Sieben von zehn Kindern gehen ab August 2020 kostenlos in die Kita. Einige Eltern müssen aber mehr deutlich zahlen als bisher. Das ist das Ergebnis einer komplizierten Rechnung.

Schwerte

, 11.06.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Alles ändert sich im August 2020, mit dem neuen Kita-Jahr: Das Land NRW hat festgelegt, dass Eltern für die letzten beiden Jahre vor der Grundschule keine Beiträge mehr zahlen müssen. Außerdem soll nicht mehr unterschieden werden zwischen Kindergarten/Kita und Tagesmutter/Tagesvater. Die Beiträge werden angepasst.

Was einfach klingt, musste im Schwerter Rathaus mühsam durchgerechnet werden. Während das Ministerium ja einfach einen politischen Willen erklären kann, muss das Jugendamt vor Ort konkrete Beitragsforderungen abschicken: Welche Eltern sollen ab August wie viel zahlen?

Diese Entscheidung ist nun gefallen. Am Mittwochabend stimmten alle Schwerter Politiker ohne weitere Diskussion für den Vorschlag aus dem Rathaus. Und der bedeutet unterm Strich: Demnächst gehen sieben von zehn Kindern kostenlos in die Kitas. Die Eltern der anderen drei müssen aber wohl mehr zahlen als bisher.

? Wer muss nicht zahlen?

Zunächst einmal die Eltern der Kinder, die nur noch ein oder zwei Jahre in die Kita gehen, die also 2021 oder 2022 in die Schule kommen. Das betrifft 805 von 1208 Kinder, die aktuell in die Ü3-Betreuung gehen.

? Dass man für die Älteren nichts zahlen muss ist jetzt aber überall in NRW so.

Ja, schon. Aber es gibt noch einen anderen Grund, warum Eltern keine Beiträge zahlen müssen: ein geringes Einkommen. Da hat Schwerte die Schwelle deutich heraufgesetzt. Aktuell liegt sie bei 15.000 Euro bereinigtem Jahreseinkommen, ab 1. August allerdings bei 30.000 Euro. Das erspart weiteren Familien oder Alleinerziehenden die Beiträge.

? Und wie viele sind das?

„Bei insgesamt 508 von 1.504 Kindern unterschreiten die Personensorgeberechtigten das bereinigte Bruttoeinkommen von 30.000 Euro“, heißt es im Text aus dem Schwerter Rathaus. Das bedeutet: Nur für zwei von drei Kindern würde die Stadt überhaupt eine Kita-Gebühr erheben. Und dann kommt ja die Frage hinzu: Ist das Kind vor dem 30. September 2016 geboren oder nicht, steckt es also im letzten oder vorletzten Kita-Jahr vor der Schule? Nur bei 463 Mädchen und Jungen kommt am Ende heraus, dass die Eltern zahlen müssen. Das sind weniger als 31 Prozent aller Fälle. Anders gesagt: Legt man die aktuellen Zahlen zurecht, gehen sieben von zehn Kinder kostenlos in die Kita.

? Also nur gute Nachrichten?

Nun ja. Einige müssen weiterhin zahlen. Und ab 1. August gibt es keine Unterscheidung mehr zwischen U2 und Ü2. Heißt: Bisher sanken die Beiträge für Eltern ab dem zweiten Geburtstag des Kindes. Jetzt nicht mehr.

? Was macht das aus?

Die Tabellen sind komplex. Die Beiträge sind gestaffelt nach Einkommen und nach Wochenstunden. Aber am Beispiel einer Familie mit einem bereinigten Einkommen von 55.000 Euro und 45 Stunden Kita pro Woche: Bis zum zweiten Geburtstag kostete das bisher 162 Euro, danach noch 143. Ab 1. August muss diese Familie durchgehend 152 Euro zahlen, also vor dem zweiten Geburtstag weniger, danach zwei Jahre lang mehr. Für ein Einkommen von 40.000 Euro und 35 Wochenstunden gilt: bisher erst 106, dann 91, ab sofort 102 Euro. Und in der höchsten Kategorie „ab 105.000 Euro“ ergeben sich für das Maximum von 45 Wochenstunden die Werte: bisher erst 542, dann 493 Euro, ab 1. August nun 608 Euro. Generell steigen die Zahlen stärker für diejenigen, die mehr verdienen.

? Muss die Stadt mit diesem Anstieg die fehlenden Beiträge der Vier- und Fünfjährigen ausgleichen?

Jein. Das Land zahlt an die Stadt pauschal einen Betrag für jedes Kind, das nun aufgrund des Alters beitragsfrei ist. Trotzdem muss die Stadt anschließend ihre Beiträge neu errechnen. Denn der Beitrag hängt ja nicht nur vom Alter ab, sondern auch vom Einkommen der Eltern und von der Anzahl der Wochenstunden. Dennoch: Steigerungen von Jahr zu Jahr sind üblich und der normalen Inflation geschuldet.

? Ist es denn jetzt günstiger, das junge Kind zu einer Tagesmutter zu schicken oder in eine Kita?

Das ist finanziell jetzt völlig egal. Ein Sinn des Kibiz-Gesetzes ist es, die Erziehungsarbeit aller Stellen auf eine Stufe zu stellen. Deshalb sind ab 1. August auch die Beiträge gleich – egal, wohin das Kind geht.

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