen Zeitpunkt davon aus, dass die Dreijährige entführt wurde, etwa für einen internationalen Pädophilenring oder für eine kriminelle Organisation, die Kinder zur Adoption ins Ausland verkauft. Die McCanns starten eine internationale Suchkampagne – jedoch ohne Erfolg. Die portugiesische Polizei stellt die Ermittlungen nach 14 Monaten ein, nimmt sie aber fünf Jahre später wieder auf. Die britische Polizei eröffnet zudem 2011 weitere Ermittlungen.

Die Eltern von Maddie geraten im Zuge der Ermittlungen wiederholt in Verdacht, selbst etwas mit dem Verschwinden ihrer Tochter zu tun zu haben. Nachweisen kann man ihnen das jedoch nicht. Immer wieder melden sich bis heute noch Zeugen, die Maddie auf der ganzen Welt gesehen haben wollen – bislang hat sich keiner dieser Hinweise bestätigt. Am 3. Juni 2020 geben die Ermittler von Scotland Yard und Bundeskriminalamts (BKA) bekannt, dass ein Deutscher unter Mordverdacht geraten ist.

Der neue Verdächtige

Bei dem Verdächtigen handelt es sich nach Angaben der Ermittler um einen 43-jährigen Deutschen, der mehrfach wegen Sexualstraftaten auch an Kindern vorbestraft ist. Er verbüße derzeit in anderer Sache eine längere Haftstrafe, teilt das BKA mit. Nach Informationen der „Braunschweiger Zeitung“ sitzt der nun Beschuldigte wegen der Vergewaltigung einer 72-Jährigen im Gefängnis: Er wurde demnach 2019 vom Landgericht Braunschweig wegen Vergewaltigung der Amerikanerin verurteilt. Der Mann soll die Tat in demselben portugiesischen Ort begangen haben, in dem rund anderthalb Jahre später die kleine Maddie verschwunden sei. Das Urteil sei bislang nicht rechtskräftig. Der Angeklagte werfe der Justiz Rechtsfehler im Auslieferungsverfahren vor.

Nach BKA-Angaben hatte der Verdächtige zwischen 1995 und 2007 regelmäßig an der Algarve gelebt, unter anderem für einige Jahre in einem Haus zwischen Lagos und Praia da Luz. Offenbar ging er in dieser Zeit im Raum Lagos mehreren Gelegenheitsjobs, unter anderem in der Gastronomie, nach.

Informationen reichten nicht aus

Bereits nach einer Sendung von „Aktenzeichen XY... ungelöst“ aus dem Jahr 2013 seien Hinweise auf den Deutschen eingegangen, sagte Christian Hoppe vom BKA am Mittwochabend in der ZDF-Sendung. Auch nach einem Bericht zehn Jahre nach dem Verschwinden des Mädchens habe es Hinweise gegeben. Damals reichen die Informationen aber nicht für Ermittlungen oder eine Festnahme aus, wie Hoppe berichtet. Es gab demnach viele Indizien, der entscheidende Beweis fehle aber noch. Die Ermittlungen führten zu der Annahme, dass das Mädchen einem Tötungsdelikt zum Opfer gefallen ist.

Die Erkenntnisse seien das Ergebnis einer jahrelangen Zusammenarbeit, der britischen, deutschen und portugiesischen Polizei, heißt es weiter. „Nach dem 10. Jahrestag erhielt die Metropolitan Police Informationen über einen deutschen Mann, der sich bekanntermaßen in und um Praia de Luz aufhielt. Wir haben mit Kollegen in Deutschland und Portugal zusammengearbeitet und dieser Mann ist ein Verdächtiger im Fall des Verschwindens von Madeleine“, sagt Detective Chief Inspector Mark Cranwell der Mitteilung zufolge. Scotland Yard betont jedoch, dass es sich weiterhin um einen Vermisstenfall handle.

Die Suche nach neuen Spuren

Das Scotland Yard veröffentlicht am Mittwochabend eine Beschreibung des Verdächtigen: Der Mann trug demnach zur Tatzeit kurzes, blondes Haar und war etwa 1,80 Meter groß. Besonderes Augenmerk lenkten die britischen Ermittler auf zwei Fahrzeuge und zwei Telefonnummern, die der Verdächtige benutzt haben soll. Es geht um einen Caravan vom Typ VW T3 Westfalia mit portugiesischem Nummernschild, in dem der Mann zeitweise gewohnt haben soll, und einen Jaguar, Model XJR 6, mit einem deutschen Kennzeichen. Am Tag nach Maddies Verschwinden sei der Jaguar auf einen neuen Halter umgemeldet worden.

An dem Abend, als Maddie verschwindet, soll der Verdächtige einen Anruf erhalten haben unter der Nummer +351 912 730 680 mit portugiesischer Ländervorwahl. Der Anruf wurde in der Region um Praia de Luz entgegengenommen. „Ermittler glauben, dass die Person, die diesen Anruf getätigt hat, ein höchst wichtiger Zeuge ist, und rufen sie dazu auf, in Kontakt zu treten“, hieß es in der Scotland-Yard-Mitteilung. Die Nummer des Anrufers laute +351 916 510 683.

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