Kontaktverbot: Reker warnt vor Spaltung der Gesellschaft

Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) hat sich entschieden gegen Vorschläge gewandt, zum Schutz vor der Ausbreitung des Coronavirus nur ältere Menschen und Risikogruppen zu isolieren. „Das ist eine zynische Sicht der Dinge - und sie ist obendrein falsch“, schrieb Reker am ersten Tag nach ihrer eigenen häuslichen Quarantäne in einem Gastbeitrag für den „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Freitag). Die alleinige Isolation älterer Menschen führe zu einer Spaltung der Gesellschaft, die sie zutiefst ablehne.

27.03.2020, 10:40 Uhr / Lesedauer: 1 min
Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos), während einer Pressekonferenz. Foto: Marius Becker/dpa/Archivbild

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos), während einer Pressekonferenz. Foto: Marius Becker/dpa/Archivbild

„Wir dürfen nicht den Fehler machen die Gesellschaft zu spalten, das Durchschnittsalter der Corona-Toten auf inhumane Weise zu instrumentalisieren oder die Verantwortung, sich nicht zu infizieren, den Menschen mit erhöhtem Risiko zu überlassen“, forderte Reker. „Wir dürfen nicht zulassen, dass verschiedene Gruppen gegeneinander ausgespielt werden: Risikogruppen und Wirtschaft, Junge und Alte, Kranke und Gesunde.“

Die Politiker müssten sehr genau darauf achten, wie lange der Gesellschaft welche Einschränkungen zugemutet werden könnten und welche Alternativen es gebe. „Unser Kompass hierfür muss aber sein: Solidarität - von allen, für alle.“

Dagegen sprach sich der Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO), Franz Müntefering, für „differenzierte Lösungen“ aus. Dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND, Freitag) sagte der frühere Bundesarbeitsminister und SPD-Vizekanzler: „Es kann zu einem späteren Zeitpunkt durchaus berechtigt sein, dass die Öffnung der Gesellschaft mit unterschiedlichem Tempo geschieht, zum einen, um Wirtschaft und Bildungswesen schnell wieder in Gang zu setzen und die wirtschaftlichen Folgen der Krise zu minimieren, aber auch um den Schutz verletzlicher Gruppen bestmöglich zu gewährleisten.“

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