Landesregierung: Großveranstaltungen grundsätzlich absagen

Die Zahl der Corona-Infektionen in NRW klettert unaufhörlich. NRW will jetzt mit einem Erlass zu Großveranstaltungen die Reißleine ziehen.

10.03.2020, 15:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wegen des Coronavirus sollen Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Personen in Nordrhein-Westfalen grundsätzlich abgesagt werden - oder ohne Zuschauer stattfinden. Das sieht ein am Dienstag beschlossener Erlass der Landesregierung mit entsprechenden Weisungen an die Kommunen vor. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) sagte, der Erlass sei für Veranstaltungen mit über 1000 Teilnehmern bindend und zeitlich nicht befristet.

„Die Lage ist ernst, aber kein Grund zur Panik oder für irrationales Verhalten“, sagte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU). „Was jetzt zählt, ist besonnenes und vor allem wirksames Handeln.“ Dabei müssten Großveranstaltungen nun in den Fokus genommen werden, auch wenn Absagen für Veranstalter teilweise schmerzhaft seien und zu Umsatzeinbußen führten. Die Landesregierung kündigte Überbrückungskredite für betroffene Firmen an.

Bis zum Mittag hatte das NRW-Gesundheitsministerium rund 580 Infektionen in NRW registriert - darunter 323 im Kreis Heinsberg. Das Robert Koch-Institut habe den Kreis Heinsberg als einziges vom Coronavirus besonders betroffenes Gebiet in Deutschland eingestuft, sagte Laschet.

Große Messen, Kongresse, Konzerte oder Sportveranstaltungen sollen nun zunächst abgesagt werden. Nach aktueller Erkenntnislage gebe es keine Schutzmaßnahmen, die einen geringeren Eingriff bei gleicher Wirksamkeit böten, erläuterte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU). Es müsse genau überlegt werden, was verzichtbar sei. Schulunterricht oder der Öffentliche Personennahverkehr seien unverzichtbar, um das gesellschaftliche Leben nicht lahmzulegen.

Zuständig für die Durchführung des Erlasses seien die Behörden vor Ort, erklärte die Landesregierung. Die Verantwortlichen in den Kommunen könnten Veranstaltungen absagen, eine Absage gegenüber dem Veranstalter anordnen, das geplante Ereignis verlegen oder ohne Zuschauer durchführen lassen.

In NRW stehen derzeit mehrere Großereignisse an: Allein in der Kölner Lanxess-Arena sind in den nächsten beiden Wochen Konzerte der Rockband AnnenMayKantereit, von Musiker James Blunt und von Alt-Star Carlos Santana geplant. In der Arena haben bis zu 20 000 Menschen Platz.

Zur Eindämmung der Corona-Infektionen können die örtlichen Behörden auch Veranstaltungen mit weniger als 1000 Personen absagen, wenn es besondere Risiken gibt. Auch darauf weist der Erlass ausdrücklich hin. Eine solche individuelle Einschätzung zu Schutzmaßnahmen nach den Vorgaben des Robert-Koch-Instituts seien aber auch bisher schon möglich. Risiken könnten etwa die Zusammensetzung der Teilnehmer, die Intensität der Kontakte oder bauliche Gegebenheiten sein.

„Wir gehen davon aus, dass wir einen rechtssicheren Erlass gemacht haben (...) und dass Kommunen und Land nicht in Regresspflicht kommen“, sagte Laumann.

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