Kita-Eltern mit Corona infiziert: „Es gibt keine Massen-Quarantäne“

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Eltern mehrerer Kita-Kinder haben sich mit Corona infiziert. An zwei Kitas in Schwerte gibt es Verdachtsfälle. Nur vereinzelt wurden Kinder freigestellt. Was über die Situation bekannt ist.

Schwerte

, 24.06.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Nach einer Grundschule sind auch zwei Kindertagesstätten in Schwerte mit dem Coronavirus konfrontiert. Zumindest indirekt.

Vielmehr hat der Fall an der Grundschule auch Auswirkungen auf den Kita-Betrieb. Denn die Lehrkraft, die positiv auf Covid-19 getestet wurde, lässt ihre Kinder auch in Schwerte betreuen. Was im Umkehrschluss heißt: Auch dort könnte das Virus ausbrechen. Ähnlich sieht es an einer zweiten Kita aus, auch da sind Eltern positiv getestet worden.

Unter Quarantäne stehen allerdings nicht die gesamten Einrichtungen. Nur teilweise wurden Kinder freigestellt. Fragen und Antworten zum Thema.

? An welchen Schwerter Kitas gibt es Verdachtsfälle?

Was am Montagabend zunächst nur aus inoffizieller Quelle zu erfahren war, ist mittlerweile offiziell bestätigt: Betroffen sind die Kita BeSiLa auf der Schwerterheide sowie die Kita Tausendfüßler im Gänsewinkel.

? Wie ist die Situation vor Ort? Wie viele Kinder und Pädagogen stehen jetzt unter Quarantäne?

Gar nicht mal so viele, wie zunächst vermutet. Kreis-Gesundheitsdezernent Uwe Hasche hatte, als er den Fall am Montag in einer Pressekonferenz öffentlich machte, sprach er von insgesamt drei Kita-Gruppen, die ab sofort zuhause bleiben müssten.
Zumindest in der Kita BeSiLa stellte man am Dienstag klar: Ganz so drastisch ist es nicht. Die Kinder mit dem Corona-positiven Elternteil sind zuhause. Alle anderen dürfen kommen. „Der Vater hat sich in der vergangenen Woche infiziert, die Eltern haben sofort am Sonntagabend die Kita informiert. Das Kind selbst wurde negativ getestet, sowie die übrige Familie auch“, bestätigt Ute Frank, zuständig für die Kita-Gruppe der Diakonie Schwerte.
Nochmal anders läuft es bei der Kita Tausendfüßler in städtischer Hand. Auf Empfehlung und in Absprache mit dem Kreisgesundheitsamt habe man zwei Gruppen geschlossen. „Das ist als reine Vorsichtsmaßnahme zu verstehen“, sagt Pressesprecher Ingo Rous. Für die Kinder bestehe aber keine Quarantäne. Sie wurden lediglich nach Hause geschickt, dürfen sich aber frei bewegen. Nach Informationen der Stadt bestehe an dieser Kita kein Zusammenhang mit der infizierten Lehrkraft.

? Laufen dann nicht massenhaft potenzielle Kontaktpersonen durch Schwerte?

Nicht zwangsläufig. Solange nicht eines der Kinder aus dem Corona-positiven Familienumfeld ebenfalls positiv getestet wird, besteht zunächst kein erhöhtes Risiko. Zumindest bei der Kita BeSiLa habe es keine klaren Anweisungen vom Gesundheitsamt gegeben, ganze Gruppen nach Hause zu schicken. „Wir selbst können niemanden in Quarantäne schicken. Wir haben alle Eltern informiert und jeder kann entscheiden, ob sie ihre Kinder bringen oder nicht“, so Ute Frank.

? Wer wird jetzt wann getestet?

Vorerst will der Kreis Unna keine Reihentests für alle Kinder und Mitarbeiter anordnen, erklärte Sprecherin Constanze Rauert schon am Montag. Nur das „unmittelbare Umfeld einer positiv getesteten Person“ werde in der Regel getestet. Das sei das übliche Prozedere. Heißt: Hat Mama oder Papa das Coronavirus, wird zunächst das Kind getestet und alle anderen Kinder der Gruppe müssen zuhause bleiben. Erst wenn das Kind auch positiv ist, folgen weitere Tests.
Wobei wichtig sei, so Constanze Rauert weiter, dass nach fünf bis sieben Tagen eine zweite Testung durchgeführt werde. Es könne sein, dass das Coronavirus im Menschen sei, allerdings noch nicht nachweisbar.

? Für den Fall, dass das Virus bei einem der Kinder nachgewiesen wird – verbreitet es sich dann nicht rasend schnell?

Auch das muss nicht zwangsläufig passieren. In den Kitas gibt es seit dem Neustart nur noch feste Bezugsgruppen, keine offenen Konzepte mehr. Das Ziel: Im Fall einer Infektion die Rückverfolgung sicherzustellen und Infektionsketten gut zu unterbrechen. Betreuungs-Settings, heißen die Gruppen in pädagogischer Fachsprache. „Wir haben kleine Gruppen in einer festen Konstellation, mit festen Bezugspersonen“, sagt Frank. Das Virus bleibt also – sollte es ausbrechen – in einem dieser Settings.

? Wie geht es jetzt weiter?

Zunächst werden die anstehenden Tests der Kinder der Corona-Infizierten abgewartet. Bis dahin bleibt alles beim alten. Und sowieso beginnen am Freitag ja die Sommerferien. Für die Kita BeSiLa sagt Ute Frank: „Wir gehen damit offen um und geben unser Bestes, dass wir die Situation für unsere Kinder und ihre Eltern gut gestalten. Und Stadtsprecher Rous sagt mit Blick auf die Kita Tausendfüßler: „Wir beobachten die Situation weiterhin und stehen in engem Kontakt mit den zuständigen Behörden und auch mit der Einrichtung.“
? Gibt es Neuigkeiten zum offiziell bestätigten Fall an der Grundschule?
Nicht wirklich. Die Lehrkraft und seine Klasse dürfen vor den Sommerferien nicht mehr in die Schule gehen. Zudem werden sie nun auch sie auf Corona getestet. Auch hier sei aber kein Massentest vorgesehen, so Rauert am Montag. Auf diese Testergebnisse warte man jetzt, erklärt Stadtsprecher Rous. Aus inoffizieller Quelle war am Montag zu erfahren, es soll sich um die Friedrich-Kayser-Schule in der Schwerter Innenstadt handeln. Dementiert wurde das bislang nicht.

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