„Kackpappe“ und Hamsterkäufe sorgen für erhitzte Gemüter in Werne

dzToilettenpapier

Hamsterkäufe und Klopapier sind in Werne wieder ein Thema. Mehrere Leser machen beim Einkaufen unangenehme Erfahrungen. Ein Geschäft erweitert sein Angebot mit einem ungewöhnlichem Produkt.

Werne

, 21.10.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Klopapier, Desinfektionsmittel, Seife: Am Anfang der Pandemie im März waren diese Güter in vielen Märkten in Deutschland Mangelware. Nach Daten des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden lag der Absatz von Desinfektionsmitteln zeitweise sogar 751 Prozent über dem des Vorjahreszeitraums. Die Nachfrage nach Klopapier war laut den Statistikern um das Dreifache gestiegen.

Mit den sinkenden Neuinfektionen im Sommer normalisierte sich auch das Einkaufsverhalten der Menschen. Jetzt steigen die Infektionszahlen wieder. Der Kreis Unna und damit Werne gelten als Corona-Risikogebiet. Ändert sich das Kaufverhalten der Bürger in Werne erneut?

Hamsterkäufe in Werne werden bei Facebook heiß diskutiert

In einer Werner Facebook-Gruppe ist das Thema Hamsterkäufe wieder präsent. Am Samstag, 17. Oktober, postet ein Nutzer leere Regale der Rossmann-Filiale am Konrad-Adenauer-Platz. Im Penny seien die Regale ebenfalls leer, schreibt ein anderer Nutzer. „Bei Rewe auch. Aldi hat noch alles da. Die Leute spinnen doch“, pflichtete eine weitere Nutzerin bei.

Einige widersprechen. Es sei normal, dass spät am Wochenende die Regale leerer sind. In einem sind sich fast alle einig: Das Hamstern von Klopapier sei unnötig. Über 100 Kommentare hat der Post bisher angesammelt.

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Die Pressestelle von Aldi Nord teilt auf Nachfrage mit, dass die Warenverfügbarkeit in den Märkten sichergestellt sei. Vereinzelt könne das Unternehmen eine erhöhte Nachfrage im Bereich Papierwaren verzeichnen. Diese Nachfrage könne im täglichen Bestellprozess aber berücksichtigt werden.

Aldi bittet die Kunden, bedarfsgerecht einzukaufen. Die Mitarbeiter seien angewiesen, Kunden, die mehr als handelsübliche Mengen kaufen, darauf hinzuweisen, dass es keine Anlässe für Hamsterkäufe gebe.

Nur noch zwei Packungen Klopapier bei Rossmann

Im Rossmann am Konrad-Adenauer-Platz sei die Nachfrage nach Klopapier gestiegen, berichtet die stellvertretende Leiterin Bianca Ensler auf Anfrage. „Am Donnerstag bekommen wir eine größere Lieferung. Wie es generell in der Zukunft aussieht, kann ich jetzt nicht sagen“, erklärt Ensler.

Bei Desinfektionsmitteln und Seife sei keine erhöhte Nachfrage spürbar. In der Rossmann-Filiale dürfe jeder Kunde nur noch zwei Packungen Klopapier kaufen.

Kopierladen in Werne erweitert sein Sortiment

Der Kopierladen in Werne beschäftigt sich ebenfalls mit dem Thema. So postet der Firmen-Account auf Instagram ein Foto einiger Rollen Klopapier. „Neu im Angebot: Toilettenpapier – nur solange der Vorrat reicht“, heißt es unter dem Beitrag.

Was auf den ersten Blick wie ein Scherz wirkt, ist durchaus ernst gemeint, erklärt Inhaberin Bettina Wortmann-Bänker auf Anfrage. „Ich selbst hatte zu Hause kein Klopapier mehr. Am Samstag habe ich nichts mehr bekommen. Mein Lieferant verkauft auch Klopapier, da habe ich etwas bestellt“, sagt Wortmann-Bänker. 50 Pakete Klopapier würde sie jetzt in ihrem Kopierladen verkaufen. Preis pro Achterpackung: 3,95 Euro.

Leserin macht schlechte Erfahrung beim Einkaufen

Eine Leserin berichtet unserer Redaktion von einem unangenehmen Einkaufserlebnis. Sie sei am Dienstag, 20. Oktober, in der Werner Innenstadt unterwegs gewesen und wollte noch Klopapier kaufen. Dafür ging sie zum Rewe Symalla. Da sie nur 2,80 Euro dabei hatte und sonst kein Geld, wollte sie nur eine Packung kaufen.

Toilettenpapier war im Markt reichlich vorrätig. Nach Aussage der Leserin habe man ihr an der Kasse aber gesagt, sie könne das Klopapier nicht kaufen, sie müsse noch zusätzlich andere Waren kaufen.

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Eine andere Leserin macht eine ähnliche Erfahrung. Die Rentnerin müsse wegen einer Darmoperation öfter auf die Toilette als der Durchschnittsbürger, erzählt sie der Redaktion. Ebenfalls im Rewe im Horne-Center wollte sie am Dienstag, 20. Oktober, zwei Packungen Klopapier und Küchenrolle kaufen.

Schon auf dem Weg zur Kasse habe eine Mitarbeiterin ihr gesagt, dass sie nur eine Packung kaufen könne. Zusätzlich müsse sie außerdem noch andere Waren kaufen. Gerade dieser Fakt macht sie wütend: „Ich finde das unverschämt“.

Im Rossmann erkläre ein Schild, dass jeder Kunde aufgrund der aktuellen Situation nur zwei Packungen kaufen dürfe. „Das kann ich verstehen“, sagt sie.

Papierschild im Horne-Center sorgt für Aufsehen

Derweil macht in den sozialen Medien ein angebliches Foto eines Hinweisschildes im Horne-Center die Runde. „Damit alle Kackpappe und Küchenrolle bekommen, müssen wir dieses auf ein Paket pro Einkauf begrenzen. Es gibt leider Leute, die nicht verstehen, dass es genug gibt. Wenn Sie nur kommen, um Kackpappe zu kaufen, ist dieses nicht gestattet. Wir verkaufen nur Toilettenpapier und Küchenrolle an unsere Kunden“, heißt es dort etwas plump.

Das sagt die Rewe-Pressestelle

In der Rewe Pressestelle sieht man die Dinge etwas anders. Man sehe „keine Veränderungen des Einkaufsverhaltens unserer Kunden. Die Lage in den mehr als 5500 Rewe- und Penny-Märkten ist im Hinblick auf die Kunden-Nachfrage vollkommen normal und entspannt. Es gibt keine Hamsterkäufe“, schreibt Raimund Esser, Leiter der Unternehmenskommunikation.

Er betont: „Selbst wenn mal ein Regal zeitweise leer sein sollte, dann ist das nicht automatisch ein Indiz für Hamsterkäufe. Sondern schlicht eine Frage, wann das Marktteam das wieder auffüllt oder der LKW mit Nachschub kommt“.

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