Klare Kante: Dieser generalisierte Lockdown ist unverhältnismäßig!

dzKommentar zum Coronavirus

Einfach die 278.000 Einwohner des Kreises Warendorf in den Lockdown zu schicken, ist unverhältnismäßig. Und führt zu Diskriminierung. Alles dank eines Fleischkonzerns, meint unsere Redakteurin.

Werne

, 25.06.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ich bin ganz ehrlich, ich hätte am Dienstagabend einfach nur schreien können. Ich lebe im Kreis Warendorf, in dem gestern neben dem Kreis Gütersloh allein rund 278.000 Menschen wieder in den Lockdown geschickt wurden.

Wir leben in Deutschland seit Monaten im Ausnahmezustand. Woche für Woche haben wir darauf geachtet, niemandem zu nahe zu kommen, haben unseren Mund-Nasen-Schutz auf dem Beifahrersitz und am Rückspiegel immer griffbereit, unsere Hände hatten Risse und haben wehgetan, als wir versucht haben, mit Handcreme das wettzumachen, was das Desinfektionsmittel über Wochen angerichtet hat.

Woche für Woche haben wir uns wieder ein Stück Normalität erkämpft, durch unser umsichtiges Verhalten - auch wenn viele Menschen in den letzten Wochen wieder so taten, als wäre Pandemie ganz woanders, aber nicht hier.

Wie ein Fleischkonzern die Mühen zweier Kreise zunichte macht

Kaum hat man sich mit der guten Freundin ausnahmsweise mal wieder unter Tränen gegenübergestanden, saß mit der Familie im Garten zusammen, hat versucht, sein Leben durch diesen sowieso schon geltenden Ausnahmezustand zu navigieren. Da kommt Tönnies. 7000 Mitarbeiter in Quarantäne, bis Dienstagnachmittag wurden 1500 davon positiv getestet. Und alles wird wieder heruntergefahren. Nicht nur im Kreis Gütersloh, zu dem Rheda-Wiedenbrück gehört, provisorisch auch im ganzen Kreis Warendorf. Danke dafür!

So hat es Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann am Dienstag verkündet. Schließlich habe man im In- und Ausland versprochen, dass man Kreise herunterfahre, in denen in den vergangenen sieben Tagen mehr als 50 Neuinfektionen aufgetreten sind. Dazu müsse man jetzt stehen. Dass dabei Städte im Kreis Warendorf wie meine Heimatstadt 44,2 Kilometer von Rheda-Wiedenbrück entfernt liegen, ist dabei offenbar unerheblich.

Danke für nichts, Herr Tönnies!

Das Coronavirus ist nicht zu unterschätzen, das steht außer Frage. Aber einfach Städte in den Lockdown zu schicken, die seit Wochen coronafrei sind, ist unverhältnismäßig! Das ging doch für die Gemeinde Ascheberg auch, als im Fleischbetrieb der Firma Westfleisch in Coesfeld das Coronavirus ausbrach. 1300 Menschen wurden dort bisher positiv getestet.

Familienfeiern, Geburtstage ade. Für den Urlaub, wenn wir überhaupt noch fahren können, dürfen wir uns jetzt bei unseren Hausärzten testen lassen. Usedom hat schon Urlauber aus den sogenannten Risikogebieten Gütersloh und Warendorf nach Hause geschickt. In Münster müssen Menschen aus dem Kreis Warendorf nun auch draußen Mund-Nasen-Schutz tragen. Aber hey, bitte niemanden aus dem Kreis diskriminieren, bittet die NRW-Landesregierung.

Zurück auf (fast) Null. Für einen Fleischkonzern, dessen Schlachtbetrieb eine Stunde Autofahrt von meinem Wohnort entfernt liegt. Danke für nichts, Herr Tönnies!

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